Giftalarm: Grundwasserverbot in Sythen ausgeweitet

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Sythen. Schon vor ziemlich genau 100 Jahren sind bei der Sprengstoffproduktion in Sythen erstmals hochgiftige Rückstände aus der Granatenproduktion ins Abwasserkanalnetz geleitet wurden. Das erklärte Karl-Heinz Reckert, Leiter Fachdienst Umwelt beim Kreis, in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Und: „Das ist für uns heute ein großes Problem, das uns auf alle Ewigkeit verfolgen wird.“

Nach seinen Worten ist davon auszugehen, dass bis 2050 die Schadstofffahne den Mühlenbach erreicht haben wird, im Jahr 2100 den Halterner Stausee. und damit werden die giftigen Rückstände im gesamten Umfeld Sythens zu finden sein. „Diese Kontaminierung ist eine absolute Besonderheit, sie ist wohl in dieser Größe deutschlandweit einzigartig“, macht Reckert die Dimension deutlich.
Er kündigte an, dass das schon vorhandene Grundwassernutzungsverbot Ende März auf ganz Sythen ausgeweitet wird. Lediglich die Stockwiese ist davon nicht betroffen. „Die Bürger werden darüber noch gezielt von der Kreisverwaltung informiert.“ Gleichzeitig stellte er aber auch klar, dass keinerlei Gefahren für die Bürger vom Grundwasser ausgingen, solange dieses nicht als Brauchwasser genutzt werde. In dem Grundwasser sind die Schadstoffe DNT (Dinitrobenzole) und TNT (Trinitrotoluol) nachgewiesen worden, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, TNT schneller als DNT, verteilen.
Allerdings gibt es bisher auch schon zwei Ausnahmen beim Verbot der Grundwasser-Nutzung. Das Freibad und der Prickings-Hof (nach Entscheid des Verwaltungsgerichts) dürfen das Wasser nutzen. Denn es wurden, so Reckert, im Freibad-Wasser bisher keine sprengstofftypischen Verbindungen nachgewiesen, auf dem Prickings-Hof ist eine Aktivkohle-Anlage eingebaut worden.

Im Freibad-Wasser bisher keine sprengstofftypischen Verbindungen nachgewiesen...


Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses werden etwa im Herbst auf dem ehemaligen Wasag-Gelände t die dort installierte Versuchsanlage anschauen, die sicherstellen soll, dass nicht noch mehr kontaminiertes Wasser vom Gelände abfließen kann. Für die Sanierung des Grundwassers sind vom Grundstückseigentümer bislang knapp vier Millionen Euro ausgegeben worden. „Wir rechnen damit, dass der Kreis in Zukunft die Kosten schultern müssen“, sagte Karl-Heinz Reckert an. Denn der Eigentümer haftet nur bis zur Höhe des Grundstücks-Verkehrswertes.
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