Kauf lokal - "Mir ist um den stationären Handel nicht bang!", sagt der Wirtschaftsförderer

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Es gibt Branchen, stärker unter wachsenen Internethandel leiden als andere. Wir befragten Martin Hapke, Wirtschaftsförderer der Stadt Hamminkeln.

1. Wie stehen Sie zum Thema Internethandel?

Hapke: Der Internethandel hat seinen Zenit sicher noch nicht erreicht. Aus Sicht des Verbrauchers hat der Online-Handel den Vorteil der ständigen „Ladenöffnung“, der Sortimentsbreite und hohen Preistransparenz. Kaum wettmachen kann der Internethandel die Beratungskompetenz des stationären Einzelhandels.

Die Abschaffung der portofreien Lieferung bzw. die Anhebung des Kaufwerts für die portofreie Lieferung sowie die Überlegung einiger Logistikunternehmen, den Kunden seine Waren selbst an zentralen Verteilerstellen abholen zu lassen, zeigt deutlich, dass die Kalkulationen der Internet-Händler und der Logistik-Unternehmen oft nicht kostendeckend sind.

Der stationäre Handel wird keineswegs verschwinden, wenngleich sicher einige Branchen hart zu kämpfen haben werden und eine Neuorientierung vornehmen müssen. Der Buchhandel ist ein Beispiel dafür, dass auch bei den für den Internethandel unproblematischen Sortimenten nicht der Tod des stationären Handels zwangsläufig folgen muss. Bücher waren mit die ersten Produkte, die in großem Stil per Internet verkauft wurden. Einige der überregionalen Buchhandelsfilialisten haben schwer gelitten, aber die Zahl der inhabergeführten Buchläden mit individueller Beratung nimmt seit einiger Zeit wieder deutlich zu.

Der stationäre Einzelhandel kann das Internet als Schaufenster und zur verlängerten „Ladenöffnung“ nutzen. Einkaufsgemeinschaften müssen sich finden, um ähnlich günstige Beschaffungspreise wie die Marktriesen zu erreichen und der Werbekraft der großen Internethändler entgegenzutreten. Wenn dann der Service am Kunden nicht dem Preiskampf geopfert wird, ist es mir um den stationären Handel nicht bang.

2. Haben Sie in jüngerer Zeit von Umsatzeinbußen der Betriebe in der Hamminkelner City aufgrund der Internetkonkurrenz gehört?


Ja, diese Aussagen gibt es. Vor allem der mittelfristige Bedarfsgütersektor scheint da betroffen. Es ist festzustellen, dass der Bekleidungs- und der Elektronikbereich, aber auch Uhren, Schmuck und Spielwaren stark umkämpft sind. Unfair empfinde ich das Verhalten vieler Konsumenten, die anhand der Fachkompetenz und Beratung des stationären Einzelhandels eine Kaufentscheidung für Angebote aus dem Internet fällen.

Durch die Kosten für Rücksendungen, die jetzt von einigen Internethändlern erhoben werden, wird der Konsument hoffentlich wieder verstärkt den Weg in den stationären Fachhandel finden. Hohe Frachtkosten für schwere und sperrige Güter relativieren ohnehin die Preisspanne zum stationären Einzelhandel.

Hier sollte der Kunde einfach mal wieder den Mut finden, ein Angebot einzuholen. In vielen Fällen bleibt festzustellen, dass der örtliche Händler nicht, zumindest nicht wesentlich, teurer ist, aber einen besseren Service liefert.

3.Welche Ideen sehen Sie als wegweisend für eine florierende Gewerbelandschaft?

Der stationäre Einzelhandel muss das Internet stärker nutzen. Zum Einen muss der Betrieb im Internet präsent sein, damit der Verbraucher den Betrieb wahrnehmen und sich über das Sortiment und die Verfügbarkeit der Ware informieren kann. Damit wird ein Vorteil des Internethandels relativiert. Zum Anderen sollte eine Terminvereinbarung für eine umfassende Beratung und individuelle Betreuung oder die Bezahlung und Abholung oder Auslieferung der Ware ermöglicht werden.

Damit sind eindeutig Vorteile des stationären Einzelhandels verbunden, denn der Kunde kann nach der Beratung eine fundierte Kaufentscheidung treffen und die Mitnahme bzw. Abholung oder Zustellung der Ware verkürzt die Zeit bis zur Verfügbarkeit beim Kunden. Auch die konkrete Bestellung nicht verfügbarer Artikel aus dem Sortiment kann per Internet angeboten werden, wobei sich der Kunde den vergeblichen Weg zum Geschäft spart.

Das sagt CDU-Parteichef Norbert Neß.
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