Besinnliches von Carsten Neumann: "Von Muskeln, die zu machen, und Herzen, die wieder weit werden"

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Carsten Neumann, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde St. Georg, Hattingen
Hattingen: St. Georgs-Kirche |

Es gibt viele lustige Aussagen von berühmten Fußballern. Andreas Brehme stellte einst klar: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.“ Und Andi Möller verkündete einmal entschieden: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.“

Lothar Matthäus prägte unter anderem die Redewendung: „Der Muskel hat zu gemacht!“ Damit meinte er einen Muskelkrampf, eine Verletzung, die es ihm unmöglich machte weiterzuspielen. Die Belastung war so groß, dass der Muskel blockierte und Matthäus ausfiel.
Unser Herz ist auch ein Muskel, der blockieren kann. Ich meine das nicht medizinisch, sondern seelisch. Wenn ich enttäuscht oder wütend bin auf einen Menschen, dann zieht sich auch dieser Muskel zusammen und wird ganz eng. Mitgefühl und die Sicht des Anderen passen nicht mehr herein. Selbstzweifel und -kritik haben keinen Raum, das Herz wird eng.
Im Sport wird ein verletztes Körperteil sofort behandelt, damit die Person weiterspielen kann. Unser Herz lassen wir nach einer Verletzung oft unbehandelt. Frust oder Trauer bleiben, machen sich breit und verdrängen die guten Gefühle wie Freude und Dankbarkeit. Das Herz ist zu klein.
Gerade bei Herzensangelegenheiten braucht man Ehrlichkeit und den Willen zur Wahrheit. Denn ohne Diagnose gibt es keine Heilung. Ich frage dann im Selbstgespräch: „Was hat mich verletzt? Was hat mich so wütend gemacht?“ Oder in einer klärenden Unterhaltung: „Was stimmt nicht bei uns?“
Wie eine physische Verletzung, so braucht auch das Herz nach der Diagnose eine Therapie oder eine Reha-Maßnahme. Verletzte Herzen brauchen Zeit zum Weinen, zum Leiden, zum Trauern. Und sie benötigen Mut zu Vergebung und Versöhnung. Nur so kann verhindert werden, dass die Krankheit chronisch wird und die emotionale Verstimmung dauerhaft das Leben überschattet.
Ehrlichkeit und Mut machen das Herz wieder weit. Es kann sich wieder öffnen für das Leben, für Menschen und Ereignisse. Dazu brauchen wir Gottvertrauen. Denn er weiß, wie es meinem Herzen geht: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Er ist der Tröster, meine Zusage, dass wieder heil werden kann, was kaputt gegangen ist. Daher lasst uns gemeinsam beten: „Herr, schenk mir ein weites Herz, das auf dich hört und auszusprechen wagt, was es betroffen hat.“
Amen
Carsten Neumann,
Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde St. Georg
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 22.02.2016 | 22:04  
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