Besinnliches von Theo Schmülling: "Wo ist Pfingsten zu finden?"

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Theo Schmülling, Diakon, Klinikseelsorger in Holthausen
Hattingen: Klinik Holthausen |

Es ist Pfingsten. So jedenfalls steht es im Kalender. Im Betrieb haben wir einen zusätzlichen Tag frei. Die vom Ferienreiseverkehr vollgestopften Straßen sagen es auch: Es ist Pfingsten.

Im Leben und Alltag unserer Kirchen und Gemeinden von heute scheint die Erfahrung des pfingstlichen Aufbruchs oftmals zu fehlen. Da scheinen Angst, Lähmung und Müdigkeit zu dominieren.
Wo ist „Pfingsten“ zu finden? Skeptiker haben schon Anlass zu der Frage: „Wo ist denn von diesem Pfingsten etwas zu spüren? Es reicht doch nicht, dass Ministranten mehr da sind als sonst, dass es in den Gemeindenachrichten steht, dass Priester rote Gewänder tragen, die an die pfingstlichen Feuerzungen erinnern. Wo ist denn von Pfingsten etwas zu spüren?
Es ist in der Tat nicht so einfach, das Pfingsten unserer Tage zu entdecken. So spektakulär wie das erste Pfingsten damals in Jerusalem ist es nicht.
Ich erlebe in meiner seelsorgerlichen Arbeit viel Unerwartetes, Überraschendes, das gar nicht so einfach durch das Wirken und vielleicht das Geschick und Können meiner Tätigkeit zu erklären ist: Etwa, dass Menschen (vor allem in der Reha-Klinik Holthausen) ihre Gefühle, Empfindungen, Hoffnungen wider alle Hoffnung ganz frei, offen und zugleich achtsam und einfühlsam äußern, dass Menschen mit ihren bescheidenen Erfahrungen ernst genommen werden, dass ältere und kranke Menschen auch einmal vergesslich sein dürfen, ohne dass sie deswegen abgeschrieben werden; dass Überforderte den Mut gewinnen, zu ihren Grenzen zu stehen, und um Hilfe bitten, die ihnen dann auch liebevoll gewährt wird.
Ich jedenfalls bin sicher: Solches Pfingsten – zaghaft und doch großartig – gibt es auch hier und heute bei uns. Wir müssen es nur erst wahrnehmen.
Und wenn wir in einer Woche Pfingsten feiern, dann wird das ein Tag sein, an dem wir lernen, dass wir als einzelne Menschen und als Kirche nicht nur für uns selbst da sind, um unser und das Erscheinungsbild unserer Kirche zu pflegen, sondern um uns mit der „be-Geist-ernden“ christlichen Botschaft an der Veränderung der ungerechten, heillosen Lebensverhältnisse aktiv im alltäglichen Leben zu beteiligen.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

Theo Schmülling,
Diakon, Klinikseelsorger
Hattingen-Holthausen
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Erich Marré, M.A. aus Essen-Ruhr | 16.05.2015 | 11:51  
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