Eine Erfolgsgeschichte: Taekwondo-Gruppe im „Haus“ wird 40 Jahre

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Ein Teil der Aktiven und Ehemaligen versammelte sich für dieses Foto bei dem Training der Taekwondo-Gruppe Haus der Jugend in der Turnhalle Blankenstein: (vorne v.l.) Mitgründer Harald Lubnau, Trainer Erkan „Oskar“ Tama, der selbst als Kind dazu kam, Udo Fritz und Willi Grünberg. Hinter den vielen Kids verteilt stehen mehrere Träger des zweiten Dans sowie die Nachwuchstrainer Nadine Reinhardt, Tanja und Katrin Lempner, Ben Langkabel sowie Irem Güres. Foto: Römer
 
Disziplin und immer wieder nach den koreanischen Namen für Techniken, Tritte und Schläge - auch das gehört zum Taekwondo-Training. Foto: Römer
Hattingen: Haus der Jugend |

Seit vierzig Jahren findet, veranstaltet vom Haus der Jugend, Taekwondo-Training für Kinder und Jugendliche in Hattingen statt. Das sind 40 Jahre erfolgreiche Integrations- und Jugendarbeit. Manche von den ersten Schülern sind heute noch dabei – als Trainer oder Eltern oder Aktive.

Wer gut rechnen kann, weiß es schon: 1975 ging es los damit. Und die Finger dabei im Spiel hatte jemand, der bei zumindest „alten“ Besuchern vom „Haus“ so etwas wie eine Legende ist: Rainer Schäfer.
Wie? Sie kennen Rainer Schäfer nicht, obwohl Sie schon älter als 50 Jahre sind? Und was ist mit „Kahtschi“? So wird sein Spitzname jedenfalls ausgesprochen, geschrieben wurde er vermutlich noch nie. Aber jetzt wird bei vielen der berühmte „Groschen“ gefallen sein...
Denn „Kahtschi“ hatte auch seine Finger mit drin bei der Gründung der Taekwondo-Abteilung. „Reiner Ebenhöch und ich waren bei der Druckerei Hundt an der Augustastraße. Und als Fans von Bruce Lee hatten wir dort ein paar Tritte üben dürfen“, erinnert sich Harald Lubnau. „Aber als unsere Gruppe größer wurde, kam Reiner auf ,Kahtschi‘ vom Haus der Jugend. Zu dem hatte er einen guten Kontakt und hat ihn nach einem Trainingsraum gefragt. So ging das los mit einer Handvoll Leuten damals. Und ich weiß noch, unseren ersten Trainer, den nannten wir Peweifu. Eigentlich hieß der Peter Weinfuhr.“

Jugendliche von der Straße holen

Ziel sei es immer gewesen, ergänzt er, Jugendliche von der Straße zu holen. Das weiß auch Udo Fritz, der ein Jahr später dazu stieß: „In Hattingen gab es damals eine starke Rocker-Szene. Da wollten wir den Jugendlichen eine Alternative bieten. So kamen auch die ersten ausländischen Mitbürger zu uns. Das war der Beginn unserer Integrations- und Jugendarbeit, die jetzt 40 Jahre andauert.“
In Spitzenzeiten trafen sich 160 Jugendliche zum Kampfsport, der ihrer Meinung im englischsprachigen Raum mit „Kampf-Kunst“ treffender beschrieben ist. Denn es werde nicht nur das Kämpfen vermittelt, sondern es gehöre viel mehr dazu. Es gehe um die Tugenden Bescheidenheit, Durchhaltevermögen, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt, Selbstdisziplin, Toleranz, Unbescholtenheit, Unverletztlichkeit, Wertschätzung.

Taekwondo-Techniken nichts für die Straße

„Wer seine Taekwondo-Techniken auf der Straße einsetzt, ohne sich selbst verteidigen zu müssen, fliegt aus der Trainings-Gruppe. Immerhin können einige Schläge und Tritte an der richtigen Stelle lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Zum Glück ist so etwas in meiner langen Trainer-Zeit noch nie vorgekommen“, versichert Willi Grünberg. Er ist seit 1986 dabei. Als Träger des vierten Dan gehört er zu nur knapp einer Handvoll im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis. „Nur einer von 100 Anfängern kämpft sich so weit nach vorne“, meint er.
Willi Grünberg ist aber nicht der einzige aus der Truppe, der im Laufe der 40 Jahre erfolgreich war: Stadtmeister sind darunter, Deutsche Meister und sogar ein Europameister. Da sagt Udo Fritz zurecht: „Wir können uns auf der ganzen Welt sehen lassen.“
Einmalig ist wohl auch, dass alle Trainer ehrenamtlich für den Verein arbeiten, den Respekt und die Disziplin an Mädchen und Jungen, viele von ihnen Kinder und Kindeskinder der Gründungsmitglieder, gleichermaßen weitergeben. Erkan Tama ist so einer. Er ist selbst als Kind dazu gestoßen und bis heute dabei – inzwischen als Trainer. „Oskar“ wird er seit mittlerweile Generationen genannt.
Möglich wäre die Vereinsarbeit und der außergewöhnliche Zusammenhalt, weiß auch Cahit Bakir, Sozialarbeiter im Haus der Jugend, nicht ohne das Engagement von Eltern wie Elmar Rau, die nicht nur die eigenen, sondern auch andere Vereinskinder unterstützen.

"Offizielle" Jubiläumsfeier erst am 19. September

Viel läuft auch über die lächerlich geringen Vereinsbeiträge: 20 Euro für Schüler und Studenten, 30 Euro für Erwachsene – und das jeweils für ein halbes Jahr! Hiervon werden Fahrten gezahlt, aber auch Anzüge, Prüfungen, Gürtel für finanzschwache Mitglieder oder der Beitrag an den Dachverband, der die Teilnahme an Wettkämpfen und Turnieren ermöglicht.
Im Laufe der Jahre haben sich die Gruppen vermischt, denn irgendwann reichte das „Haus“ mit seiner „problematischen Duschsituation“ für die vielen Mitglieder nicht mehr aus, so dass Hallenzeiten durch die Stadt auch im Rauendahl, der Talstraße und in der Turnhalle Blankenstein zugeteilt wurden. Heute trainieren auch Rauendahler bei ihren Freunden in Blankenstein oder umgekehrt.
Unzählige Anekdoten werden sicher ausgetauscht werden und viele Aha-Erlebnisse wird es geben, wenn sich die rund 60 heute Aktiven mit den „Gründungsvätern“ und anderen Ehemaligen am 19. September zur „offiziellen“ Feier des Jubiläums der „Taekwondo-Gruppe Haus der Jugend e.V.“ ebendort treffen zu 40 Jahren Kinder- und Jugendarbeit live...
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Ulrich Giese aus Essen-Borbeck | 04.05.2015 | 13:14  
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