Jobcenter-Mitarbeiter widersprechen der BA - Gegen-Hartz IV

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„Nachdem der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff im Rahmen seiner RTL Sendung „Team Wallraff Reporter undercover“ auf die massive Missstände im Jobcenter hinwies, hagelte es vom Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA) harsche Kritik. Im einem Interview mit der BAinternen Zeitung „Dialog“ erklärte Vorstands Mitglied Raimund Becker, dass sich die Mitarbeiter der Jobcenter durch den Bericht von Wallraff verunglimpft fühlten. Nun melden sich Mitarbeiter der Behörde in einem anonymen Brief an Inge Hannemann zu Wort, die den Brief auf ihrer Internetseite „altonabloggt.com“ veröffentlicht hat. Demnach entsprechen Beckers Behauptungen alles andere als der Wahrheit.
gegen-hartz.de

Guten Tag Frau Hannemann!
Mit großem Entsetzen und Wut haben wir die neueste Ausgabe der internen „Propagandazeitung„Dialog“ zur Kenntnis genommen. Es ist so gekommen, wie wir geahnt haben: Gehirnwäsche wie immer, erneut werden Missstände verleugnet und die Vorstände Weise, Alt und Becker vertuschen ihre Fehler.
[…]
Wenn das Thema nicht so ernst wäre und nicht die Existenz von Millionen Menschen daran hängen würde, dann könnte man denken, Weise, Alt und Becker leiten eine Comedysendung. Die kann man als Mitarbeiter doch gar nicht mehr ernst nehmen.
[…]
Wir distanzieren uns aufs aller Schärfste von den getätigten Behauptungen der Herren Weise, Alt und Becker und fordern die Behördenleitung auf in Zukunft diese subtile Gehirnwäsche zu unterlassen.
Wir sind keine Idioten, wir arbeiten nicht in einer Sekte, sondern in einer Behörde mit einem eigentlichen sehr verantwortungsvollen, politischen Auftrag. Nämlich Menschen in Arbeit (von der man leben kann) zu bringen und pünktlich deren zustehende Leistungen auszuzahlen. Menschen zu beraten und ihre eventuellen Vermittlungshemmnisse zu beseitigen. Unser Auftrag lautet nicht: Arbeitslosenzahlen und Statistiken zu fälschen, Millionen an Steuergeldern zu
verschwenden und die Menschen in die Zeit oder Leiharbeit zu (er) pressen. Auch wollen wir keinen massiven Fachkräftemangel produzieren, Skandale vertuschen, der Öffentlichkeit eine heile Welt vorspielen und das Denken einstellen. Wir sind alle erwachsene Mitarbeiter in den Agenturen und Jobcentern und keine Kindergartenkinder, denen Weise, Alt, Becker und ihre „Führungskräfte“ Märchen erzählen müssen. Wir machen schließlich die Arbeit an der Basis und wissen wohl am besten was wie läuft.
Wir distanzieren uns ebenfalls von den monatlich falsch angegebenen Arbeitslosenzahlen. Diese entsprechen in keinster Weise der tatsächlichen Wahrheit! Beraten müssen wir auch die nicht genannten Menschen.
Kollegiale Grüße!
Mit Genehmigung zur Veröffentlichung

altonabloggt.com

Dies sind ehrliche Worte, anonym geschrieben, um persönliche Repressionen und Konsequenzen zu vermeiden. Diese Zeilen zeigen, dass der hausinterne Druck immens hoch ist. Während BA und Jobcenter Sicherungssysteme und Wachschutz gegen die Kunden installieren, wird der Schutz gegen die zum Teil offen rechtswidrigen Dienstanweisungen vernachlässigt.

Für Erwerbslose, die Monat für Monat um ihre existenzielle Grundversorgung fürchten müssen, ist es beinahe unmöglich Verständnis für die psychische Belastung der Behördenmitarbeiter zwischen zwei Fronten zu entwickeln. Aber – das hat auch die Wallraff-Reportage gezeigt, - die Furcht der Mitarbeiter vor persönlichem Arbeitsplatzverlust und die Abhängigkeit vom Arbeitgeberwillen, sind meist größer als die „Furcht“ vor dem Kunden.

Aber es ist nicht damit getan, wenn sich Behördenmitarbeiter und Jobcenter-Kunden beim gemeinsamen Psychologen aussprechen. Interne Missstände können nur aufgearbeitet und ausgeräumt werden, wenn die internen Rechtsverletzungen bei den richtigen Personen bekanntgemacht werden.

Die blutleeren Aussagen von Vorstandsmitglied Raimund Becker lassen vermuten, dass der Mann kaum Kenntnis von der Basisarbeit vor Ort hat.
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