250 Flüchtlinge für Meerbeck

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Die Bürgerinitiative Meerbeck-Ost fordert ein Begleitungs- und Integrationskonzept. (Foto: Heike Cervellera)

Ab Oktober 2016 sollen 250 Flüchtlinge in der ehemaligen Germendonkschule im Moerser Stadtteil Meerbeck untergebracht werden.

Von dem Fakt, dass die Stadt Moers 250 Flüchtlinge in der ehemaligen Germendonkschule in Meerbeck unterbringen möchte, haben viele der Anwohner nur aus dem Radio erfahren: „Irgendwann haben wir nebenher davon erfahren und daraus entwickelte sich die Bürgerinitiative für Meerbeck-Ost“, so Sabine May, Sprecherin der Bürgerinitiative für Meerbeck-Ost.
Jochen Fier, ebenfalls Sprecher der Bürgerinitiative, macht ganz klar, dass sie nicht gegen die Flüchtlinge allgemein seien: „Wir sehen, dass die Flüchtlinge hier untergebracht werden, ganz klar, aber es geht uns eher um die Anzahl der Flüchtlinge. Die ist nämlich nicht zu stemmen.“

Ein weiteres Mitglied der Bürgerinitiative findet da noch deutlichere Worte: „250 Flüchtlinge in eine Schule zu pferchten ist unwürdig. De Facto stehen jedem sechs Quadratmeter Platz zur Verfügung und das nicht vorübergehend, sondern dauerhaft.“ Bei der neuen Flüchtlingsunterkunft handele es sich nämlich nicht über eine Erstaufnahmeeinrichtung, sondern um eine dauerhafte Einrichtung.
Um ihren Bedenken Ausdruck zu verleihen und miteinander in Kontakt zu treten, wurden die Mitglieder der Bürgerinitiative zu Bürgermeister Christoph Fleischhauer eingeladen. May: „Die Informationen, die wir dort von Herrn Fleischhauer erhalten haben, haben uns alarmiert, dran zu bleiben. Uns missfällt die Vorgehensweise der Stadt. Erst soll alles in trockenen Tüchern sein und dann werden die Bürger informiert. Größter Schwachpunkt ist für uns zudem, dass es keinerlei Begleitungs- und Integrationskonzept gibt.“

Generell gehe es den Mitgliedern darum, dass die Anwohner vor Ort auch informiert werden: „80 bis 90 Flüchtlinge packen wir locker, die können sehr gerne sofort kommen. Aber 250? Das ist eine Hausnummer“, findet eines der Mitglieder.
Zudem bemängeln die Mitglieder der Bürgerinitiative, dass die Schule viel Platz biete um zum Beispiel auch Sprachunterricht zu ermöglichen, dies aber durch die hohe Personenbelegung nicht möglich sei: „Wir wollen uns gerne engagieren, haben auch viele Lehrer in der Nachbarschaft, die Sprachunterricht geben möchten. 100 Flüchtlinge können wir vielleicht integrieren, aber keine 250!“

Neben der Bürgerinitiative für Meerbeck-Ost meldeten sich nun auch weitere Anwohner des Stadtteils, die sich klar von der Bürgerinitiative distanzieren und dies auch in einem offenen Brief an den Bürgermeister kund getan haben: „Wir sind keine Bürgerinitiative (…) wir möchten aber dem Eindruck entgegentreten, dass der ganze Stadtteil von der bereits angesprochenen Bürgerinitiative vertreten wird.“ Weiterhin machen die Anwohner darauf aufmerksam, dass sie keinesfalls weltfremd seien und es ihnen bewusst sei, dass es zu Problemen kommen könnte, aber dass sie die Notwendigkeit, Menschen in Not zu helfen, anerkennen.

Christoph Fleischhhauer, Bürgermeister von Moers, nahm auf Anfrage des Wochen-Magazins wie folgt Stellung: „(…) Wir befinden uns erst am Anfang des Verfahrens. Es gibt noch keinen Beschluss, das Grundstück und das Gebäude zu erwerben. Die Entscheidung wird erst am Mittwoch, 27. April, im Rat getroffen. Natürlich gibt es einen Sanierungsbedarf. Wir gehen davon aus, dass sich auch die Sanierung betriebswirtschaftlich rechnet. Aktuell haben wir Informationen darüber, dass sich asbesthaltiges Material im Fußboden befindet. Dies ist für einen alten Schulbau nicht ungewöhnlich. Hier wäre eine Schadstoffsanierung nötig. Zurzeit gehen wir von Gesamtsanierungskosten in Höhe von 600.000 Euro aus. Die Anzahl der Flüchtlinge, die dort untergebracht werden sollen, ist der allgemeinen Situation geschuldet. Durch die kontinuierlichen Zuweisungen sind wir auf alle Räumlichkeiten in der Stadt angewiesen. Wir suchen händeringend nach weiteren Möglichkeiten der Unterbringung. Hier geht es um Vermeidung von Obdachlosigkeit. Richtig ist, dass wir kein Begleitungs- und Integrationskonzept in der Schublade liegen haben. Für die Untergebrachten wird es selbstverständlich eine städtische Betreuungsperson geben, die dort ihr Büro hat. Erfahrungen mit anderen Einrichtungen haben gezeigt, dass sich sehr schnell eine Unterstützungsstruktur aus dem ehrenamtlichen Bereich bildet – auf die wir auch in Meerbeck-Ost angewiesen sein werden. Zudem startet am 1. April die städtische Flüchtlingskoordinatorin, die auch diesen übergeordneten Bereich im Blick haben wird.“
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