Bambus für pelzige Kunden europaweit

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Der im Jahre 2012 verstorbene Pandabär Bao Bao ließ sich im Berliner Zoo auch Bambus schmecken, den Stephanie und Reiner Winkendick auf einer Plantage in Holland angebaut, geerntet und in die Hauptstadt geliefert hatten. Foto: privat
 
Stephanie und Reiner Winkendick betreiben einen Pflanzenhandel und Zoo-Gartenbau in Kamp-Lintfort. Die Biologin und der Hobby-Vogelzüchter waren an der Gestaltung zahlreicher Tiergehege in Zoos beteiligt und arbeiten mit Einrichtungen aus ganz Europa zusammen. Zudem beliefern sie Zoos aus ganz Europa mit Futterbambus, der unter ihrer Regie auf Plantagen in den Niederlanden angebaut wird. Fotos: Heike Cervellera
Wenn man im Zoo erst über den Tiger stolpern muss, um ihn zu sehen, dann könnte die perfekte Tarnung auf die „Kappe“ von Stephanie und Reiner Winkendick gehen: Zoos aus ganz Europa nutzen das Know-How der Kamp-Lintforter beim biotopgerechten Gehegebau und beziehen deren Bambuspflanzen aus eigenem Anbau.

„Wir versuchen das perfekt umzusetzen, den natürlichem Lebensraum von Tieren zu gestalten“, erzählen die Winkendicks, die seit 1993 einen Pflanzenhandel und Zoo-Gartenbau in Kamp-Lintfort betreiben. „Bei einem Gehege für asiatische Tiger muss eine spezielle Bambussorte zum Einsatz kommen, deren Halmstruktur den Tieren eine perfekte Tarnung ermöglicht“, erklärt die studierte Biologin Dr. Stephanie Winkendick. Sie kennt sich aus, denn sie hat eine Doktorarbeit über die Haltung von Tigern in Zoos verfasst. Gatte Reiner Winkendick führte sein Hobby, die Zucht tropischer Vögel, zu seiner Geschäftsidee. Bei einer Zoodirektorentagung lernte sich das Paar kennen und die Biologin verlegte ihren Wohnsitz von Hamburg in die Bergbaustadt.

So waren die Beiden etwa an der Umgestaltung des Brillenbärengeheges und des Gorillabusches im Duisburger Zoo beteiligt, wie auch am Elefantenpark und dem Tropenhaus in Köln. Die Kamp-Lintforter möchten jedoch nicht als Gärtner wahrgenommen werden. „Wir versuchen, die Haltung der Tiere in menschlicher Obhut durch gute Gehegeplanung optimal umzusetzen“, bringt es Reiner Winkendick auf den Punkt. Das Paar verfügt über umfangreiches Wissen zu Pflanzen, welche der jeweiligen Tierart schmecken und welche giftig sind.
Aktuell sind 24 Sattelzüge unterwegs zur „Insel“: die Winkendicks liefern für 250.000 Euro tropische Pflanzen und 40 acht Meter hohe Bäume zum Zoo ins britische Chester für eine 60.000 Quadratmeter große Erweiterungsfläche. Außerdem orderte das Naturkunde-Museum in Berlin Bambusröhren für eine große Panda-Ausstellung. Ápropos Bambus, Pandas und Berlin: „Über den Berliner Zoo kam ich seinerzeit dazu, Futterbambus anzubauen“, erzählt der studierte Maschinenbauingenieur. „Die Franzosen, von denen der Zoo den Bambus für den verstorbenen Panda Bao Bao bezogen hatte, hatten die Preise verdoppelt und da wir bereits tropische Pflanzen zum Berliner Zoo lieferten, fragte man uns 2007, ob wir Futterbambus zu günstigeren Konditionen anbieten könnten“, erinnert er sich. „Ich hatte damals nicht die leisteste Vorstellung vom Bambusanbau, wusste nicht, ob ich das mit Anbau und dem aufwendigen Kühltransport würde wirtschaftlich stemmen können.“ Und wie er konnte! Inzwischen gedeihen auf einer Plantage im grenznahen Holland fußballgroße Bambusfelder unter seiner Regie. „Die Pflanzen benötigen etwa drei Jahre, bis sie eine Höhe von viereinhalb Metern erreichen und wir ernten einmal jährlich“, erzählt Reiner Winkendick. 20 verschiedene Sorten könne man liefern. Sechs müssen es immer sein - wenn sie als Futter für Pandabären bestimmt seien. „Pandas sind Feinschmecker und haben einen individuellen Geschmack“, weiß Stephanie Winkendick. Der Berliner Zoo bemühe sich bereits um einen Nachfolger für Bao Bao. Dieser würde 30 bis 40 Kilogramm Bambus pro Tag verspeisen. Sehr gut möglich, dass dies niederrheinischer sein wird.

Ebenfalls am Herzen liegt den Winkendicks die Realisierung eines Projekts in Kamp-Lintfort: Ein zoologischer Garten mit Haustieren mit dem Schwerpunkt Umweltbildung für Kinder. Es habe bereits Gespräche und positive Resonanz gegeben. „Es tut sich derzeit sehr viel, in den Zoos entstehen viele Bildungsprojekte, es wäre schade, wenn wir hier den Anschluss verpassen würden,“ sagt Stephanie Winkendick, die die NaturErlebnis Schule im Oberhausener Kaisergarten leitet, und ergänzt: „Man muss nicht unbedingt Pandas und Koalas haben, um ein besonderes Erlebnis zu schaffen. Ich habe erlebt, dass Menschen faszininiert sind, wenn sie ein Huhn auf dem Arm halten.“
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 02.12.2014 | 19:20  
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