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Christian Triebel (Foto: EKM/ Andreas Köhring)
 
Das vertrauensvolle Arztgespräch ist wichtig, um alle Symptome, die auf eine Krankheit hinweisen können, zu besprechen. Fotos (2): EKM/ Andreas Köhring
Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Arztgespräche

„Irgendetwas ist doch komisch mit Opa“, denkt Jens, als er seinen Großvater Walter N. besucht. „Irgendetwas an seinem Gang ist anders…“ Als er seinen Opa darauf anspricht, reagiert der unwirsch. Alles gut, die Standard-Antwort. Aber Jens ist auch schon vor Wochen aufgefallen, dass sein Opa vergesslich wird. Er drängt auf einen Arztbesuch.

„So ein Quatsch“, denkt Walter N. Aber seinem Enkel zuliebe geht er trotzdem hin.
Beim Arzt erzählt er von den Beobachtungen seines Enkels und sagt gleich hinterher: „Aber das ist ja normal in meinem Alter.“ Das sieht der Arzt anders. Denn auf Nachfragen stellt sich heraus, dass Walter N. neben dem veränderten Gang und der Vergesslichkeit seit einiger Zeit auch Probleme mit Inkontinenz hat. Für sich genommen erscheinen diese Beschwerden vielleicht harmlos und werden dem Alter zugeschrieben, so wie Walter N. es tut.

„In Kombination aber können sie auf eine schwere Krankheit hinweisen“, erklärt Christian Triebel, Chefarzt der Medizinischen Klinik für Geriatrie und Neurogeriatrie des Ev. Krankenhauses Mülheim (EKM). Diese Dreierkombination von Gangstörung, Vergesslichkeit und Inkontinenz, genannt Hakim-Trias, kann auf einen inneren sogenannten inneren Wasserkopf hinweisen, der medizinische Fachausdruck dafür ist Normaldruckhydrozephalus. Dabei ist die Menge des Hirnwassers erhöht und dadurch wird dauerhaft das Hirngewebe geschädigt. Wird diese Krankheit nicht erkannt und behandelt, kann sie schwere Folgen haben: Die Gangstörung kann zur Immobilität führen, die Gedächtnisstörung zur manifesten Demenz.

Auch vermeintliche Kleinigkeiten können wichtig sein

Darum ist es wichtig, dem Arzt alle Symptome genau zu beschreiben. Christian Triebel weiß, dass manche Patienten beim Gespräch mit dem Arzt vergessen, die eine oder andere Beschwerde zu erwähnen; aus Aufregung, oder weil sie ihr keine große Bedeutung zumessen.

Der Chefarzt rät, sich vor dem Arztbesuch hinzusetzen und in Ruhe zu überlegen: Welche Beschwerden habe ich und seit wann? Diese Symptome können Patienten auf einer Liste sammeln, egal, für wie wichtig oder unwichtig sie diese halten. Und sie sollten auch aufschreiben, was anderen an ihnen aufgefallen ist. „Man hat dabei ja nichts zu verlieren“, sagt Christian Triebel.

Diese Liste können die Patienten dann mit ihrem Arzt besprechen, so dass dieser einen guten Überblick über die Beschwerden bekommt. Im Fall von Walter N. kann eine Computertomografie (CT) klären, ob es sich um einen inneren Wasserkopf handelt oder nicht. Wird die Krankheit früh erkannt, ist sie gut behandelbar. Oft wird sie jedoch mit anderen Krankheiten verwechselt oder nicht erkannt.

„Ältere Menschen müssen nicht mit ihren Beschwerden leben, nur weil sie alt sind. Oft können wir helfen. Aber die Patienten müssen offen über jede Kleinigkeit mit uns sprechen, egal wie unwichtig sie ihnen erscheint. Denn diese vermeintlichen Kleinigkeiten können uns wichtige Hinweise geben“, erklärt Chefarzt Triebel.
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