Ein Film ohne Drehbuch

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Professionelle Kameraführung gehört ebenfalls zum Filmdreh. Hier steht die Lehrerin, Inge Matthes, im Fokus. Foto: Carsten Walden
 

"Klappe Szene 4, Einstellung 2/3, und bitte:" Der Regisseur gibt das Kommando zum Spiel. Szene in einer Schulklasse: Die Lehrerin rügt das Zuspätkommen einer Schülerin, bevor sie die neue Referendarin vorstellt.



Die Schüler sind "echt", die Lehrerin, ein Sozialarbeiter und die Referendarin sind professionelle Schauspieler - ebenso wie der Regisseur. Eike Weinreich, Schauspieler am Oberhausener Theater, hat ein neues Projekt gestartet, das er gemeinsam mit seinen Kollegen Jürgen Sarkiss vom Theater Oberhausen, Inge Matthes vom Theater Göttingen und Franziska Reincke, Schauspielerin in Hamburg, in die Tat umsetzt: Mit Schülern der Klasse "Beruf und Schule" der Gesamtschule Weierheide dreht Weinreich zurzeit ein "Mockumentary", einen "falschen Dokumentarfilm".
Inhaltlich geht dabei es um eine Schulklasse, die auf Klassenfahrt geht und eine Schülerin, die sich von ihren Mitschülern gemobbt fühlt. Auf der Fahrt gerät die Situation, wie es scheint, außer Kontrolle. Doch am Ende wendet sich alles zum Guten.
Es ist bereits das zweite Projekt dieser Art, für das Eike Weinreich verantwortlich zeichnet. Im vergangenen Jahr arbeitete er mit jugendlichen Schülern ebenfalls cineastisch und drehte mit ihnen einen 3D-Animationsfilm. "Die Kids waren damals so voller Elan und Eifer", erinnert er sich, dass ihm der Gedanke gekommen sei, einen neuen Film zu machen, in dem er jedoch dieses Mal das Individuum in den Mittelpunkt gestellt habe. Seit Januar arbeitet die Gruppe nun an dem neuen Werk - nur aus Spaß und ganz ohne pädagogischen Anspruch.
"In Einzel- und in Gruppengesprächen haben wir erst einmal festgestellt, worum es in diesem Film gehen soll und ob die Schüler sich selbst spielen oder eine Wunschidentität annehmen wollen" erklärt Weinreich. Eine Wunschfigur diene dabei zum Schutz der wahren Identität. In den Gesprächen sei dann herausgekommen, dass Armut und Gewalt offenbar große Themen seien, mit denen sich die Jugendlichen beschäftigen. Ein Amoklauf sollte der Höhepunkt der Dreharbeiten sein.
Doch es gibt kein vorgefertigtes Drehbuch. "Es gibt einen Fahrplan, der die Richtung anzeigt, so genannte Introduction-Szenen", erklärt Weinreich. Damit werde der Spontanität und der Improvisation Raum gelassen.
Das war auch schon bei der Szene in der Schulklasse zu bemerken. Während sich die "Referendarin", Franziska Reincke, vorstellt und sogar ihr Privatleben vor den Schülern ausbreitet, erfolgen - ungeplante, spontane - Zwischenrufe der Schüler, auf die die Schauspielerin entsprechend reagiert. Dann ist die Szene im Kasten.
Wie lang der Film wird, ist zurzeit nicht abzusehen. "Er kann zehn Minuten, eine halbe oder sogar eine Stunde lang werden", zuckt Weinreich noch mit den Achseln. Es komme darauf an, was die Schüler wollten.
Unterstützt wird der Film durch das Projekt "Jugend im Zentrum" der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren im Rahmen des Programms "Kultur macht stark. Bündnis für Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Der Film feiert im Rahmen der Internationalen Kurzfilmtage am Donnerstag, 5. Mai, Premiere. Gezeigt wird er im Kino "Sunset" des Lichtburg Filmpalasts, Elsässer Straße. Beginn ist um 12.30 Uhr. Eine weitere Vorstellung ist für Montag, 9. Mai, im Eisenlager des Zentrums Altenberg, Hansastraße 20, geplant. Beginn: 14.30 Uhr. (von Karin Dubbert)
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