Zwischenbericht zu Ergebnissen aus der bundesweiten Elternbefragung zur U3-Betreuung

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Rein rechnerisch ergibt sich für Recklinghausen ein Bedarf an rund 170 zusätzlichen U3-Betreuungsplätzen. Foto: Rainer Sturm/ pixelio.de
Das Bundesfamilienministerium hat in 100 Städten darunter Recklinghausen, Eltern zu ihren Betreuungswünschen für ihre U3-Kinder zu befragen. Diesbezüglich sind alle Eltern der 2700 U3-Kinder in Recklinghausen angeschrieben worden - unabhängig davon, ob sie bereits einen Betreuungsplatz haben oder nicht. Nun liegt der Zwischenbericht dieser Umfrage vor.

Abgefragt wurde unter anderem die aktuelle Situation sowie die Wünsche der Eltern hinsichtlich der Betreuungszeiten und -orte. 37 Prozent nahmen an der Umfrage teil. Der Bedarf nach Betreuung liegt bei 41 Prozent. „Das ist insgesamt ein Ergebnis, das fundierte Rückschlüsse für die weitere Planung ermöglicht“, sagt Dezernent Georg Möllers. „Wichtig für die Ermittlung des Bedarfs ist, dass auch Eltern an der Umfrage teilgenommen haben, die ihr Kind zur Zeit nicht in einer Kita oder von einer Tagesbetreuung betreuen lassen.“



Nur so könne auch zukünftig ein den Bedürfnissen entsprechendes Angebot an Plätzen geschaffen werden. Mit dem Ergebnis bestätigt sich auch die bereits bekannte Annahme, dass die durch den Bund vorgegebene Betreuungsquote von 32 Prozent nicht die tatsächlichen Nachfrage decken wird. Recklinghausen weist seit dem 1. August eine Quote von 33,3 Prozent aus und hat zu diesem Stichtag zunächst alle U3-Kinder versorgt. Möllers: „Aber zu berücksichtigen gilt auch: Der Betreuungswunsch der Eltern ist nicht gleichzusetzen mit dem tatsächlichen Betreuungsbedarf.“

Neben den Quoten für unter Dreijährige gibt das Ergebnis auch Auskunft über die Bedarfe einzelner Altersjahre, die Spannweite der Bedarfe in den Planungsbezirken und den zeitlichen Umfang der Wünsche. „Die vorliegenden Ergebnisse müssen aktuell noch den einzelnen Stadtbereichen zugeordnet werden“, sagt der städtische Jugendhilfeplaner Joachim Glenneschuster. Die Bedarfe der Stadtteile variieren laut Umfrage zwischen 37 und 45 Prozent. „Zur Zeit wird die Kindergartenbedarfsplanung für die Jahre 2013/14 bis 2017/2018 erstellt, so dass wir im Herbst diesen Jahres auch die konkreten Bereiche nennen können.“

Zusätzlich 170 Betreuungsplätze benötigt

Aus dem vorliegenden Ergebnis ergäbe sich zunächst rein rechnerisch die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus von rund 170 Plätzen. Ausgehend von einem Durchschnittswert von rund 350.000 Euro je Gruppe wäre dies allein eine Investition von 5.950.000 Euro. Hinzu käme eine weitere Steigerung der Betriebskosten von rund 2,1 Millionen Euro jährlich. Von diesen Betriebskosten hätte Recklinghausen rund die Hälfte zu finanzieren, da die Stadt auch Ausgleichszahlungen für zu geringe Elternbeiträge und die finanziellen Probleme der Kindergarten-Träger aufbringen müsste: „Nach wie vor leiden gerade die finanzschwachen Städte darunter, dass das Land seinen Anteil an fehlenden Elternbeiträge gestrichen hat“, sagt Möllers.

Da mittlerweile in Folge des Schulrechtsänderungsgesetzes eine Lücke im Bereich der Ü3-Versorgung gegeben ist, besteht auch dort Nachholbedarf. Die Stadt sucht deshalb weiter Räume für Großtagespflegen. Zudem sind mittlerweile alle örtlichen Kitas mit U3-Gruppen ausgebaut worden. Die Schaffung eines weiteren Platzangebots ist also nur noch über den Neubau von Kitas möglich - und vielleicht durch die Einrichtung weiterer Großtagespflegen im U3-Bereich.

Finanzielle Hilfen von Bund und Land

„Hier liegt aber zugleich ein Problem, sagt Volker Hülsmann, Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Familie. „Es mangelt sowohl an der ausreichenden Zahl von Grundstücksflächen wie auch an geeigneten Räumlichkeiten für die Großtagespflege. Entsprechende Hinweise nehmen wir gerne auf.“ Ohne die weitere finanzielle Unterstützung aus dem Bund und dem Land ist das Ziel des weiteren bedarfsgerechten Ausbaus in Richtung 41 Prozent nicht zu erreichen. „Der Bund hat den Rechtsanspruch beschlossen. Von daher soll es auch von dort und ebenso vom Land weitere Hilfen geben“, fordert Georg Möllers. „Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Kindergartenjahr 2015/2016 sicherlich zwei neue Einrichtungen planen müssen.“

Weitere Unterstützung für Eltern

Für Hülsmann gibt der Bericht auch wichtige Erkenntnisse über die Betreuungszeiten. „Die gewünschten Stunden der Eltern liegen deutlich unterhalb der aktuellen Anmeldungen im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes für das kommende Kindergartenjahr.“ Hülsmann empfiehlt deshalb: „Eltern sollten bereits bei der Anmeldung ihren realen Bedarf anzeigen und den Vertrag hierüber abschließen.“ Deswegen wird es weitere Unterstützung für die Eltern geben.
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