Zwischen Trachten und Tentakel : Haldern Pop 2013 - ein Gesamtkunstwerk

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Das "Orchestre Miniature In The Park“ verbreitete nicht nur wie hier in Haldern, sondern auch in Rees auf dem Marktplatz gute Laune. (Foto: Jens-Uwe Wachter-Storm)
 
Die Festivalbesucher wurden in diesem Jahr vom Regen verschohnt und konnten die Bands bei Sonnenschein genießen. (Foto: Jens-Uwe Wachter-Storm)

Haldern. „Das Publikum ist unser Kapital und die Überraschungen sollen da passieren, wo wir als Veranstalter nicht damit rechnen.“ Mit diesen Worten hatte Stefan Reichmann, Hauptorganisator des Haldern Pop, das Festival auf einer Pressekonferenz angekündigt. Wer am vergangenen Wochenende Teil des Geschehens war, durfte genau das erleben.

Eine unfassbare, musikalische Vielfalt zeichnete das Festival aus, das in diesem Jahr mehr Besucher in das Lindendorf lockte, als dort Einwohner leben. Auch, wenn die Seifenblasen, die über den Köpfen der Besucherscharen schwebten und sich wie ein rotes Band durch alle Tage des Festivals zogen, zerplatzten: Es wurden wieder Träume wahr. Und das nicht nur, weil die Nächte sternenklar und mit Sternschnuppen beschenkt waren.
Musiker wie Zuhörer zeigten sich dankbar. Für die legendäre, familiäre Atmosphäre, den respektvollen Umgang der Menschen miteinander und für das Wetter. Wenn auch der Wind am Samstag zum Teil dafür sorgte, dass der ein oder andere weniger Haut zeigen konnte, als er wollte. Es blieb trocken. Gummistiefel und Müllsäcke durften also getrost in den Zelten verbleiben.
Da es aufgrund der Fülle der Bands nicht möglich war, alle Konzerte mitzuerleben, hatten sich viele Festivalbesucher bereits im Vorfeld in ihren Zeitplänen notiert, wen sie auf jeden Fall erleben möchten. Für die einen waren das die Alabama Shakes, deren Sängerin mit einer warmen Bluesstimme überzeugte, für die anderen ein unvergleichbarer Auftritt von „Half Moon Run“ im Spiegelzelt. „Mit uns kam die Sonne“, kommentierte Sänger Marcus Wiebusch der Hamburger Band „Kettcar“, die am Nachmittag auf der Hauptbühne stand, das Aufbrechen der Wolkendecke, bevor er deutsches Liedgut zum Besten gab.

Sonne

Das Thema „Sonne“ hatte sich auch das außergewöhnliche „Orchestre Miniature In The Park“ auf die Fahne geschrieben. Sie sorgten mit quietschbunter Kleidung und dem teilweisen Einsatz von Spielzeuginstrumenten sowohl auf dem Festivalplatz, als auch auf dem Halderner und Reeser Marktplatz für ausgelassene Stimmung.
In Trachten gekleidet und mit traditionellen Pelzmützen bestückt, brachte das Quartett „Dakha Brakha" aus der Ukraine das Spiegelzelt ebenso zum Beben, wie „Käptn Peng & die Tentakel von Delphi“. „Wir sind zu fünft und ihr seid das sechste Tentakel“, ließ Sänger Robert Gwisdek der Berliner Hip-Hop-Formation seine Zuhörer wissen. Formulierungen wie „Du hast Angst vor Wasser und das Leben wird dir Regen geben“ bewegten ebenso wie Geschichten von der Socke Sophie, und der damit verbundenen Mutation des Sängers vom Menschen zur Socke.
Gefühlt viel zu schnell sind die Tage vergangen, an denen knapp 7000 Menschen das 30-jährige Bestehen des Haldern Pop feierten. Was bleibt, ist die Erinnerung und die Gewissheit, dass es ein 31. Festival geben wird. Wer das nicht verpassen möchte, sollte sich schon jetzt den 7., 8. und 9. August rot im Kalender anstreichen.

Stolzerfüllt

Wie wertvoll es dabei ist, auch die Halderner in das Geschehen mit einzubeziehen, bestätigten Gerd und Maria Schöttler, die an einer der beiden Führungen teilgenommen hatten, die der Veranstalter dem Heimatverein ermöglicht hatte. „Wir leben zwar hier, aber wir hatten ja keine Ahnung, wie es hinter den Kulissen aussieht“, erzählte Gerd Schöttler begeistert. Dass die Halderner Dorfjugend schon jetzt mit Stolz erfüllt ist, dass ein solches Festival in ihrer Heimat stattfindet, symbolisierte ein Wohnwagen mit der Skyline von Haldern. Nach einem Entwurf von Julius Reinders hatten sie Peter Schaffeld, Michael Köster und Christoph Hegmann unterstützt durch Julien Piron dort verewigt.
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