Von Zweien, die auszogen, um den Niederrhein zu erzählen: Wirth und Hesse lesen!

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Manchmal brauchen sie drei, vier Wochen Pause voneinander. "Oder auch mehr", sagt die zierliche Renate Wirth in einer der interaktiven Pausen der Lesung. Und Thomas Hesse, der männliche Part des literarischen Mixed, lächelt versonnen dazu.

Ringenberg, Schloss, Scheune des Alpaka-Hofs Rasim. Wirth und Hesse lesen aus ihrem neuen Niederrhein-Krimi "Das schwarze Schaf". Das neunte gemeinsame Buch der Xantenerin und des Weselers. Knapp 20 Zuhörer/innen haben den Weg hierher gefunden. Draußen treibt der niederrheinische Schmuddelherbst Blätter und Regen gegen die Fenster und es ist kalt. Auch drinnen.

Wolfgang Rasim hat den Gussstahlofen bestückt, doch niemand zieht seine Jacke aus. Eine dicke Erkältung plagt seine Frau Gabi. Gefühlt ist eher Winter als Herbst. Auch drinnen. Renate Wirth rückt näher an die verlockende Wärme heran, als das Duo Platz nimmt zum Vorlesen. Dann folgt das Vorgeplänkel zum Hörgenuss, der am Niederrhein wie anderswo auf eine seit zwei Jahrzehnten anwachsende Fangemeinde stößt.

Um den Eingangssatz (siehe oben) wieder aufzugreifen: Wirth und Hesse sind zwei Kreative und tragen deshalb einen eitlen Genstrang in der DNA. Da will jeder, dass seine Schreib-Idee die tragende fürs Produkt wird. Und wenn der Produktionspartner sich durchsetzen will, dann gerät man halt schonmal aneinander. Freundschaftlich, versteht sich.

"Doch nach vier Wochen raufen wir uns zusammen", sagt Hesse. Dann kribbelt's beiden in den Fingern, dann muss wieder was geschafft werden. Ein Buch schreiben, das ist kein Zuckerschlecken, denn es gibt immer auch eine wirtschaftliche Seite: Zeitdruck, Verlagsvorgaben, ein Lektorat, das auf der Zielgeraden ganz schön nerven kann.

Aber von all dem spürt man rein gar nichts bei dieser Lesung, deren Location sich nach einer Stunde zaghaft erwärmt. Wirth und Hesse haben mächtig Spaß an ihrem Hobby. Ein Buch pro Jahr schaffen die beiden, im Herbst 2017 soll Band 10 erscheinen. Man merkt ihnen die Freude am eigenen Produkt an. Nein mehr: Sie mögen nicht nur das Ergebnis ihrer Arbeit, sie lieben auch den Weg dahin - all die Orte und Figuren, die längst zum roten Faden einer Reihe von Büchern mit Tier-Titeln geworden sind.

Vorlesepassagen wechseln sich ab mit Erklärungen zum "Schwarzen Schaf", zum Gesamtwerk, zur Recherche, zu Anekdötkens über Publikumsreaktionen. Schon witzig, wenn der Namensvetter eines von ihnen erdachten Toten plötzlich im Büro des Autoren steht und sich mit den Worten vorstellt: "Hallo, ich bin die Leiche!"

Köstlich (und sehr glaubwürdig), diese Begeisterung fürs eigene Werk. Darüber vergisst man sogar die dräuende Kälte. Naja, fast. Apropos vergessen: Sie meinen, Sie hätten ja jetzt gar nix über das Buch erfahren. Stimmt, aber das sollten Sie tatsächlich selber in die Hand nehmen. Eine Lesung könnte ein guter Einstieg sein.
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