Stadt Wesel trauert um den ehemaligen Stadtdirektor Günter Faßbender (ein Nachruf)

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Günter Faßbender (links) und Ernest Kolman. (Foto: Archiv)

Günter Faßbender, Stadtdirektor der Stadt Wesel von 1978 bis 1990, verstarb am
Samstag, 25. März 2017 im Alter von 88 Jahren.

Geboren wurde Günter Faßbender am 5.3.1929 in Mönchengladbach. Nach Schule
und erfolgreichem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften war er zunächst
Referendar beim Oberlandesgericht Bezirk Düsseldorf. 1958 legte er seine zweite
juristische Staatsprüfung ab. Nach einer kurzzeitigen Beschäftigung als Justitiar bei
einer Versicherungsgesellschaft trat er 1960 in den Dienst der Stadt Duisburg ein.
1965 wurde er dort kommissarischer Amtsleiter des Liegenschaftsamtes. 1966 wurde

er zum Oberverwaltungsrat ernannt und kurze Zeit später Amtsleiter des
Liegenschaftsamtes. 1967 wechselte er in das Innenministerium des Landes
Nordrhein-Westfalen. Ein Jahr später erhielt er seine Ernennung zum
Regierungsdirektor. Als Kreisoberverwaltungsdirektor trat er am 1.12.1969 in den
Dienst des ehemaligen Kreises Moers ein. Dort wurde er 1971 zum Kämmerer bestellt.

Nach der kommunalen Neugliederung wurde er 1975 Kämmerer des Kreises Wesel.
Zum 1.10.1978 wurde Günter Faßbender vom Rat zum Stadtdirektor der Stadt Wesel
gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30.09.1990
inne. Zu diesem Zeitpunkt endete seine zwölfjährige Wahlzeit.

In die Amtszeit von Günter Faßbender fielen zahlreiche wegweisende Projekte, die
Wesel entscheidend gestaltet und geprägt haben. In Politik und Belegschaft galt
Günter Faßbender als exzellenter Verwaltungsfachmann, der einen kooperativen
Führungsstil pflegte.

Privat engagierte er sich ehrenamtlich über drei Jahrzehnte beim Deutschen Roten
Kreuz, davon viele Jahre lang als Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Niederrhein.
Sein Einsatz für die Aussöhnung mit ehemaligen Weseler Bürgerinnen und Bürgern
jüdischen Glaubens war beispielhaft. Bereits Ende der 1980er Jahre gründete er den
Jüdisch-Christlichen Freundeskreis Wesel, dem er als Ehrenvorsitzender bis zuletzt
eng verbunden war.

Auf seine Initiative hin lud der Stadtrat 1988, anlässlich des 50. Jahrestags der
Reichspogromnacht, ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger ein, Wesel zu
besuchen. Dadurch wurde der Grundstein gelegt für die Erinnerung an jüdisches
Leben in Wesel. Als Wegbereiter und Motor für die Erinnerungs- und
Versöhnungsarbeit hat Günter Faßbender für die Stadt Wesel vieles umgesetzt, das
auch nachfolgenden Generationen bleibt.

Ernest Kolman, ehemaliger jüdischer Bürger Wesels, schrieb in einem Brief: „Uns
wurde die Hand zur Versöhnung gereicht. Günter Faßbender gilt der Dank aller Juden
Wesels, die ausgelöscht wurden“. 2013 erhielt Günter Faßbender für sein
herausragendes Engagement das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

In ihrer Laudatio nannte die damalige NRW-Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren ihn einen „Architekten der Versöhnung“. Auch die von ihm und seiner Frau begründete „Kati Faßbender-Stiftung“ bewirkt viel Gutes. Unterstützt werden durch die Stiftung soziale Projekte, z.B. die Hospiz-Initiative Wesel.
Mit Günter Faßbender verliere Wesel einen Menschen, der sich um unsere Stadt in
besonderer Weise verdient gemacht hat. Sein Engagement hinterlässt nachhaltige
Spuren und wird weiter wirken.
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