Annahmepflicht für Fundtiere: Karin Obbink sieht Erfüllungs-Lücken bei Kommunen und Tierheimen - Wesel dementiert!

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Ob in diesen drei Kommunen katzenmäßig alles im Lot ist? (Foto: Klaus Neumann /Bearbeitung dibo)
 

Karin Obbink ist nicht nur Tierfreunden in Hamminkeln und Wesel als engagierte Hunde- und Katzenkümmerin bekannt. Aufopferungsvoll sorgen sie und ihr kleines Team des Vereins "Straßenkatzen" in ihrer Freizeit für Fundtiere und solche, die schlimme Unfälle hatten oder sogar absichtlich gequält wurden.

Doch die Kümmererwelt ist alles anderes als in Ordnung: Karin Obbink fühlt sich nämlich bei ihrer Mammutaufgabe manchmal ziemlich allein gelassen - vor allem von den Kommunalverwaltungen und den Tierheimen. Erst Kürzlich hat eine Tierfreundin so einen Fall erlebt: Ein hiesiges Ordnungsamt hatte die Annahme einer Fundkatze verweigert (mehr dazu weiter unten).

Dabei gibt es eindeutige Gesetzesvorgaben. Eine Pressemitteilung des Landesjagdverbandes NRW formuliert: Fundbüros der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen müssen von Jägern aufgenommene streunende Katzen annehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Münster am 15. Oktober in einem Musterprozess entschieden. Ein Jagdaufseher hat (...) den Erlass einer entsprechenden einstweiligen Anordnung gegen die Gemeinde Ascheberg (Kreis Coesfeld) erstritten.

Das Fundbüro der Gemeinde hatte sich geweigert, eine von dem Jäger aufgenommene Katze anzunehmen. Nach Feststellung des Gerichts muss die Gemeinde die gefangene Hauskatze vorläufig als Fundkatze in Verwahrung nehmen und die Verfahrenskosten tragen. Aber: Verlierer dieser Politik des Wegsehens seien die Natur und jetzt eben auch die Kommunen, die offenbar eine Katzenflut und die damit verbundenen Kosten auf sich zukommen sähen.
Nach LJV-Einschätzung hatten sich die NRW-Kommunen darauf verständigt, keine Fundkatzen anzunehmen. Diese reflexartige Abwehrhaltung habe das Gericht nunmehr beendet.

Aus Sicht des Landesjagdverbandes, der derzeit auch gegen das Land NRW vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen auf Anerkennung als Tierschutzverband klagt, ist diese Entscheidung des VG Münster zu begrüßen. Sie schaffe Klarheit für die Jäger und weist den Gemeinden in NRW die Verantwortung für den Umgang mit streunenden Hauskatzen zu."

Karin Obbink nimmt die Gerichts-Entscheidung allerdings nicht so positiv auf und sieht die Stadtverwaltungen und Tierheime umso mehr in der Pflicht: "Kastration ist das Gebot der Stunde!" Die Annahmepflicht in Verwaltungen und Tierheimen werden trotz Gesetzesvorgaben zu oft ausgehebelt.

Beim Ordnungsamt der Stadt Hamminkeln habe eine Mehrhoogerin in der 42. Kalenderwoche eine Fundkatze abgeben wollen. Dort habe sie zu hören gekriegt: "Scheuchen Sie die Katze weg, dann erledigt sich das alleine!" Eine Anfrage unserer Redaktion in der Sache wurde bis heute nicht beantwortet.

Karin Obbink verweist die Bürger stets an die Tierheime, mit denen die Städte Wesel und Hamminkeln einen so genannten Fundvertrag haben. "Eine zahme gefundene Katze ist eine Fundkatze, die rechtlich in die Tierheime gehört, wir befassen uns vorwiegend mit der Kastration wildlebender Katzenpopulationen!", so Obbink.

Beispiel Bonner Tierheim:

Bereits im Jahr 2012 hatte das Tierheim Bonn mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes und der Professor-Böcher-Stiftung erfolgreich rund 400 Tiere kastriert und gechippt. „In der Folge ging die Zahl der besitzerlosen und unversorgten Katzen im Tierheim erkennbar zurück“, erklärt Ronald Seemann vom Bonner Tierheim. Dies bedeute jedoch nicht, dass das Problem gelöst sei. „Wir hoffen, dass unsere diesjährige Aktion ebenso gut angenommen wird und sich weiter positiv auf die Zahl der frei lebenden Tiere auswirkt.“

In Wesel sind laut Gerd Füting vom städtischen Ordnungsamt "keine Probleme bekannt". Das Tierheim in Lackhausen nehme seines Wissens alle Fundtiere auf. Ein- bis zweimal im Monat erkundige sich die Verwaltung dort nach dem Stand der Dinge. Gabi Wettläufer, Leiterin des Weseler Tierheims, betont auf Nachfrage dass der kursierende Vorwurf der Nichtannehme von Fundtieren "auf keinen Fall zutrifft. Im Jahr 2015 ist kein einziges Fundtier vom Tierheim oder der Stadt abgewiesen worden."

Die Zahlen aus dem Weseler Tierheim:

Gabi Wettläufer zählt auf, welche Fundtiere in Wesel bis 1. September an die Stadt weitergegeben wurden und erklärt, es handele sich um "Fundtiere, die ins Tierheim aufgenommen worden sind und dort auch verblieben sind zwecks Vermittlung (ausgenommen sind die Tiere die nach kurzer ärztlicher Behandlung/ Kastration wieder auf Bauernhöfe,Firmengelände Futterstellen freilebender Katzen unter weiterer Betreuung zurück gegeben wurden):

- 167 Katzen
- 75 Hunde
- 36 Kaninchen/ Meerschweinchen
- 7 Wasserschildkröten
- 3 Landschildkröten
- 5 Hühner
- desweiteren Fische, Wellensittiche, Nymphensittiche, Ratten, Hamster und Frettchen (hinzu kommen noch die Abgabetiere /Beschlagnahmen und Sicherstellungen).

(Fotos zum Beitrag: privat, dibo)
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