Blow Out oder Druckausgleich? - mit Video

Bohranlage mit APX-Therme im Hintergrund von der Trajanstraße her.
30Bilder

11.09.2014 (am 15.07.2015 überprüft)

Von Christel und Hans-Martin Scheibner

Da man so eine Bohranlage, wie man sie zur Zeit in Xanten im Bereich der Gaskavernen sieht, nicht alle Tage zu Gesicht bekommt, haben wir uns diese gestern noch einmal etwas genauer angesehen und einige Fotos gemacht. So ein Bohrtum samt Ausrüstung dient normalerweise dazu, Bohrungen auf Erdöl, Erdgas oder Wasser niederzubringen, wird aber manchmal auch dazu verwendet, eine bestehende Bohrung zu überarbeiten oder eine nicht mehr wirtschaftlich nutzbare Bohrung zu verfüllen. Über den Zweck des Bohreinsatzes in Xanten wurde bisher nichts verlautbar.

Wenn man als Auswärtiger nicht weiß, daß sich in Xanten genau in diesem Bereich acht Gasspeicher in Hohlräumen einer alten Salzlagerstätte befinden, könnte man bei dem Anblick dieses Bohrtums leicht an Fracking denken; denn sein technischer Aufbau ist von einer Frackinganlage optisch von einem Laien nicht zu unterscheiden. Die Anlage befindet sich auf einer der eingezäunten RWE-Kavernengelände, wie sie auch auf den Fotos von der Kaverne 4 zu sehen ist.

Spätestens der Anblick der Warnschilder am Zaun rief uns ins Gedächtnis : "BEI GAS HANDELT ES SICH IMMER UM EINE EXPLOSIVE ANGELEGENHEIT!" Wir wähnten diese Gasspeicher bisher auf der anderen Seite der Trajanstraße, wo sich auch das Hauptgebäude (Trajanstraße 14 c) des RWE befindet - erst recht nicht direkt neben Wohnhäusern. Google Maps machte uns ihre Auffindung möglich, denn die Informationen auf der Webseite des RWE über die Xantener Kaverne sind eher spärlich. Einen Tag der offenen Tür gab es, wie unsere Recherchen ergaben, wohl zuletzt zum 25jährigen Bestehen der Xantener Anlage im Juli 2010 - allerdings finden kostenlose Gruppenführungen statt - siehe HIER.

Erdgasspeicher dienen dem Ausgleich des saisonal schwankenden Erdgasverbrauchs. Die acht Xantener Speicher haben einen Durchmesser zwischen 70 und 80 m und eine Höhe von 50 bis 90 m und befinden sich in über 1 km Tiefe (von der Decke her gemessen). Das Volumen beträgt etw 1,1 Millionen cbm. Mit einem maximalen Druckniveau von 200 bar lassen sich ungefähr 185 Millionen cbm Erdgas speichern. Wie es heißt, wird die gesamte Anlage mit der modernsten Steuerungs- und Sicherheitstechnik betrieben. (Quelle der Angaben: Energie und Technik.de).

Gestern wurde - wie auch am Freitag - mit der Bohranlage gearbeitet, weshalb wir vorsichtshalber auch diesmal einen entsprechenden Sicherheitsabstand einhielten. Es wehte ein kräftiger Wind, sodaß nur ein leichtes Brummen des Motors war zu hören war. Unvermutet wurden wir um 15.38 Uhr durch ein lautes Zischen vom Bohrturm her aufgeschreckt. Eine recht beachtliche Fontaine schoß vom unteren Bereich des Bohrtums nach oben - das ganze dauerte mit nachlassender Tendenz gut eine Minute. Glücklicherweise kam der Wind von der anderen Seite. Natürlich können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich hier um Kohlenwasserstoff, also Gas, oder aber um Flüssigstickstoff, welcher in einem Tank auf dem Arbeitsgelände zwecks Anwendung gelagert wird - oder aber einer Mischung aus beidem handelte. War es ein leichter Blow Out - ein druckstarker plötzlicher Kohlenwasserstoffaustritt - oder wurde nur ein Druckausgleich vorgenommen? Immerhin kann in solchen Fällen ein Funke, sogar schon eine brennende Zigarette eine Explosion oder einen Brand auslösen. Die Möglichkeit eines Blow Out besteht z.B., wenn Kohlenwasserstoffe aus druckstarken Gesteinsformationen der Lagerstätte ins Bohrloch fließen oder aber, wenn eine Gasblase angebohrt wird; jedoch greifen hier in den meisten Fällen die Sicherheitssysteme der Bohranlage.

Da die Kamera den Vorgang mit einer Zeitverzögerung aufgenommen hat, ist nur noch die Restphase des Gasaustritts auf dem Kurz -Video zu sehen und zu hören (wir denken, von den Windgeräuschen gut zu unterscheiden), welches Sie unter dem Link im Anschluß dieses Textes finden.

Hier geht es zu meinem Kurz-Video "Blow Out oder Druckausgleich?":
BITTE HIER KLICKEN !!!

Karte der vorhandenen und geplanten Erdgasspeicher in Deutschland:
http://www.udo-leuschner.de/energie-chronik/090806d.htm

Photos der Bildergalerie: 10.09.2014, Xanten.

Autor:

Hans-Martin Scheibner aus Xanten

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