Buchkritik: Psychothriller von Anka Nesch

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Horst ist ein sadistischer Serienmörder mit pädosexuellen Neigungen. Der vorsichtige Süddeutsche sucht sich sein nächstes Opfer im Münsterland. Auf seinen Spähtouren fährt er immer wieder durchs Ruhrgebiet.
Anka Nesch erzählt ihren Psychothriller „Taube Wände“ aus unterschiedlichen Perspektiven. Interessant ist vor allem der Blick der Verwandten des entführten Tobias: Die Mutter fürchtet schon bald, dass ihrem Jungen etwas zugestoßen sein müsse. Der Vater will seinem Dreizehnjährigen zugestehen, auch einmal zu spät nach Hause zu kommen. Als Tobias nicht wieder auftaucht, ist er wütend: Wie kann der umsichtige Junge seiner Familie solchen Kummer bereiten? Schließlich macht der Landwirt sich Vorwürfe, nicht früher zur Polizei gegangen zu sein. Sven, der jüngere Bruder, redet sich ein, Tobias sei nach einem Streit mit ihm davongelaufen.
Weniger überzeugend sind die Passagen aus der Sicht des psychopathischen Serienmörders. Seine Lebensgeschichte liest sich eher wie ein konstruiertes Fallbeispiel aus einem Psychologie-Lehrbuch. Auch Tobias wird schematisch geschildert und gewinnt kaum Konturen.
Die Spannung droht im Mittelteil des Romans zusehends verlorenzugehen. Am Ende spielt dann eine mit dem Fall befasste Polizistin eine besondere Rolle. Die Auflösung kommt ohne allzugroße Unwahrscheinlichkeiten aus und lädt zum Weiterdenken ein.
Der Roman hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Gerade die verschiedenen Erzählperspektiven werden zum Problem: Interessante Handlungsstränge werden nicht hinreichend vertieft. Schwächere Stränge trüben die Lesefreude. Einige sympathische Figuren halten den Leser jedoch bei der Stange.
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