Festkonzert an der Ruhr-Universität

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Prometheus hat Künstler aller Sparten immer wieder inspiriert. RUB-Rektor Elmar Weiler blickte anlässlich des Festkonzerts, das die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Ruhr-Universität abschloss, auf die Veranstaltungen zum 25. Jahrestag der Universitätsgründung zurück.
„Damals wurde Alexander Skrjabins sinfonische Dichtung über Prometheus aufgeführt“, erläuterte er. „Schließlich ist das Brüderpaar Prometheus und Epimetheus auf dem Wappen unserer Universität zu sehen.“
Da lag es nahe, zum 50-jährigen Jubiläum Epimetheus musikalisch zu würdigen. Weiler musste jedoch feststellen: „Epimetheus ist auf der musikalischen Landkarte ein weißer Fleck.“
Der renommierte Komponist Siegfried Matthus und die bekannte Texterin Dorothea Renckhoff konnten für eine Auftragskomposition und ein passendes Libretto gewonnen werden.
Das Ergebnis ist die Kantate „Epimetheus oder Die Geburt der Hoffnung aus der Musik“, die beim Festkonzert ihre Uraufführung erlebte.
Gemeinhin sind die Rollen zwischen Prometheus und Epimetheus klar verteilt. Prometheus als der Vorausdenkende steht für den forschenden Naturwissenschaftler und ist entsprechend mit einer Fackel ausgestattet.
Epimetheus mit seiner Schriftrolle repräsentiert als der Im-Nachhinein-Denkende die Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler.
Ausgangspunkt der Arbeit an der Kantate war die Frage, ob diese antithetische Gegenüberstellung der Überprüfung an den antiken Quellen überhaupt standhält.
Neben Universitätsmusikdirektor Hans Jaskulsky beteiligte sich auch der klassische Philologe Hellmut Flashar, Emeritus der Ruhr-Universität, an der Erarbeitung der Kantate.
Die Zielsetzung war dabei eine doppelte: Ging es einerseits um eine Rückbesinnung auf die antiken Quellen, so sollte andererseits die Figur des Epimetheus einem heutigen Publikum erschlossen werden.
Dabei erscheint Epimetheus als zutiefst menschliche Figur. Als die Götter die sterblichen Wesen erschaffen, verlieren sie die Lust, als es darum geht, ihre Geschöpfe mit individuellen Eigenschaften auszustatten.
In dieser Situation rufen sie die Titanensöhne Prometheus und Epimetheus herbei. Epimetheus will die Geschöpfe der Götter entsprechend ausdifferenzieren.
Er schafft verschiedene Arten und Rassen und sichert ihr Überleben, indem er sie mit entsprechenden Fähigkeiten ausstattet.
Als er jedoch bei den Menschen anlangt, hat er keine Eigenschaften mehr zu vergeben. Prometheus springt ein und stattet die Menschen mit der Herrschaft über das Feuer und technischer Intelligenz aus.
Um sich für den Raub des Feuers zu rächen, schafft Zeus Pandora. Als erste Frau kommt sie zu den Menschen und gelangt zu Epimetheus.
Da Epimetheus nicht vorausdenkt, lässt er sich von Pandora verführen. Dadurch bringt er Verderben über die Menschen.
Pandora bringt den Menschen allerdings auch die Musik und damit die Hoffnung. Am Ende der Kantate fassen die Menschen deshalb wieder Mut.
Das komplexe Libretto macht deutlich: Epimetheus ist einerseits der Analytiker, der sein Handeln im Nachhinein reflektiert, und damit ein Vorläufer des Geisteswissenschaftlers. Andererseits will er die Welt auch aktiv gestalten und erscheint als Naturwissenschaftler und Techniker.
Der Bariton Tobias Peschanel war bei der Uraufführung in der Rolle des Epimetheus zu hören. Sein Bruder Prometheus wurde von Jared Ice (Bass) verkörpert. Die Rolle der Pandora war mit Susanna Martin besetzt.
Der Tenor Andreas Karasiak erleichterte es den Zuhörern als Chronist, die Handlung zu verfolgen.
Elmar Weiler verband mit dem Festkonzert eine Hoffnung: „Das Jubiläum unserer Universität möge den Bochumern nicht zuletzt wegen dieser Veranstaltung in Erinnerung bleiben.“
Auch wegen des Einsatzes von Chor und Orchester an diesem glanzvollen Abend dürfte dies gelingen.

Nathalie Memmer
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