Frank Weiß prägt als Regisseur, Autor und Dramaturg die Arbeit des Prinzregenttheaters entscheidend mit

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Frank Weiß bei den Proben zu "Die Zofen". Das Stück eröffnet am 30. September die Spielzeit am Prinzregenttheater. (Foto: Schuck)

Der Lokalkompass stellt in den kommenden Monaten verschiedene Mitarbeiter des Bochumer Prinzregenttheaters näher vor, um einen Einblick in die Vielfalt der Theaterberufe zu geben und die Menschen, die hinter den Aufführungen der renommierten Bühne stehen, vorzustellen. Den Auftakt macht Autor, Regisseur und Dramaturg Frank Weiß, der in den vergangenen Jahren an vielen Produktionen an der Prinz-Regent-Straße mitgewirkt hat.

Frank Weiß ist sichtlich froh, nach all den Turbulenzen, die die Bühne im Grenzgebiet von Weitmar und Wiemelhausen in den letzten Wochen erschüttert haben, zum eigentlichen Kerngeschäft eines Theatermachers zurückzukehren: Schließlich wird die neue Spielzeit am 30. September mit seiner Regiearbeit „Die Zofen“ eröffnet – die Proben laufen entsprechend auf Hochtouren.
Jean Genets Tragödie aus dem Jahr 1947 passt mit ihrem entlarvenden Blick auf das Wechselspiel von Herrschaft und Knechtschaft gut in das Spielzeitthema des Prinzregenttheaters, das diesmal „Wahrheit und Pflicht“ lautet. „Das Stück“, sagt Weiß, „ist sehr vielschichtig und deshalb eine große Herausforderung.“ Er begründet die Wahl des französischen Dramas auch unter dem Blickwinkel der Spielplangestaltung: „In einem ausgewogenen Spielplan sollte auch ein Klassiker Bestandteil sein – 'Die Zofen' ist ein viel gespieltes Stück.“


Arbeit mit den Schauspielerinnen

Gemeinsam mit den Schauspielerinnen Johanna Wieking und Philine Bührer und der Regieassistentin Kerstin Sommer erarbeitet Frank Weiß eine zentrale Szene von Grund auf – die dritte Rolle in „Die Zofen“ wird von Nermina Kukic verkörpert, die in dieser Sequenz nicht auf der Bühne steht. „Ist der Bogen klar?“, fragt Weiß seine Schauspielerinnen. - Wieking antwortet: „Jetzt ergibt die Sache Sinn.“

Zunächst für Film und Fernsehen tätig

Nach dem Abitur studierte der 1972 geborene Frank Weiß zunächst Literatur und Rhetorik in Tübingen. „Ich habe aber auch damals schon in freien Theatergruppen gearbeitet und mich für Kurzfilme interessiert“, erinnert er sich. Konsequent führte der Weg an die Filmhochschule in Ludwigsburg. Er blickt zurück: „Am Ende war ich diplomierter Drehbuchautor und habe dann ausschließlich vom Schreiben gelebt.“ Sein weiterer Weg führte ihn zum Fernsehen. Er entwickelte mit einem Autorenteam Sitcoms und war am Drehbuch für den Kinofilm „Abgefahren – mit Vollgas in die Liebe“ mit Felicitas Woll und Sissi Perlinger beteiligt. Die Anwaltsserie „Unschuldig“, die Weiß mit einem sechsköpfigen Autorenteam für den Fernsehsender Pro 7 erarbeitete, war trotz prominenter Besetzung – Alexandra Neldel war mit von der Partie – nicht so erfolgreich, wie erwartet. „Bei mir“, resümiert Weiß, „stellte sich Fernsehfrustration ein. Die kreativen Freiräume waren gering. Nach 15 Jahren Fernsehen wollte ich das nicht mehr.“

Zusammenarbeit mit Romy Schmidt

Mit Romy Schmidt, seit 2015 Intendantin des Prinzregenttheaters und bereits zuvor als Regisseurin am Haus tätig, und Fotografin Sandra Schuck, die dort auch als Bühnenbildnerin arbeitet, erschloss er sich Neuland. So entstanden die gemeinsamen Arbeiten „Tschick“ und „Die Verwandlung“. „Hier sind wir inhaltlich komplett autark. Das ist in der Kreativbranche unüblich und ein echtes Geschenk“, sagt Weiß.

„Bilder deiner großen Liebe“

Seine Regiearbeit „Bilder deiner großen Liebe“ nach Wolfgang Herrndorfs bewegendem Romanfragment ist schon länger im Repertoire – und bleibt es auch in der neuen Spielzeit. Die Inszenierung besticht durch den Kunstgriff, die Rolle der Isa, Hauptfigur der Geschichte, auf drei Schauspielerinnen aufzuteilen. Miriam Berger, Linda Bockholt und Johanna Wieking, die die Zuschauer ja in „Die Zofen“ wiedersehen werden, verkörpern Denken, Fühlen und Handeln der jungen Frau. Weiß begründet dieses Vorgehen: „Es muss einen Grund geben, den Roman auf die Bühne zu bringen. Isas Vielschichtigkeit kommt dadurch wirklich zum Tragen und sie wird nicht auf ihre psychische Erkrankung reduziert. Die Band Isa funktioniert.“ - Damit spielt er auf die mitreißende Musik an, die seine Schauspielrinnen auf die Bühne zaubern. „Auf diese Fassung“, zieht Weiß Bilanz, „bin ich stolz. Ich habe einen guten Zugriff gefunden, der dem Text gerecht wird. Ich will nicht gegen den Text arbeiten.“
Zum Spielplan der Ende September beginnenden Saison trägt Autor Frank Weiß unter anderem auch die Stückentwicklung „Till Eulenspiegel“ bei, der Regisseurin Romy Schmidt in ihrer letzten Spielzeit als Intendantin auf der Bühne Gestalt verleihen wird. Der Schritt von Genets „Zofen“ zu einer solchen eher performativen Arbeit sei „ein Spagat“. „Wir wollen nicht zuverlässig sein“, gibt Frank Weiß die Losung aus.

Spielzeitauftakt
- Das Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, eröffnet seine Spielzeit mit „Die Zofen“ - und das am Samstag, 30. September, um 19.30 Uhr.
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