Schauspielhaus bringt Max Frischs Roman "Stiller" auf die Bühne

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Die Produktion "Stiller" von Max Frisch, in einer Bearbeitung von Reto Finger, hat in der Regie von Eric de Vroedt am 2. April Premiere im Schauspielhaus. (Foto: Hans Jürgen Landes)
 
(Foto: Hans Jürgen Landes)
Auch wer Max Frischs Roman „Stiller“ nie gelesen hat, kennt vermutlich seinen ersten Satz: „Ich bin nicht Stiller“. Dabei ist das Prosawerk keine Verwechslungskomödie, sondern eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Problem der Festschreibung von Identität. „Dabei steht auch immer die Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Verantwortung im Raum“, sagt Dramaturg Alexander Leiffheidt mit Blick auf die Premiere der Dramatisierung des Romans am Samstag. Die Reflexion über Identität ist bei Frisch immer verbunden mit einem nicht religiös zu verstehenden Bilderverbot: Man solle sich vom Mitmenschen kein Bildnis machen, ihm stattdessen offen und neugierig begegnen. Es geht bei Frisch immer auch um die Hoffnung, dass die Liebe Menschen in die Lage versetzt, festgefügte Bilder vom anderen und auch von sich selbst hinter sich zu lassen. „Insofern ist es verständlich“, sagt Regisseur Eric de Vroedt, „dass ´Stiller´ einmal als der schönste Roman über die Ehe bezeichnet worden ist.“
Der Niederländer, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Autor und Schauspieler tätig ist, wird im Herbst dieses Jahres die künstlerische Leitung und 2018 die Intendanz des Nationaltheaters in Den Haag übernehmen. Für ihn selbst ist die Arbeit in Bochum eine Möglichkeit, Festlegungen und Zuschreibungen zu entkommen: „In Holland habe ich mit meiner Arbeit oft auf das politische Zeitgeschehen reagiert. Als Autor wurde ich oft auf politische Stücke festgelegt. Meine Arbeit in Bochum ist da ganz anders.“. Eric de Vroedts Inszenierung von Judith Herzbergs Stück „Leas Hochzeit“ wird Ende Mai wieder in den Kammerspielen zu sehen sein.
„Das Bühnenbild von ´Stiller´“, verrät Leiffheidt, „ist eine Gefängniszelle.“ Das ist im doppelten Sinne zu verstehen: Tatsächlich gerät Stiller, der als Deutschamerikaner White wahrgenommen werden möchte, in Haft. Zugleich steht das Gefängnis für die Identität des Bildhauers Anatol Ludwig Stiller, auf die die anderen Figuren White festlegen wollen. „Sie sind Stillers bzw. Whites Gefängniswärter“, erklärt Leiffheidt. Die Mitmenschen halten den Protagonisten in dem Bildnis gefangen, welches sie sich von ihm gemacht haben.
„Dabei hat das Stück schwere und leichte Momente. Es ist insofern kafkaesk, dass auch in Kafkas Werk viel Lustiges zu finden ist, auch wenn das in Deutschland selten wahrgenommen wird“, machen Regisseur und Dramaturg ihre Linie deutlich. Die Fantasiegeschichten, mit denen Stiller seine Umgebung konfrontiert, werden durch Videoeinspielungen ins Bühnengeschehen integriert. Dazu gibt es das höchste Bühnenbild, das in den letzten Jahren im Großen Haus an der Königsallee zu sehen gewesen ist. Den Romantext hat der Schweizer Dramatiker Reto Finger für die Bühne bearbeitet. „Nach München und Zürich präsentieren wir mit dieser Version erst die dritte Schauspielfassung von ´Stiller´“, sagt Leiffheidt.
Mit Damir Avdic (Stiller) und Michael Kamp (White) ist die Hauptfigur auf zwei Schauspieler verteilt. Daneben stehen Therese Dörr, Bettina Engelhardt, Florian Lange, Katharina Linder, Matthias Redlhammer und Daniel Stock auf der Bühne.

Termine
Seine Premiere erlebt „Stiller“ am Samstag, 2. April, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus, Königsallee 15.
Eine weitere Vorstellung gibt es am Sonntag, 10. April, um 17 Uhr.
Auch am Sonntag, 17. April, ist das Stück zu sehen. Beginn ist dann um 20 Uhr.
Eine weitere Gelegenheit, „Stiller“ zu sehen, gibt es am Freitag, 29. April, um 19.30 Uhr.
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