Opel Bochum: „Einmal Opelaner - immer Opelaner!“

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Alte Opelaner unter sich. Rechts Andreas Graf Praschma (langjähriger Leiter der Bochumer Opel-Pressestelle), links Lothar Woelk.
  Bochum: Biergarten Stadtgarten | 50 Jahre Autostadt – da ist ein bisschen Nostalgie beim Stadtgarten-Treff erlaubt

Ja, das ist doch der Lothar Woelk! 385 Spiele und 26 Tore für den VfL in der Bundesliga. Das können die hier im Chor singen: Ja, genau: Lothar Woelk, ehemaliger Kapitän vom VfL Bochum! Nicht nur die älteren Jahrgänge wissen: DFB-Pokal-Finale 1988 gegen Eintracht Frankfurt. 0:1 verloren, „knapp daneben ist auch vorbei“. Mit Opel auf der Trikotbrust! Auch beim Opelaner-Treff im Stadtgarten am letzten Sonntag ein Thema.

Der war auch mal Opelaner? Ja! Und erinnert sich noch gut, wie er lange vor seiner Profi-Karriere bei einschlägigen Werksturnieren mit „FC-Schraubstock“ gegen „FC-Auspuff“ gespielt hat „mal so - mal so“. Der gelernte Werkzeugmacher kam ursprünglich von Blaupunkt (gibts heute auch nicht mehr) ins Opelwerk nach Bochum. Und am Sonntag natürlich liebend gern zum zweiten Opelaner Treffen nach dem „Aus“ in den Biergarten im Stadtgarten: „Ist doch Ehrensache!“

Und mal geschaut, was aus den ehemaligen Kollegen so geworden ist, haben trotz des gemischten Wetters so Einige. Gut, im letzten Jahr, „als die Sonne nur so knallte“, da waren rund 1500 Ehemalige dabei. Aber im Laufe des letzten Sonntags, grad noch in den Schulferien und zwischen den Regenschauern haben doch auch beim zweiten Mal sehr viele vorbei geschaut, ein Bierchen getrunken, mindestens eine Grillwurst verdrückt und bei ansteckender Shanty-Musik ein bisschen wehmütig zurückgeblickt. Was, zwei Jahre isses nun doch schon her? Gefühlt war es doch „erst neulich“! War ja auch ´ne gute Zeit.

Viele Kollegen standen Jahrzehnte und oft sogar schon in der zweiten Generation bei Opel am Band, eine dritte sollte es dann kaum noch geben. Im Kreise der Kollegen erinnert man sich einfach lieber an die guten Zeiten seit 1963!

44 Jahre mit Blick auf Opel

So auch Ingenieur und „Bochumer Urgestein“ Karl-Hans Baßmann, der 44 Jahre bei Opel in der Fertigungs-Planung und Haustechnik gearbeitet hat. Und der auch heute noch mit Blick auf sein ehemaliges Opel-Gelände wohnt. Sogar im Unruhestand war Baßmann noch für die Firma tätig. Zuletzt 2004 in der Ukraine, im Autowerk „Avtosas“ in Saporoschje, weil er in seiner aktiven Zeit auch schon in Russland den unverwüstlichen Lada Niva produktionstechnisch organisiert hatte.

Hier in Bochum haben zu den besten Opel-Zeiten ja mal 22.000 Mann gearbeitet. Und gut noch mal soviel in zuliefernden Betrieben ringsum. „Wir waren eine Autostadt.“ Einmal Opelaner - immer Opelaner! Trotz alledem.

Woher dieser besondere Zusammenhalt kommt? „Das kommt noch vom Pütt“ , erklären Errol Faßbender (Organisator des Treffens) und Andreas Graf Praschma (17 Jahre lang Leiter der Bochumer Opel-Pressestelle): „Unter Tage musste man sich aufeinander verlassen können, das waren alle so gewöhnt. Und haben das so mit ins Werk eingebracht.“ Denn als Opel auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dannenbaum seine Fabrik eröffnete, hatte man praktisch alle Bergleute aus dem geschlossenen Pütt übernommen. Und sogar die Zeiten „auf Zeche“ waren bei der Opel-Betriebsrente anzurechnen. Seinerzeit eine vorbildliche Strukturwandel-Maßnahme, die ja auch mit sattem Wirtschaftsförderungsgeld vom Land lange ebenso unterstützt wurde wie fast gleichzeitig die „Ansiedelung“ der nahen Ruhr-Universität. Doch die amerikanischen Opel-Besitzer bei General Motors haben, vielleicht auch, als jede Chance auf weitere Wirtschaftsförderung nach fünf Jahrzehnten endgültig dahin war, 2014 „den Laden dicht gemacht“. Auch das ist nun Geschichte. Tut noch weh – aber heilt auch. Gleichzeitig mit dem Treff im Stadtgarten kam die Nachricht von der Kurzarbeit in den verbliebenen Werken Rüsselsheim und Eisenach („Da gab´s wieder Fördergelder...“).

War das nicht ein Uni-Bochum-Projekt?

Jetzt wurde bekannt, dass die Deutsche Post AG fast still und heimlich unter die Elektro-Autobauer gegangen ist. Und mit 65 E-Streetscootern ausgerechnet in Bochum als Teststadt ihre neue umweltfreundliche Postauslieferung starten will. War das nicht ein altes Projekt der hiesigen Universität, aus Zeiten, als Bochum noch Autostadt war, fragt ein Ingenieur? Bochum als Zentrum der Elektromobilität, das wär´s gewesen !

Die Post hat wohl vor gut fünf Jahren mit einigen deutschen Autobauern über die Entwicklung solch eines umweltfreundlichen Transporters (für die heillos feinstaub-überlasteten Großstädte grade im Revier) verhandelt. Aber keiner, auch nicht Opel für Bochum, durch die nahen RUB-Ingenieurwissenschaften besonders geeignet, habe damals ernsthaft Interesse gezeigt oder wäre eingestiegen. Da haben sie es eben selbstgemacht: Mit einem jungen und frischen Startup von der NRW-Exzellenz-Uni Aachen. Und sanieren dort jetzt sogar eine alte Waggonfabrik neben der Kaiserpfalz von Karl dem Großen. Um dort mit der Produktion von batteriebetriebenen E-Transportern zu starten, während in Bochum Hallen abgerissen werden..

Noch in diesem Jahr sollen in Aachen die ersten straßentauglichen Modelle vom Band laufen, fern von jedem Opel-Werk. Wie der Spiegel meldete, waren die Post-Vorgaben für den E-Scooter wie folgt: Reichweite von 80 bis 120 Kilometern, Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h und eine mögliche Zuladung von 650 Kilo zB Pakete und Briefpost. Und der Bedarf an solchen E-Transportern wird inzwischen wohl so hoch eingeschätzt, dass die Post ihre Modelle über den Eigenbedarf in Bochum und anderswo dann auch frei verkaufen will.

Solche Nachrichten sind bitter, sagt Karl-Hans Baßmann am Sonntag im Stadtgarten, auch als nachdenklicher Ingenieur. Hier in Bochum wären ja auch noch das Fachwissen und die zahlreichen Facharbeiter aus 50 Jahren Autostadt vorhanden! Ach, man darf eigentlich gar nicht drüber nachdenken ... Doch ein bisschen träumen darf man schon! Zwischen zwei Schauern am Sonntag in der Sonne im Bochumer Stadtgarten. „Hätte, hätte, Fahrradkette.“, sagt einer noch über die verpassten Chancen einer verfehlten Wirtschaftspolitik.
Und: „Knapp daneben ist auch vorbei, wat Lothar ?!" (cd)
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