Infobörse: Flüchtlinge in Bochum

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Marina Naprushkina und Udo Bockemühl, Mitarbeiter des Vereins „Nachbarschaft Moabit, Berlin“, luden zu einer Lesung und Gesprächen ein. (Foto: Molatta)
 
Der Bahnhof Langendreer und der Flüchtlingsrat NRW luden zu einer ganztägigen Aktionskonferenz am vergangenen Samstag ein. (Foto: Molatta)

„Welcome to stay“
Aktionskonferenz zur Willkommenskultur im Bahnhof Langendreer


Die Aktionskonferenz „Welcome to Stay“, zu der der Bahnhof Langendreer und der Flüchtlingsrat NRW am vergangenen Samstag gemeinsam eingeladen hatten, war erfolgreich.

Rund 100 Besucher kamen – Unterstützer, Interessierte, darunter viele Geflüchtete. Die Konferenz wurde von Marina Naprushkina und Udo Bockemühl mit der Lesung aus dem Buch „Neue Heimat? Wie Flüchtlinge uns zu besseren Nachbarn machen“, ergänzt um Erfah­rungsberichte aus ihrer Initiative „Neue Nachbarschaft Moabit“, eröffnet. In dem Buch hält Marina Na­prushkina ihre Erlebnisse in der Unterstützung Geflüchteter an einzelnen Beispielen fest. Die beiden Aktivisten der unab­hängigen und selbst organisierten Berliner Initiative gaben neue Impulse und Ideen. Mit inzwischen 300 „alten“ und „neuen“ aktiven Nachbarn in Moabit, einem täglichen offenen Begegnungs-Angebot und dem gleichzeitigen Einsatz für menschenwürdigere Unterbringungsbedingungen ist die In­itiative so etwas wie eine „Erfolgsgeschichte“.
Im zweiten Teil der Eröffnung stellte Musa Balla Daboe das bundesweite Netzwerk „Jugendliche ohne Grenzen“ vor, in dem sich jugendliche Geflüchtete selbst organisieren. Der Aktivist erzählte zunächst aus eigener Erfahrung vom rechtlosen Zustand, mit einer „Duldung“ zu leben, und machte deutlich, wie wichtig es ist, dagegen zu kämpfen. „Jugendliche ohne Grenzen“ setzt sich für ein Bleiberecht für alle und gegen Sondergesetze für Flüchtlinge ein. Die Arbeit des Vereins richtet sich vor allem auf die spezielle Situation von jugendlichen Flüchtlingen. Dazu organisiert er Aktionen und Konferenzen, macht Öffentlichkeitsarbeit und schafft Ortsgruppen. Im Anschluss zeigten sich direkt auch jugendliche Flüchtlinge bei Musa Daboe interessiert an der Schaffung einer lokalen Gruppe.
In den beiden Workshop-Phasen ging es um „Deutschkurse selbst gemacht“, „Netzwerke bilden“, „Flüchtlinge organisieren sich selbst“, „Flüchtlinge haben Rechte“, „Abschiebungen verhindern“ und „Geflüchtete als politische Akteure unterstützen“.
Während es beim Deutschkurs-Workshop um ganz konkrete Anregungen für Methoden in selbst organisierten Angeboten ging, kam es bei „Netzwerke bil­den“ zum Austausch über eine Vielfalt von praktischen Fragen und Themen, die die Teilnehmer mitbrachten. Vereinbart wurde, für Unterstützer und Geflüchtete in Bochum eine ge­meinsame Plattform zum Austausch zu schaffen – virtuell wie „real“.
Ein sehr gut besuchter Workshop war der der Medizinischen Flüchtlingshilfe zu Rechten von Flüchtlingen. Neben der Präsentation von Hanif Hidarnejad kamen von Geflüchteten selbst sehr viele Einzelfragen zu ihrer jeweiligen Situation – der Workshop zeigte: Der Bedarf an Verfahrens­beratung ist riesig, das Angebot an verfügbaren Beratern viel zu gering.
Am Ende der Konferenz diskutierten Heinz Drucks vom Vorstand des Flüchtlingsrats NRW, Nurja­na Arslanova, Sprecherin von „Jugendliche ohne Grenzen“ Niedersachsen und ein Aktivist der In­itiative „Welcome 2 Wuppertal“ darüber, wie ein Bleiberecht für alle angesichts der Verschärfung des Asylrechts eingefordert werden kann. Nurjana Arslanova stieg zunächst mit ihrer eigenen Geschichte ein: Sie flüchtete aus Dagestan nach Deutschland, lebte in Lagern und 13 Jahre lang mit einer Duldung und ständiger Angst vor Abschie­bung. Irgendwann reichte es ihr und sie begann gegen das, was sie erlebte, zu protestieren. „Kämpfen lohnt sich immer“, so ihr Fazit und gleichzeitig ihr Appell an das Publikum.
Heinz Drucks, der als Flüchtlingsberater arbeitet, plädierte dafür, sich lokal mit Verhandlungen und Öffentlichkeitsarbeit für menschenwürdige Unterbringung und für Bleiberecht einzusetzen. Die Chance, auf lokaler Ebene Erfolge zu erzielen, schätzt er als besser ein als mit großen Demonstrationen. Die seien aber trotzdem wichtig, um überhaupt öffentlich Druck zu machen für die „Maximalforderung“ des Bleiberechts für alle.

Gemeinsam trainieren

Der Bochumer Sportverein Karate Bubishi bietet ein ehrenamtlich organisiertes Angebot für Flüchtlinge an. Jeden Feitag von 18.30 bis 20 Uhr bietet der Verein ein gemeinsames Sporttraining für Flüchtlinge und Vereinsmitglieder in der Erich Kästner-Turnhalle, Markstraße 189, an. Hinter dem Angebot steckt die Idee, Integration zu fördern und dazu beizutragen, dass Flüchtlinge ihre
Freizeit sinnvoll gestalten können.
Weitere Infos unter Tel.: 0174-9136394 oder per Mail unter sophia.gerlach@goo-glemail.com.

Neuer Haarschnitt

Der Verein PlanB Ruhr sucht nach Friseur-Teams oder einzelne Friseure/Barbiere, die sich an einer gemeinsamen Aktion beteiligen möchten. Zusammen soll eine große Haarschneide-Aktion für Geflüchtete in Bochum auf die Beine gestellt werden. Bisher haben sich zwei Friseur-Teams gemeldet, zehn werden gebraucht.
Interessierte Teams oder Einzelpersonen können sich bei Stephanie Lenz unter s.lenz@planb-ruhr.de oder unter Tel.: 459669-13 melden.

Hier können Sie helfen!

Überblick
Die Stadt Bochum stellt hier Aktuelles rund um die Flüchtlingssituation online.

Netzwerke
Netzwerk Wohlfahrtstraße: Nachbarn des Flüchtlingsheimes an der Wohlfahrtstraße haben im Mai ein Hilfsnetzwerk gegründet. Hier gibt es aktuelle Infos.
Netzwerk Flüchtlinge Langendreer: offener Zusammenschluss im Bochumer Osten; regelmäßige Treffen; Kontakt unter netzwerk-langendreer@posteo.de.
Flüchtlingsnetzwerk Bochum-Südwest e.V.: kümmert sich um Flüchtlinge und Asylbewerber im Südwesten. Infos gibt es hier
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1 Kommentar
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Brigitte Böhnisch aus Bochum | 11.11.2015 | 12:33  
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