Nie darfst du sie aus den Augen lassen: Ein Bodyguard berichtet

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Dirk Geisler betreibt seit 33 Jahren Kampfsport und unterrichtet seit über 20 Jahren Kinder, Polizisten oder Sicherheitsfirmen. Er leitet die Kampfkunstschule "Yi Quan" an der Engellaustraße 2 in Castrop-Rauxel.

„Nie darfst du sie aus den Augen lassen. Nie darfst du dich sicher fühlen. Nie darfst du dich verlieben“, suggerierte uns das „Bodyguard“-Filmplakat. Der Film, in dem Frank Farmer (Kevin Costner) die launische Pop-Diva Rachel Marron (Whitney Houston) beschützt, sich in sie verliebt und damit gegen das dritte „Bodyguard-Gebot“ verstößt, kam 1992 in die Kinos. Er wurde schnell weltberühmt und vermittelte uns ein bestimmtes Bild vom Personenschützer. „Das ist total realitätsfern“, lacht Dirk Geisler. Der 43-Jährige arbeitet seit 20 Jahren als Personenschützer. Und er hat in dieser Zeit viele Promis „betreut“.




Personenschützer, so erklärt Geisler, sollten nicht mit Türstehern verwechselt werden. „Türsteher sind groß und breit. Das muss man als Personenschützer nicht sein. Hier gilt es, eher nicht aufzufallen und sich im Hintergrund zu halten. Man ist zum Abschirmen da. Für den Fall der Fälle. Wenn man gut arbeitet, passiert auch nichts.“

"Auf den Busch klopfen"

Richtig gefährliche Situationen habe er mit den Stars nicht erlebt. „Im Starbereich ist das Ganze oft etwas aufgesetzt. Viele mieten sich Bodyguards, um auf den Busch zu klopfen. Es gehört einfach dazu“, weiß Geisler.

Backstreet Boys und Michael Jackson

Da die Fans ihren Stars nah sein wollen, ist meistens „Rumgeschubse“ angesagt. „Die Fans wissen immer gut Bescheid. Zum Beispiel, in welchen Hotels die Stars sind. Manchmal weiß ich nicht, wo es hingeht, aber die Fans sind schon da“, verrät Geisler mit einem Augenzwinkern.
Von den Backstreet Boys über Thomas Gottschalk bis hin zu Michael Jackson: Dirk Geisler war für alle als Personenschützer im Einsatz. „Am Anfang ist man etwas geplättet, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass das ganz normale Leute sind“, sagt Geisler. Doch er weiß: „Starsein ist kein Lehrberuf. Manchmal ist man schon erschrocken, wie sich die Stars verhalten.“
Wenn er wollte, könnte er aus dem Nähkästchen plaudern. „In den Hotels passiert schon Einiges“, sagt er. Aber Diskretion zeichnet einen Personenschützer eben auch aus. „Man schließt keine Freundschaft“, betont Geisler. „Man ist für den Objektschutz zuständig, bewacht den Backstagebereich, schirmt die Leute ab und lässt sie in Ruhe. Manchmal kriegen die Stars gar nicht mit, dass man da ist. Sie bewegen sich frei und man bewegt sich mit. Man sollte präsent sein, aber nicht unbedingt dabei.“

Extrawünsche sind bei den Promis keine Seltenheit. „Die Backstreet Boys wollten beispielsweise immer ein spezielles Eis haben“, erinnert sich Geisler. Sie seien „supernett“ gewesen. Das Gleiche gelte für Dieter Bohlen. An Michael Jackson sei er „nie näher als fünf bis zehn Meter herangekommen, weil er auch noch eigene Bodyguards um sich hatte.“
Kai Pflaume sei auch hinter den Kulissen der „Schwiegersohntyp“, und Michael Schumacher habe er von A nach B gefahren. „Später habe ich ihn bei einem Rennen getroffen. Er hat mich wiedererkannt und ein paar Worte mit mir gewechselt. Er ist ein sehr sympathischer Mann, und es ist schlimm, was ihm passiert ist“, meint Geisler. Auch an DJ Bobo erinnert er sich gerne.

Mit Blaulicht zur Bravo Super Show

Skurrile Vorfälle habe es im Laufe der Jahre einige gegeben. Welche, möchte Geisler eigentlich nicht verraten. Einen „Vorfall“ schildert er uns dann aber doch: „Eine damals sehr bekannte Boygroup ist von Holland aus einfach mit Blaulicht zur Bravo Super Show gefahren. Dort wurde sie dann von der Polizei in Empfang genommen. Mich wunderte das nicht, denn auf mich wirkte die Gruppe generell seltsam“, erzählt Geisler. „Auch die Schlagzeilen nach dem Australien-Aufenthalt eines ehemaligen Bandmitglieds im Januar haben mich nicht wirklich überrascht.“

Wie lange Dirk Geisler für die Promis im Einsatz ist, variiert von Fall zu Fall. Von einer Stunde über zwei Tage ist alles dabei.
Mittlerweile ist der Leiter der Castrop-Rauxeler Kampfkunstschule „Yi Quan“ nicht mehr für Stars, sondern für Industrielle im Einsatz. Auch hier gilt: „Ein Personenschützer sollte unauffällig, zuverlässig und wachsam sein.“
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