Viele Fragen, Ängste, Kritik: Flüchtlingsunterkünfte in den Aapwiesen

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Der Pavillon an der Janusz-Korczak-Gesamtschule (im Bild) und das ehemalige Grundschulgebäude an der Marienburger Straße sollen als Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt werden.

Viele Fragen, Ängste, Kritik, aber auch die Bereitschaft, helfen zu wollen − die Infoveranstaltung der Stadtverwaltung am Mittwochabend (18. November) in der Janusz-Korczak-Gesamtschule, zu der rund 120 Bürger kamen, zeigte eines ganz deutlich: An den beiden geplanten Flüchtlingsunterkünften in den Aapwiesen spaltet sich die Meinung der Anwohner.

Wie berichtet, sollen der Pavillon an der Janusz-Korczak-Gesamtschule (120 Flüchtlinge) und das ehemalige Grundschulgebäude an der Marienburger Straße (140) in den Aapwiesen als Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt werden.

Acht Wochen, so die Schätzung, wird es dauern, bis der Pavillon umgebaut ist; danach folgt dann das alte Grundschulgebäude. Aller Voraussicht nach werden die ersten Flüchtlinge im Februar in den Pavillon ziehen. Dies ist jedenfalls der heutige Stand der Dinge, denn niemand wisse, wie sich die Situation weiter entwickle, sagte Bürgermeister Rajko Kravanja. Mit derzeit 1.100 Flüchtlingen habe sich die Zahl seit dem Sommer verdoppelt. Rechne man die geplante Großnotunterkunft in Habinghorst mit weiteren 1.000 Flüchtlingen dazu, „haben wir eine Vervierfachung derjenigen, die wir binnen drei Monaten unterbringen müssen.“

Es gebe einen festen Verteilungsschlüssel. „Wir können nicht ‚Nein‘ sagen. Die Situation ist in allen Städten gleich“, betonte der Bürgermeister.
„Wo haben wir das Mitspracherecht?“, fragte eine Frau. Und sie stand mit dieser Frage nicht alleine da. Einige andere prangerten „eine verfehlte Bundespolitik“ an. „Ich verlange, dass Sie denen da oben mal Bescheid geben“, gab man Rajko Kravanja mit auf den Weg. „Es ist eine der Hauptaufgaben, diese Dinge nach oben zu geben“, entgegnete der Bürgermeister.

„Ich verstehe, dass Sie keinen Einfluss darauf haben, dass Sie Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Aber Sie haben Einfluss darauf, wo sie untergebracht werden. Warum beispielsweise nicht im Erin-Park?“, fragte ein Mann.
„Wir versuchen, es auf alle Stadtteile zu verteilen“, so Kravanja. In einigen Stadtteilen gebe es jedoch keine alten Schulgebäude, die genutzt werden könnten. Wenn man langfristig Wohnraum bauen müsse, solle dies jedoch über die ganze Stadt verteilt geschehen.

Die Unterbringung der Flüchtlinge in den Aapwiesen sei eine mittelfristige, erklärte Kravanja auf Nachfrage.Und das hieße: „Mindestens ein Jahr.“
Ein Sicherheitsdienst sei 24 Stunden vor Ort, und es gebe auch immer einen Ansprechpartner für die Bürger. Darüber hinaus sollen Sprechstunden angeboten werden.

Und nein, kein Kind müsse bei uns auf einen Kindergartenplatz verzichten, weil Flüchtlinge zu uns kämen.

„Wir wissen nichts von den Leuten“, erklärte eine Frau. Viele Anwohner äußerten, Angst und Sicherheitsbedenken zu haben.

„Die Flüchtlinge fliehen vor denjenigen, die die Anschläge verüben“, betonte Kravanja. Eine hundertprozentige Sicherheit könne niemand geben. Und „dumme Leute“ gebe es immer. „Bei Flüchtlingen, bei uns oder sonst wo.“ Rajko Kravanja appellierte an die Bürger, mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, die Begegnung zu suchen und so Ängste abzubauen.

„Wir stehen in der Pflicht, weil wir Menschen sind. Meine Urgroßmutter ist damals nach Tschechien ausgewandert und dort aufgenommen worden. Darüber bin ich froh“, sagte eine Frau.

„Denjenigen, die aus Kriegsgebieten kämen, müsse geholfen werden“, meinte eine Anwohnerin. Und sie fragte nach konkreten Zahlen. Es gebe 805 Asylflüchtlinge (Stand Dienstag), erklärte Dirk Heinacker, Leiter des Bereichs Soziales. „Dann ca. 100, die wieder ausreisen müssen.“ Derzeit befänden sich 170 Syrer in Castrop-Rauxel.

Wer nach Ickern käme, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. „Niemand begibt sich freiwillig in eine ungewisse Zukunft“, betonte Regina Kleff, Leiterin des Bereichs Kinder, Jugend und Familie.

„Ich bin seit 1986 Ickerner Bürger. Ich mache mir Sorgen, dass die Ickerner Bürgerschaft immer mehr auseinander driftet. Ich verlange eine vernünftige Integrationspolitik. Wir dürfen nicht die Fehler der 60er und 70er Jahre machen. Ich bin seit 30 Jahren ehrenamtlich tätig und will mir ein Bild vor Ort machen“, erklärte ein Mann. „Wenn Sie mir das verwehren, dann kann ich Sie nicht unterstützen.“
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2 Kommentare
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Birgit Glembotzki aus Castrop-Rauxel | 24.11.2015 | 16:11  
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Birgit Glembotzki aus Castrop-Rauxel | 25.11.2015 | 12:02  
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