Aufgeheizte Stimmung beim Bürgerinfoabend: Umzug der Flüchtlinge in die Aapwiesen sorgt für Unmut

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Am 27. Juni ziehen Flüchtlinge in die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Grundschule an der Marienburger Straße. (Foto: Thiele)

Dass die Stadt am Mittwoch (27. Juni) die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Grundschule an der Marienburger Straße bezieht, kommt bei den Bewohnern der Aapwiesen nicht gut an. Beim Infoabend in der Janusz-Korczak-Gesamtschule am Donnerstag (7. Juni) war die Gruppe der Bürger, die Probleme mit dem Zuzug von Flüchtlingen hat, die deutlich lautstärkere.

Die Grundschule und der Pavillon der JKG, der bislang nicht bezogen wird, sind für je 60 Personen gedacht, wobei eine Aufstockung möglich ist. 50 Menschen werden zunächst nach Ickern ziehen. Zurzeit leben sie in der ehemaligen Harkortschule in Merklinde, doch das Gebäude soll nach den Sommerferien für Betreuungsangebote für Kinder genutzt werden. "Außerdem beginnen wir mit der Planung für eine Kita", so Sozialdezernentin Regina Kleff.
Im Mittelpunkt des Infoabends stand vor allem das vermeintliche Gefahrenpotential durch die Flüchtlinge. Aufregung unter den rund 80 anwesenden Bürgern gab es, als Susanne Köhler, kommissarische Leiterin des Bereichs Asyl und Obdachlose, erläuterte, dass unter den neuen Bewohnern neben Flüchtlingsfamilien, deutschen Staatsangehörigen ohne Obdach und Menschen mit Migrationshintergrund auch eine gewisse Anzahl alleinstehender Männer ist.

Zweifel an Polizeistatistik

Zusätzlich aufgeheizt war die Stimmung durch den Fall des 14-jährigen Mädchens, das vor wenigen Tagen in Wiesbaden mutmaßlich von einem irakischen Flüchtling vergewaltigt und ermordet wurde. Nicht alle Anwesenden wollten Bürgermeister Rajko Kravanja glauben, dass es laut Polizeistatistik keine erhöhte Kriminalität durch Flüchtlinge gibt. "Der böse Mann hinter dem Busch ist die Ausnahme", betonte er.
"Man hat vor der Masse Angst, nicht vor dem Einzelnen", sagte eine Frau und fragte, warum die Flüchtlinge nicht in vereinzelten Wohnungen untergebracht würden. "Da ist unser Ziel", entgegnete Kravanja.
Um das eigene Sicherheitsgefühl zu stärken, wurde von Anwohnern die Bitte geäußert, die Gestaltungssatzung der Siedlung in den Aapwiesen so zu ändern, dass man das eigene Grundstück umzäunen darf. Ein anderer Bürger fragte: "Für wen ist der Sicherheitsdienst?" Kravanja begründete dessen Anwesenheit unter anderem damit, "dass wir die Verantwortung haben, die Menschen in der Unterkunft zu schützen".
Da das Grundschulgebäude und der JKG-Pavillon nun die Erstaufnahmeeinrichtung für Castrop-Rauxel sind, könne man zur künftigen Zusammensetzung der Nationalitäten nichts sagen, so Kravanja. Dort werden alle wohnen, "die uns zugewiesen werden".

Neue Nachbarn kennen lernen

Sowohl Kravanja als auch Pfarrer Sven Teschner, der in Habinghorst neben zwei von Flüchtlingen bewohnten Mehrfamilienhäusern lebt und sagte, dass er nie nettere Nachbarn gehabt habe, baten die Anwohner der Aapwiesen darum, ihre neuen Nachbarn kennen zu lernen.
Gelegenheit dazu gibt es direkt am 27. Juni um 16 Uhr. Dann lädt der Verein "Interkulturelle Brücke" zu einem gemeinsamen Rudelgucken in der JKG-Mensa mit den Bewohnern der Unterkunft ein.
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