Geburten im Rochus, Geriatrie im EvK

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Besiegelten die neue Kooperation mit einem Handschlag: Die Geschäftsführer des EvK, Heinz-Werner Bitter (l.), und des Rochus-Hospitals, Thomas Tiemann.
Die beiden Castrop-Rauxeler Krankenhäuser strukturieren um und kooperieren. Das Evangelische Krankenhaus schließt am 31. Dezember die Entbindungsstation und stärkt damit die Geburtshilfe im katholischen St. Rochus-Hospital. Gleichzeitig strebt das katholische Krankenhaus eine engere Zusammenarbeit mit dem EvK im Bereich der Geriatrie an.

Dieses Konzept erläuterten am Mittwoch (15. Juli) die beiden Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter (Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel) und Thomas Tiemann (St. Rochus).

Der Schritt erfolge in „gemeinsamer Verantwortung für die Patienten der Region“, betonten Tiemann und Bitter. Mit dieser Entscheidung werde langfristig die Versorgung in der Stadt gesichert. Gegenüber anderen Regionen „bieten beide Häuser ein hohes Maß an Versorgung“, was nicht zuletzt auch das Leben und Arbeiten in Castrop-Rauxel attraktiv mache.

Um eine Geburtshilfestation „ökonomisch und insgesamt zufriedenstellend“ betreiben zu können, müssen dort mindestens 650 Geburten im Jahr erfolgen. Das erklärte am Mittwoch (15. Juli) EvK-Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter bei der Erläuterung des Schließungsbeschlusses der Geburtshilfe-Abteilung zum Jahresende.

Im EvK hat es zuletzt 320 bis 340 Geburten gegeben. Im Rochus kamen hingegen 650 Kinder zur Welt, betonten Bitter sowie St. Rochus-Geschäftsführer Thomas Tiemann. Daher, so Bitter, sei es der unternehmerische Wille des Evangelischen Krankenhauses, die Geburtshilfe-Abteilung aufzugeben.

Dazu komme, dass die seit zweieinhalb Jahren laufenden Bemühungen, die Nachfolge von Chefarzt Robert Kralemann, der in den Ruhestand geht, zu regeln, erfolglos geblieben seien.

Daher sei es ein Gebot der Vernunft gewesen, sich mit dem Rochus-Hospital zu verständigen, wie künftig die Versorgung im Bereich der Geburtshilfe organisiert werden könne, begründete Bitter den jetzt öffentlich gemachten Schritt, „wohl wissend, dass eine erfolgreiche Arbeit zu Ende geht.“

Bezogen auf das EvK kann durchaus von einem historischen Schnitt gesprochen werden. Denn seit der Eröffnung des ersten evangelischen Krankenhauses im Jahr 1892, also vor 123 Jahren – seinerzeit noch an der Denkmalstraße nahe der Castroper Innenstadt –, kamen im EvK Kinder zur Welt.

Allein in den vergangenen 40 Jahren seit Bestehen des jetzigen EvK an der Grutholzallee erblickten dort 20.000 Mädchen und Jungen das Licht der Welt.
Betroffen von der Schließung der Geburtshilfe-Abteilung im EvK sind 20 Personen: Ärzte, Krankenschwestern sowie sechs Hebammen. Bitter: „Niemand muss sich Sorgen um sein Einkommn machen.“ In Kürze werde es Mitarbeitergespräche geben, um neue Einsatzgebiete abzuklären. „Entlassen wird niemand.“

Bitter: „Bei allem Verständnis für die Reaktionen von Beschäftigten und Bürgern, die zu würdigen sind, und die die enge Verbundenheit zum EvK und zur dortigen Geburtshilfestation zeigen, sie kommen drei Jahre zu spät.“

Letztlich habe auch die demografische Entwicklung ihren Teil zur Schließungsentscheidung beigetragen.

Was konkret mit dem „Babynest“ von ReVital passiert, sollen Gespräche klären. Bitter: „Das, was unmittelbar mit der Geburt in Zusammenhang steht wie etwa Vorbereitungskurse, fällt weg. Manche Angebote laufen weiter.“ Eventuell müsse der Stützpunkt neu konzipiert werden.

Im Rochus-Hospital als künftig alleiniger Entbindungsklinik der Stadt werden nach der Neuordnung 100 zusätzliche Geburten erwartet. „Dafür sind wir mit unseren drei Kreißsälen und unserem Personal gut aufgestellt“, unterstrich Thomas Tiemann.

Von den bislang jährlich rund 1.000 Geburten in beiden Krankenhäusern wohnen 600 Mütter in Castrop-Rauxel. Die anderen stammen aus Nachbarstädten.
Erfahrungen in anderen Regionen hätten gezeigt, dass sich die anderen werdenden Mütter in Richtung Entbindungskliniken außerhalb Castrop-Rauxels orientieren würden.

Die Gynäkologie im EvK an der Grutholzallee bleibt übrigens weiter bestehen. „Sie ist wichtiger Bestandteil auch der Altersmedizin“, betonte Bitter. In der Gynäkologie werde am 1. November eine neue Chefärztin ihren Dienst antreten.

Bereits im Oktober eröffnet das EvK die um 18 Betten erweiterte Abteilung für Gerontopsychiatrie. Hier werden künftig auch Patienten aus dem Rochus aufgenommen, bei denen bestimmte altersbedingte Erkrankungen in Kombination mit zum Beispiel Wesensveränderungen diagnostiziert wurden. Tiemann: „Die Chefärzte der Inneren Abteilungen werden beraten, wo Übergaben sinnvoll sind.“

Die Akutversorgung im Bereich Geriatrie im Rochus-Hospital bleibt von der neuen Kooperation mit dem EvK unberührt.
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