Er kam, schwamm und siegte

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Dieter Klesch im DINamare.
Der 59-Jährige Weseler Dieter Klesch siegte mit 41,8 Kilometern

"Fußball und Tennis kann doch jeder", erklärt mir der 59-jährige Bauunternehmer Dieter Klesch und ich kann mir ein Grinsen kaum verkneifen. Denn gerade in Ausnahme-Zeiten wie der Europameisterschaft, wo man sich unter gefühlt 80 Millionen Fußballexperten mit Anwartschaft auf Jogis Trainerposition bewegt, ist es mitunter verdammt schwierig, mal über etwas anderes zu fachsimpeln als über Boatengs begnadetes Ballspiel, Neuers Nerven oder Kimmichs kühne Kopfbälle. Nicht aber mit Dieter Klesch, passionierter Schwimmer und aktueller Sieger (Herrenwertung) in der Einzelwertung der Herren beim 24-Stunden-Schwimmen im DINamare. Ganze 41.800 Meter hat er zurückgelegt und musste sich nur von der Dänin Grith Sigsgaard geschalgen geben, die sich mit einem absoluten Rekordergebnis von 51.000 Metern an die Spitze gekämpft hat. "Die ist aber auch ein Tier", sagt Klesch und nickt anerkennend. "Wie steht man ganze 41 Kilometer durch?", will ich wissen. Die Antwort so simpel wie bestechend: Es ist einfach wie ein Rausch. Wenn du einen Kilometer geschafft hat, möchtest du den zweiten erreichen." Nach vielen Jahren harten Trainings schwimmt der ehemalige Dinslakener über 17 Stunden am Stück. "Das ist mein absoluter Rekord", sagt er und strahlt mich stolz an.


"Ich wollte es ihnen beweisen"


Der Anlass zu dieser Ausnahmeentwicklung hingegen ist trauriger Art: Arbeitsunfall, Bruch des ersten Lendenwirbels, bange Momente, haarscharf an einer Querschnittslähmung vorbeigerutscht, langwierige Rehamaßnahmen, Wassergymnastik. "Mit Schwimmen kannst du alle Beschwerden austrainieren, sagten ihm die Ärzte und Klesch beherzigte es. "Alle hatten mich abgeschrieben, da wollte ich es ihnen beweisen." Und das hat er getan. Ganze 200 Kilometer schwamm er bisweilen im Monat, nahm an vielen Marathon-Schwimmveranstaltungen teil und belegt noch heute Platz 17 in der Rangliste und sogar Platz eins in seiner Altersgruppe.
Doch allein die Siege, sind ihm gar nicht so wichtig, ihm geht es vielmehr darum, den Schwimmsport von der Randdisziplin ins Mittelfeld zu rücken.
"Schwimmen ist der gesündeste Sport, den es gibt. Und gerade Kinder sollten früh damit anfangen", betont er. "Gesunde Ernährung, viel Bewegung und auf keinen Fall rauchen." Ein bisschen muss ich schmunzeln, hab ich mir einen "Moralapostel" doch irgenwie anders vorgestellt.
Dem Schmunzeln folgt ein anerkennendes Nicken, hab ich doch selten erlebt, wie ein Mensch mit solch einer Überzeugung, Disziplin und Begeisterung, einen Plan umgesetzt hat. Chapeau! Lieb gewonnene Tradition: Nach jedem Sieg lässt sich Dieter Klesch mit dem weiblichen Siegerpendant fotografieren, wie hier nach dem 12-Stunden Schwimmen in Oberhausen im vergangenen Jahr. Foto: privat
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