Umstrittene Standortfrage für Flüchtlingsunterkunft: heftige Diskussionen bei Bürgerdialog

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von Sarah Dickel

Voerde. Es sind viele Bürger, die an diesem warmen Donnerstagabend nicht das Freibad frequentieren oder den Abend im heimischen Garten ausklingen lassen, sondern in der kühlen Aula des Gymnasiums Voerde sitzen, um ihrem Unmut Luft zu machen.
Es ist die vierte Veranstaltung zu der geplanten Flüchtlingsunterkunft, die, wie Wilfried Limke, Planungsdezernent und Erster Beigeordneter berichtet, 64 Menschen ein Zuhause bieten soll. Bürgermeister Dirk Haarmann gibt Auskünfte zur aktuellen Statistik. 497 Asylbewerber sind zurzeit in Voerde. Diese Zahl werde sich aber im Laufe des Julis und Augusts ändern: „Aufgrund des Residenzgesetzes werden noch weitere 77 Personen nach Voerde kommen“, erläutert Haarmann. Personen, für die am Ende auch Wohnraum zur Verfügung stehen müsse. Und genau hier sei das Problem: „Es gibt einen Engpass im freien Wohnungsmarkt, deswegen sind neue Lösungen notwendig“, so Haarmann. Besonders schwierig sei es zurzeit für die 192 alleinstehenden Männer: „Sie haben wenig Aufsicht auf eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt“, erläutert der Bürgermeister das Hauptproblem.
Hier kommen die drei möglichen Wohnorte, an der Weseler Straße, an der Scheltheide und an der Schwanenstraße ins Spiel. Ein Bürger meldet sich direkt zu Beginn des Bürgerdialogs, zu dem die Stadt Voerde geladen hatte, zu Wort und macht seinen Unmut Luft.
„Für mich ist es ein Unding, dass so ein Neubau direkt an eine Grundschule kommen soll“, erklärt er und fügt hinzu: „Jemand, der 500.000 Kilometer durch zahlreiche sichere Länder gelaufen ist, ist für mich kein Flüchtling.“ Haarmann schüttelt währenddessen den Kopf und erklärt: „Es ist meine Aufgabe, mich um die Unterbringung der Menschen zu kümmern. Und eine Unterbringung in Klassenzimmer, wie in der Pestalozzischule, entspricht nicht dem Standard und ist auf Dauer nicht zumutbar.“
Langsam macht sich Gemurmel unter den Bürgern breit. „Es geht doch konkret um die Standorte und nicht allgemein um die Flüchtlingsfrage“, macht einer seiner Wut Luft. Andere stimmen ein und beginnen zu reden, sodass Wilfried Limke, der zu der aktuellen Planungssituation etwas sagen möchte, erst einmal um Ruhe bitten muss. Die Atmosphäre ist angespannt. Limke erklärt, dass es sich bei den Neubauten um Modulbauweisen handele, bei denen pro Einheit zwei Personen untergebracht werden können. Insgesamt solle es acht Module zweireihig geben und das Gleiche auf zwei Etagen, sodass insgesamt 64 Personen untergebracht werden können. Wieder meldet sich eine Bürgerin und fragt, warum denn mit der Schwanenstraße gerade eine Ecke ausgesucht wurde, „in der sich Familien mit Kindern niedergelassen haben?“ Limke erklärt, dass angestrebt werde, die Menschen siedlungsnah unterzubringen, damit das Integrationsvermögen hoch sei. Wieder werden Stimmen laut, die befürchten, dass die Schwanenstraße zur zweiten Barbarastraße werde: „Die Barbarastraße ist ein sehr unattraktives Viertel, warum muss man jetzt auch die Schwanenstraße dazu machen?“
Der Standort an der Scheltheide sei nicht wirklich siedlungsnah und wäre daher auch nicht erste Priorität, erklärt Limke weiter. Auch der Standort Weseler Straße bräche Vor- und Nachteile mit sich. Die hitzige Atmosphäre, die mittlerweile zwischen Bürgern und Stadt entstanden ist, wird auch das näher kommende Gewitter nicht entspannen. Es bleibt also nur abzuwarten, welche Entscheidung bezüglich des Standortes getroffen wird, wenn sich der Rat am Dienstag, 11. Juli, trifft.
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