Cantus Dorsten begeisterte in der Zwillbrocker Barockkirche

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„O nata lux de lumine“ – mit den Worten des anonymen Hymnus aus dem 10. Jahrhundert begann am Sonntag das geistliche Konzert des Kammerchores Cantus Dorsten unter der Leitung von Kantor Dr. Hans-Jakob Gerlings in der Barockkirche St. Franziskus in Zwillbrock. „Licht geboren aus Licht“ war denn auch die passende Beschreibung der besinnlichen Stunde, die der Chor aus Dorsten den Anwesenden bescherte. Mit ihren klaren Stimmen entzündeten die 15 Sängerinnen und Sänger eine helle Kerze zum zweiten Advent und ließen das reiche barocke Kirchenschiff in einem besonderen Glanz erstrahlen. Auf „O nata lux“ in den Fassungen des modernen Morten Lauridsen und des Renaissancemeisters Thomas Tallis folgte ein weiteres a-cappella Stück, Charles Villiers Stanfords „Beati Quorum“. In der schönen sechsstimmigen Motette entfalteten sich die gesamte intonatorische Sicherheit des Cantus Dorsten und viel Gefühl in der Interpretation alter Musik. Mit Kantaten von Johann Sebastian Bach (Lobet den Herrn BWV230) und Dietrich Buxtehude (In te Domine Speravi BuxWV53 und Cantate Domino BuxWV12) wechselte der Chor Genre, blieb aber nicht minder souverän. Begleitet von Dr. Gerlings an der Truhenorgel schuf der Cantus Dorsten ein perfektes barockes Klangbild mit tänzelnden Rhythmen zum Lobe Gottes. Abgerundet wurde der Vortrag von zwei wunderschön gesungenen Soloarien für Sopran des Chormitglieds Katharina Drees. Auch die renommierte Hausorgel der Barockkirche kam zum Einsatz. Gerlings begleitete auf ihr seinen Chor bei einem majestätischen „O be joyfull in the Lord“ von Stanford. Von der Orgelempore herab füllte der Klang der Worte des Psalms 100 das gesamte Kirchenschiff. Flötistin Heike Fleckenstein an der Altblockflöte begleitete Gerlings auf der Orgel im basso continuo bei der Sonata g-moll von Evaristo Felice dall´Abaco. Das feine selten gehörte Instrumental-Duo war eines der Höhepunkte des Konzertes. Der Kammerchor spielte anschließend mit der Akustik, in dem sich die Sänger für Richard Lloyds „View me, Lord, a Work of Thine“ im gesamten Kirchenschiff verteilten. So konnten die schönen Klänge im Raum verschmelzen, jeder Zuhörer an seinem Platz ganz nah bei einem Sänger sein. Mit polyphon neu komponierten Volksweisen wie „Guten Abend, gute Nacht“ von Brahms/Göttsche und „Der Mond ist aufgegangen“ von Max Reger wollte der Cantus Dorsten die Gäste in den Adventsabend entlassen. Bruder Hubert Müller dankte dem Chor für die ausgezeichnete Interpretation und das Schaffen einer außerordentlich gefühlvollen Atmosphäre. „Wir hoffen Sie kommen wieder“, adressierte er an Dr. Hans-Jakob Gerlings und so stimmte der Chor gerne den irischen Abschiedssegen „And until we meet again“ – bis wir uns wiedersehen – an, ebenfalls vierstimmig veredelt und mit herrlichen Soprankoloraturen.
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