Die Geburt Christi in der Kunst

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Die Heilige Familie, die Hirten und die Heiligen Drei Könige sind in fast jedem Krippenaufbau wie hier in der Reinoldikirche zu sehen. Ihre Ursprünge haben die Figuren in den Erzählungen der Evangelisten Lukas und Matthäus (Foto: Archiv)

Die Weihnachtsgeschichte nach den Erzählungen der Evangelisten Lukas und Matthäus im Neuen Testament über die Geburt und Kindheit Jesu ist ein beliebtes Motiv in der Kunst - und die Vorlage für Krippen

In den frühen Arbeiten sind zumeist nur drei Bildelemente vorhanden: Das gewickelte Jesuskind, Ochs und Esel sowie die Hirten. Seit dem 4. Jahrhundert wird in der westlichen Kunst zunehmend ein Stall abgebildet und die Darstellung der Geburt Christi mit der Anbetung der „Sterndeuter aus dem Morgenland“ verknüpft. Schließlich kommen auch Maria und Josef hinzu. In der Kunst der Ostkirche hingegen findet die Geburt fast immer in einer Felsenhöhle oder Grotte statt.

Bis in das Mittelalter hinein bleibt der Bildaufbau schematisch – ohne Tiefenraum, Licht und Schatten. Mensch und Tier wirken flach, den Hintergrund bilden Farbflächen oder Goldgrund. Demgegenüber hat Albrecht Dürer (1471 bis 1528) zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Geburt Christi in seinem berühmten Kupferstich Weihnachten in eine gleichermaßen perspektivisch perfekte Architektur wie stimmungsvolle Szenerie seiner Zeit versetzt: Im offenen Erdgeschoss eines spätmittelalterlichen Fachwerkhauses betet die kniende Maria das Jesuskind innig an, während Josef derweil Wasser aus einem Brunnen im Hof schöpft. Menschlich-irdische und genrehaft-weltliche Elemente finden Eingang in die Darstellungen.

Seit dem 5. Jahrhundert werden die Ereignisse rund um die Geburt Christi zunehmend als eigenständige Bildthemen ausgeführt.
Zu den beliebtesten Darstellungen in der christlichen Kunst zählt die Verkündigung an Maria. Nach der Erzählung im Lukas-Evangelium tritt der Engel Gabriel als Überbringer der freudigen Botschaft an Maria auf. Seit dem frühen Mittelalter gilt im christlichen Abendland der 25. März als Fest- oder Gedenktag an Mariae Verkündigung. In Schottland begann bis zum 17. Jahrhundert am 25. März das neue Jahr – in England sogar noch bis 1752.

Hirten waren die ersten Zeugen der Geburt Christi: Nachdem ihnen ein Engel auf dem Feld die Nachricht verkündet hatte, eilten sie nach Bethlehem zur Krippe, um das Kind anzubeten. Seit dem 14. Jahrhundert wird die Anbetung des Kindes durch die Hirten insbesondere auf Andachtsbildern dargestellt. Im Zeitalter des Barock experimentierten Künstler wie Rembrandt van Rijn (1606 bis 1669) verstärkt mit Licht und Schatten zur Steigerung der Bilddramaturgie. In seiner Radierung Die Verkündigung an die Hirten hat Rembrandt das Erscheinen des Engels bei Nacht und die damit verbundene Aufregung der Hirten und Tiere durch starke Kontraste in der Lichtführung auffällig herausgearbeitet. Rembrandt widmete sich vielfach den Themen der Weihnachtsgeschichte.

Nach der Darstellung im Matthäus-Evangelium begaben sich Sterndeuter aus dem Morgenland auf die Suche nach dem neugeborenen Kind in Bethlehem. Von einem Stern geleitet, fanden sie Maria und das Kind, beteten es an und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als kostbare Geschenke dar. Die Bibel nennt weder ihre Namen noch ihre Anzahl. Die Kirchenväter des 3. Jahrhunderts schlossen jedoch durch das vornehme Auftreten der Männer und die Dreizahl ihrer mitgebrachten Gaben, es müsse sich um drei Könige handeln. In der griechischen Urfassung des Neuen Testaments werden sie als Magoi bezeichnet. Die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar sind erstmals für das 5. Jahrhundert belegt. Die Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige im 12. Jahrhundert durch Kaiser Friedrich Barbarossa von Mailand nach Köln förderte die Ausbreitung des Drei-Könige-Kultes im Abendland.

Den Überlieferungen nach ist Kaspar der älteste, Balthasar der mittlere und Melchior der jüngste König. Die Drei Könige versinnbildlichen die drei damals bekannten Erdteile: Europa, Asien und Afrika. Ferner repräsentieren sie die drei Lebensalter: Jüngling, Mann und Greis. Die Anbetung der Könige gehört zu den ältesten Themen der christlichen Kunst und findet sich bereits auf spätantiken Sarkophargen.
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