Motown in Dotown

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Er spielt Soulklassiker als Jazznummer, Wagner als Tango, komponiert Kinderlieder, und mit seinem neuesten Soloprojekt hat Wim Wollner die ganz besondere Atmosphäre eines Dortmunder Sommers eingefangen.

Für sein Studium ist Wollner in die Niederlande gegangen, hat in Hilversum studiert: „Dort war die Jazz-Ausbildung einfach am besten.“ Danach hat er lange in Amsterdam gelebt, war mit der „Rocky Horror Show“ fünf Jahre lang, von 2000 bis 2005, auf Tournee durch ganz Europa.“Das war eine wunderbare Zeit. Wenn man zum Beispiel drei Wochen in Rom ist und nur abends die Vorstellung hat, kann man sich doch eine Menge ansehen.“

Nein, Schubladen sind nicht sein Ding. Der in Athen geborene und in Dortmund aufgewachsene Sohn österreichischer Eltern ist an unglaublich vielen verschiedenen Bands und Projekten beteiligt. Als Trio „Wann Se Wolln“ geht der Saxophonist Wim Wollner zusammen mit Hans Wanning am Piano und Ingo Senst am Kontrabass Wagner-Werke wie Tannhäuser, Tristan und Isolde, Rienzi oder Parsifal auf Jazzart an. Da wird aus der Opernmusik ein Tango, oder ein Samba. Ins Rollen gebracht hat diese Arbeit Wollners alter Freund, Professor Martin Geck. „Ich bin nicht unbedingt ein Klassik-Experte, aber er hat mich dazu gebracht, mich mit Wagner zu beschäftigen.“ Der ehemalige Professor für Musikwissenschaft an der Dortmunder Uni hatte eine vielbeachtete Biografie geschrieben und bei Wollner angefragt, ob er nicht zur Präsentation Wagner-Werke interpretieren wolle – daraus ist das Trio entstanden.

Nicht ganz so ungewöhnlich, aber effektiv war die Idee, Soulstücken von Marvin Gaye, Stevie Wonder und anderen ein jazziges Gewand zu geben. Aus Motown wird Dotown: Stücke wie „I Wish“, „Ain’t No Mountain High Enough" oder, mal was anderes:„Satisfaction“, erscheinen in einem ganz neuen Licht. „Wir spielen keine Coverversionen, sondern interpretieren die Stücke neu. Das funktioniert sehr gut, denn man kann einfach nur zuhören, aber auch gut zu den Stücken tanzen“, erklärt Wim Wollner. Mit den „Dotown Wonder Bros“ Holger Weber (Gitarre), Ingo Senst (Kontrabass) und Benny Mokross (Percussion) ist Wollner viel unterwegs, spielt in Jazzkneipen, auf Partys oder bei Stadtfesten.

Die Dotown Wonder Bros:



Daneben komponierte Wollner noch Musik zu Hörspielen für Kinder wie dem Dschungelbuch oder entwickelte zusammen mit Martin Geck die Reihe „Professor Jeck's...“, zum Beispiel mit ABC-Liedern für Kinder im Vorschulalter. Aus dieser Arbeit ist auch die Band „Tochi Melo“ hervorgegangen, die anspruchsvolle Musik für Kinder spielt „bei der auch die Eltern gut zuhören können.“

Außerdem gibt es noch diverse andere Zusammenarbeiten, zum Beispiel „Bescay & Djangos Orientology Orchestra“, das Jazz und Weltmusik auf der Basis von türkischen, bulgarischen, indischen und anderen Volksliedern verbindet. Das Orchestra ist aus der Band „Bescay“ hervorgegangen, die es schon Mitte der 80er Jahre in Dortmund gab. „Mit den Oud-Spieler Yulius Golombeck hatte sich die Gruppe in Richtung Ethno-Jazz entwickelt. Leider ist Yulius vor 13 Jahren gestorben“. Für ihn gibt es am 27. November im domicil ein Gedenkkonzert mit den Gruppen Bescay und Embryo. Auch Wim Wollner ist an dem Abend dabei.

Wieder etwas ganz anderes ist „Regatta de Blanc“. Die Band covert Sting- und Police-Songs, und zwar möglichst nah am Original, denn der Frontsänger und Kopf von Reggatta de Blanc Mick Griese kommt Sting optisch und vor allem akustisch recht nahe. Hier kommt Wim Wollner immer dann ins Spiel, wenn sich das Trio der späteren Sting-Soloprojekte widmet, die einfach mehr Bläser brauchen. „Im Januar gibt es wieder eine große Party mit Regatta de Blanc in der Lindenbrauerei in Unna. Mir macht das immer viel Spaß, ich mag die Musik, und sie hat ein breites Publikum.“

Sein neuestes Projekt ist ein Soloalbum, das allerdings noch keine Plattenfirma hat: „Die Ostwall Recordings“ sind im Sommer entstanden, nachdem Wollner in der „Extraschicht“ im ehemaligen Museum am Ostwall gespielt hatte: „Das war so eine tolle Akustik in dem alten Haus, dass ich an zwei Nachmittagen im Sommer die Stücke im Lichthof noch einmal eingespielt habe. An beiden Tagen war es sehr heiß, die Türen des Gebäudes standen zum Wall und zum Park hin weit offen, was die Akustik zusätzlich beeinflusste. Der Verzicht auf schallisolierte Studioatmosphäre und die Konzentration auf den Raum als Klangkörper waren beabsichtigt und erwiesen sich als Glücksfall. Schritte von Ausstellungsbesuchern, Straßengeräusche, Atmen, Anblasen, die Klappen des Saxophons – all das fügt sich verspielt ein in die Kompositionen und Arrangements und nimmt den Hörer gleichzeitig mit, in die luftigen und sonnendurchfluteten Säle dieses wunderschönen Kunsthauses“. Das Stück „Afternoon at the Ostwall“ hat Wollner dem Haus gewidmet.

Ein Film über die Ausstellung "Das Beste zum Schluss" mit der Musik von Wim Wollner bei Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=nixTTVWPUNo


Weitere Infos unter http://wim-wollner.de

Die nächsten Termine:

17. November, 11 Uhr, Saxophon Solo, Ausstellungseröffnung Axel M. Mosler, Torhaus

27. November Ein Abend für Yulius Golombeck, feat. Embryo, Bescay, domicil

18. und 19. Januar, Regatta meets Sting, zweitägige Jubiläumsparty, Lindenbrauerei, Unna
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