Zählung bei Amsel, Drossel, Fink und Star

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Obwohl die Kohlmeise, die am häufigsten gezählte Vogelart der Helfer in Dortmund war, gibt es nicht mehr so viele, wie früher, der Kälteeinbruch im Mai 2016 tötete viele Bruten. (Foto: Holger Schmälzger)
 
Ein naturnaher Garten mit heimischen Pflanzen oder solchen, die Blüten und Beeren tragen, bietet Nahrung für Insekten und Vögel, wie hier den Stieglitz. (Foto: Holger Schmälzger)

Jedes Jahr im Januar schlägt sie, die Stunde der Wintervögel. Anfang Januar waren die Bundesbürger vom NABU aufgerufen, die Vögel in ihrem Garten oder in einem öffentlichen Park zu zählen. Eine Stunde lang.

Nun liegen die Zahlen der mittlerweile Vogelzählung vor. Neben den „Standvögeln“, die das ganze Jahr über bei uns bleiben, ließen sich auch zusätzliche Wintergäste beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa zogen. Über 136.000 Vogelfreunde haben sich an der Aktion beteiligt und Zählungen aus über 92.000 Gärten übermittelt – ein neuer Rekord. Die nächste Mitmachaktion ist übrigens die Stunde der Gartenvögel vom 10. bis 13. Mai.

"Der Winter 2016/17 war katastrophal"

Der oberste Vogelzähler und-Beobachter des NABU ist Dr. Erich Kretschmar. Er führt nicht nur im Januar, sondern das ganze Jahr lang Buch über die Vogelpopulation in Dortmund und kann so die Veränderungen im Bestand gut nachvollziehen.

„Das letzte Jahr mit dem Winter 2016/17 war ein absolut katastrophales Jahr für die Vögel“, berichtet er. „In der Breite war die Vogelzählung im Januar dieses Jahres schon etwas besser.“ Kretschmar hat auch die Anzahl der aktiven Zähler in Dortmund: „735 Personen haben in 498 Gärten oder öffentlichen Grünanlagen gezählt. Dabei haben sie 13627 Vögel erfasst.

Die Kohlmeise am häufigsten gezählt

Am häufigsten bekamen die Zähler dabei die Kohlmeise zu Gesicht. Hier konnte ein Zuwachs der Population von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgestellt werden: „Seit 2012 hatten wir in Dortmund bei den Meisen im letzten Jahr das schlechteste Ergebnis.“ Der Bestand hat sich als seit dem vergangenen Jahr etwas erholt, auch bei den Blaumeisen, die ein Plus von 24 Prozent gegenüber 2017 zu verzeichnen haben.

Kretschmar führt die Dezimierung der Meisen auf einen Kälteeinbruch im Mai 2016 zurück: „Dabei ist wahrscheinlich eine komplette Brut ausgefallen.“ Dazu kam noch ein vergleichsweise warmer Winter 2016/17, bei dem viele Meisen aus Ost- und Nordeuropa nicht bis zu uns gewandert sind.

Virus bedroht die Amseln

Gebeutelt ist auch die Amsel, die als dritthäufigster Vogel gesichtet wurde. Ihr macht der Usutu-Virus zu schaffen, der für viele Vögel tödlich endet. Das Dauersorgenkind der Ornithologen, der Spatz, hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Und auch die Lerche, die allerdings bei der Wintervogelzählung als Feldvogel nicht in Erscheinung tritt, tendiert in Dortmund fast gegen Null: „Es gibt nur noch ein nennenswertes Vorkommen auf den Feldern des Bio-Bauern in Dortmund in der Gegend von Lütgendortmund, woanders sind Lerchen aber nicht mehr auf den Äckern zu finden. Hauptursache dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch das Freizeitverhalten der Bevölkerung: „Viele Menschen laufen einfach über die Felder oder lassen ihre Hunde dort laufen, das stört natürlich die Brutvögel dort.“

Doch es gibt auch erfreuliche Tendenzen: Die Zahl der gesichteten Stieglitze hat um 122 Prozent zugenommen, die des Kernbeißers sogar um 922 Prozent. „Die Wintervogelzählung ist aber keine wissenschaftliche Zählung, hier hängt viel vom Zufall ab“, erklärt Erich Kretschmar.

Im letzten Jahr wurde viel über das Artensterben bei den Insekten diskutiert. Kretzschmar ist davon überzeugt, dass die schwindende Artenvielfalt bei den Insekten auch einen Einfluss auf die Vogelwelt hat.

Jeder Gartenbesitzer kann etwas tun

Doch jeder Bürger mit einem Garten kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Vögel bessere Lebensbedingen vorfinden: „Zuerst einmal sollte auf jeden Einsatz von Gift im Garten zum Pflanzenschutz verzichtet werden.

Ein naturnaher Garten mit heimischen Pflanzen oder solchen, die Blüten und Beeren tragen, bietet Nahrung für Insekten und Vögel. Pflanzen mit stark gefüllten Blüten bieten zu wenig Nahrung, deshalb sollte man lieber einfache Blüten vorziehen. Auch Nist- und Starenkäste in Gärten sowie die Fütterung der Wildvögel kann helfen. „Das ganzjährige Füttern, das einige Experten empfehlen, kann man machen, muss man aber nicht.“

Für die Landwirtschaft würde sich Kretschmar mehr Ackerrandstreifen wünschen, Lerchenfenster in den Feldern und mehr Flächenstilllegungen. Dabei ist klar: „Damit sich das rechnet, muss die biologische und ökologische Landwirtschaft besser gefördert werden.

immer mehr beobachten Vögel

Insgesamt erfreulich ist die hohe Zahl der Freiwilligen, die bei der Winterzählung mitgemacht haben: Bundesweit waren das 136000 Personen, die insgesamt 85.3 Millionen Vögel gezählt haben: „In den USA zählen jährlich rund 80 Millionen Menschen, ein Drittel der Bevölkerung.Davon sind wir hier noch weit entfernt. Doch die Zahl der Vogel- und Naturbeobachter steigt stetig.“

Die Ergebnisse der Wintervogelzählung ist unter nabu.de/news/2018/02/23924.html im Netz zu finden. Der ornithologische Jahresbericht für Dortmund mit aktuellen Zahlen findet sich als PDF zum Download hier: nabu-dortmund.de/neues/artikel/news/ornithologischer-jahresbericht-fuer-2017/detail/News/
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