Wie verrückt ist das denn – offene Tür auf der „Geschlossenen“

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links Herr Goschütz, rechts Herr Hedderich

Über ihre ersten Erfahrungen mit dem Konzept der offenen Türen auf der Geschlossenen Abteilung in der Psychiatrie in Dortmund Aplerbeck berichteten Tobias Goschütz und Thomas Hedderich, Mitarbeiter der LWL-Klinik Dortmund Aplerbeck, im Januar-Psychoseseminar.

Sie haben gute Erfahrungen mit der seit April 2017 zum größten Teil offenen Geschlossenen Station gemacht. Die Zeiten der offenen Tür sollen daher schrittweise verlängert werden.

Grund für die Änderungen auf der Geschlossenen ist die Novelle des Psychisch-Kranken-Gesetzes, wonach die Unterbringung Psychisch Kranker weitgehend offen erfolgen soll.
Das erfordert ein Umdenken im Umgang mit den Patienten, worauf die Mitarbeiter in Schulungen vorbereitet wurden.

Befürchtungen in der Belegschaft, dass zum Beispiel zwangseingewiesene Patienten „abhauen“, haben sich nicht bestätigt, was auf die veränderte Atmosphäre auf der Station und das ansprechende Ambiente im Phönix-Haus zurückgeführt wird.
So essen die Patienten in der Regel zusammen mit den Mitarbeitern in dem auf dem Gelände liegenden Restaurant. Die Mitarbeiter bemerken, dass dies die Patienten motiviert, mehr auf ihr Äußeres und die Tischsitten zu achten.
Die großzügige Gestaltung der Räumlichkeiten sowie die Möglichkeit das Gebäude zu verlassen bieten den Patienten Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten. Die Patienten sind entspannter, es müssen weniger Medikamente eingesetzt werden. Auch ist die Zahl der erforderlichen Fixierungen und die Verweildauer in der Fixierung deutlich zurückgegangen.

Zeigt ein Patient Fluchttendenzen, wird dem mit einer Eins-zu-eins-Betreuung und persönlicher Ansprache begegnet. Überhaupt wird laut Tobias Goschütz und Thomas Hedderich mehr miteinander gesprochen und das bei unverändertem Personalschlüssel. Zeit, die vorher z. B. zur Überwachung von Fixierten aufgebracht werden musste, steht heute für anderes zur Verfügung. Und wenn der Pfleger einen Patienten mit Bewegungsbedarf auf Dienstgänge wie das Holen der Post oder von Medikamenten mitnimmt, muss der Patient nicht mehr auf einen Spaziergang übers Gelände begleitet werden.
Sollte doch einmal ein Patient mit akuter Eigen- oder Fremdgefährdung die Geschlossene Station unerlaubterweise verlassen, werden die Polizei und gegebenenfalls die Angehörigen informiert.

Wurde auf der Station vorher erstrangig auf die Einhaltung der Rechtslage geschaut, liegt der Fokus nun auf dem Zustand des Erkrankten.
Dem Patienten wird mehr Eigenverantwortung gelassen oder je nach Sichtweise abverlangt.
Manchem Patienten gibt eine geschlossene Tür Sicherheit. Mancher braucht die Klarheit „geschlossen ist geschlossen“ und wünscht sich verbindliche Verhaltensvorgaben wenn er durch die Erkrankung oder die Wirkung von Medikamenten in seiner Urteilskraft beeinträchtigt ist.
Das muss vom Personal erkannt und darauf eingegangen werden.

Veranstalter des Psychoseseminars:
Die Verantwortlichen der Gesellschaft für seelische Gesundheit (GSG) entwickeln das Programm des Psychoseseminars in Kommunikation mit den Besuchern entsprechend deren Bedürfnissen und Interessen. Dabei wird wie der Veranstaltungskalender zeigt ein umfangreiches Themenspektrum abgedeckt. Die aktuellen Termine können auf der Homepage der GSG unter www.gsg-dortmund.de eingesehen werden.
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