Wambeler Brauer tun sich ein TuBi

Foto: Schmitz
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„Tu mir ein TuBi!“ heißt es regelmäßig in der Kleingartenanlage Am Nußbaumweg in Wambel. Dort stellen die TuBi-Brauer ihren eigenen Gerstensaft her.

Begonnen hat alles 1993: Die acht Gründer fragten sich, ob sie nicht ihr eigenes Bier brauen könnten. Anlass für die Gründung waren die Eröffnung des Wambeler Tunnels der B 236, die 1.111-Jahrfeier des Ortsteils Wambel und die 700. Wiederkehr der Erteilung des Braurechtes an die Reichsstadt Dortmund durch Kaiser Adolf von Nassau. Am 13. Februar war es so weit, die TuBi-Brauer starteten ihren ersten Versuch in einer Garage am Nußbaumweg. Nach den ersten Probeschlücken genau zwei Wochen später waren sich die Brauer einig: Unser Bier schmeckt!

Eigene Bier-Sänfte auf 1.111-Jahr-Feier

Zwei Jahre später wurde die gesamte deutsche Hausbrauer-Elite zu einem Stammtisch mit Heißluftballonfahrt, Empfang des Bürgermeisters und Besuch des Brauerei-Museums eingeladen. 1998 wurde das eigene Brauhaus in der Kleingartenanlage eingeweiht. Die TuBi-Brauer können auch auf einige öffentliche Auftritte zurückblicken. So waren sie bei der 1.111-Jahr-Feier Wambels mit einer eigene Biersänfte zu Gast. Auch engagierten sie sich sozial mit den „TuBi-Actien“. Der gesamte Erlös ging an die Aktion „Hilfe für das autistische Kind“. Neben dem Vorsitzenden Tobias Weber gibt es noch zehn weitere TuBi-Brauer, davon vier Gründungsmitglieder.
Das Bier, das die Brauer herstellen, ist nicht gefiltert und damit naturtrüb. „Dadurch ist es gesünder, auch wenn es nicht ganz so lange haltbar ist“, so Ulrich Nölle. Im Kühlhaus hält es sich aber trotzdem vier bis sechs Monate.
Beim Brauprozess erledigen der gelernte Brauer Peter Reiners und seine Freunde alles in Handarbeit. „Zunächst wird das Wasser im Maischebottich auf 52 bis 60 Grad erhitzt“, erklärt Reinhard Nehring. Dann wird beim so genannten Einmaischen das Malz dazugegeben. Bei mehreren folgenden Vorgängen werden unter anderem Jodproben vorgenommen. Zum Abmaischen wird das Gebräu in den Läuterbottich umgefüllt. Durch das folgende Abläutern entsteht die Vorderwürze. Das Gebräu wird daraufhin wieder in den gesäuberten Maischebottich gefüllt. Jetzt wird der Hopfen dazugegeben, damit Würze entsteht, und der Läuterbottich gesäubert. Zwischendurch wird mit einem Teil der Vorderwürze Hefe aufgezogen. Nachdem die Würze eineinhalb Stunden bei 100 Grad gekocht wurde, wird ein Whirlpool-Effekt erzeugt. Die Würze wird dann in die Fässer umgefüllt.
Nachdem sie auf 25 Grad abgekühlt ist, wird die Würze in den Läuter- und Gärbottich umgefüllt und die Vorderwürze mit der Hefe dazugegeben. Nachdem die überschüssige Hefe abgeschöpft wurde, wird das Jungbier in bis zu 50 Liter große Fässer umgefüllt, um anschließend etwa 25 Stunden zu gären.

„Der wichtigste Teil: Das Trinken!“

Nach zwei bis vier Wochen ist das Bier fertig. „Dann kommt der wichtigste Teil: Das Trinken“, sagt Ulrich Nölle lachend. Ganz ungefährlich ist das Brauen nicht, wie Nehring erklärt. So können beispielsweise beim Gären Gase entstehen. Dafür haben die Brauer aber ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem entwickelt, das im Notfall Warnsignale abgibt.
Das Bier kann aber auch in Flaschen gefüllt werden. „Innerhalb von 15 Sekunden ist eine Flasche voll“, erklärt Nölle. Ihren Brauraum haben sich die TuBi-Brauer passend eingerichtet. Neben liebevoll gestalteten Kacheln hängen dort auch Sprüche des TuBi-Mitglieds Günter Köster. Die gesamten Arbeiten an der Brauanlage haben die Mitglieder selbst ausgeführt.

Das TuBi-Bier wird nicht verkauft

Die TuBi-Brauer haben eine sehr hohe Erfolgsquote. In 14 Jahren ist ihnen nur einmal ein Bier nicht gelungen. „Früher sagte man: ‚Jeder siebte Sud gelingt‘. Wir hatten nur einmal Pech, als es nachts zu warm war“, so Ulrich Nölle. Gebraut wird dreimal im Jahr. Das Erzeugnis bekommen aber nur die Brauer selbst und ihre Familien zur Verköstigung. Verkauft wird das Bier nicht. Jedes Jahr holen sie sich das Braurecht vom Hauptzollamt. „Wir dürfen pro Kopf 200 Liter im Jahr steuerfrei herstellen“, so Nölle. Bis jetzt wurden von TuBi sechs obergärige Bierrezepte entwickelt, die mit diversen nationalen Auszeichnungen bedacht wurden.
Die Brauer treffen sich einmal im Monat in ihrer Privat-Brauerei. Aber auch Ausflüge gemeinsam mit den Familien stehen auf dem Programm. „Wir fahren außerdem regelmäßig zu Brauertreffen. Dort haben wir in Wettbewerben schon oft die ersten bis dritten Plätze belegt“, so TuBi-Brauer Günter Köster.

Die Brauer sind jederzeit offen für weitere Mitglieder. Infos gibt es beim Vorsitzenden Tobias Weber, Tel. 0160/8940586, oder unter www.gartenverein-am-nussbaumweg.de/#Brauerei.

Autor:

Tobias Weskamp aus Dortmund-Ost

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