Handwerkskammer Bezirk Dortmund: Im Ausbaugewerbe läuft es derzeit am besten

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Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder (links) stellte die Konjunkturumfrage im Sanitätshaus Tingelhoff in Körne, Bielefelder Straße, mit Inhaber Bernd Tingelhoff vor. (Foto: Schmitz)

Die Stimmung im Handwerk ist weiterhin sehr gut. Ein neues Rekordhoch gibt es derzeit zwar nicht, doch sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage (88 Prozent bewerten sie mit gut bzw. zufriedenstellend) als auch die Erwartung für die kommenden Monate (93 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus) sind außerordentlich gut. Dies geht aus der aktuellen Konjunktur-Umfrage der Handwerkskammer Dortmund hervor.

Besonders gut hat das Ausbaugewerbe bei der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer (HWK) abgeschnitten. Die Betriebe aus diesem Bereich beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage am positivsten: 54 Prozent halten sie für gut (gefolgt von den Handwerken für den Gewerblichen Bedarf mit 45 Prozent). Die einzelnen Konjunkturindikatoren werden von den Ausbau-Unternehmen fast durchweg besser eingeschätzt als dies im Durchschnitt des Gesamthandwerks der Fall ist.

Kammer-Präsident Berthold Schröder führt diese hervorragenden Werte zum einen auf das anhaltend niedrige Zinsniveau zurück, das die Verbraucher zu Investitionen in die eigenen Immobilien animiere, zum anderen auf Kaufkraftzuwächse, bedingt durch die positive Arbeitsmarktentwicklung, tarifliche Lohnerhöhungen und niedrige Inflationsraten. „Das alles wirkt sich sehr positiv auf die Ausbaubranche aus. Bei fast jedem fünften Betrieb liegt die Auslastung sogar über 100 Prozent. Man muss aber auch sehen, dass der zunehmende Fachkräftemangel dem durchaus entgegenwirken kann. In diversen Unternehmen gerät die Produktivität dadurch in Stocken.“

Bei den Personenbezogenen Handwerken ist die Stimmung dagegen eher gedämpft. Hier bewerten 78 Prozent ihre derzeitige Geschäftslage gut (21 Prozent) bis zufriedenstellend (57 Prozent).

„Die durchschnittliche derzeitige Auslastung bei Unternehmen aus diesem Bereich liegt bei 68 Prozent. Das ist vergleichsweise gering. Auch gab es seit Herbst 2016 tendenziell einen Rückgang bei den Beschäftigten“, so Schröder. Von gestiegenen Mitarbeiterzahlen hätten acht Prozent der Befragten berichtet, von gesunkenen indes doppelt so viele. Und der Blick auf das nächste halbe Jahr falle ähnlich aus: fünf Prozent der Betriebe rechneten mit einem Beschäftigungszuwachs, zwölf Prozent mit einem Abbau. Das wirke sich in der Konsequenz leider auch auf die Investitionsbereitschaft aus: Fast ein Viertel der Betriebe (24 Prozent) hätten bei dieser Frühjahrsumfrage angegeben, bis zum Herbst weniger Investitionen tätigen zu wollen oder können.

Vergleicht man innerhalb des Kammerbezirks die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften miteinander, ergibt sich ein recht homogenes Bild. Spitzenreiter bei der insgesamt positiven Einschätzung (gut / zufriedenstellend) der aktuellen Geschäftslage sind die KH-Bezirke Herne und Hagen, die übrigen drei – Hellweg-Lippe, Dortmund / Lünen und Ruhr – liegen marginal darunter. Die Erwartungen für das kommende halbe Jahr liegen in allen KH-Regionen bei über 90 Prozent.

Zum Kammerbezirk Dortmund gehören folgende Städte: Anröchte, Bad Sassendorf, Bergkamen, Bochum, Bönen, Breckerfeld, Dortmund, Ennepetal, Ense, Erwitte, Fröndenberg, Geseke, Gevelsberg, Hagen, Hamm, Hattingen, Herdecke,
erne, Holzwickede, Kamen, Lippetal, Lippstadt, Lünen, Möhnesee, Rüthen,
chwelm, Schwerte, Selm, Sprockhövel, Unna, Warstein, Welver, Werne, Wetter, Wickede sowie Witten.

Die Ergebnisse der Frühjahrkonjunktur stellte Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder im Sanitätshaus Tingelhoff in Körne vor. In Kooperation mit dem Bundesinnungsverband Orthopädietechnik fand nämlich parallel eine Sonderumfrage statt. Diese nahm den Stand der Digitalisierung und die Fachkräftesituation im Orthopädiehandwerk in den Fokus.

Die Entwicklung neuer Produkte und besonders individuelle Fertigungen auf der einen Seite, immer weniger Fachkräfte und sinkende Investitionsbereitschaft auf der anderen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich derzeit das Orthopädiehandwerk. Das hat eine Sonderumfrage der Handwerkskammer (HWK) Dortmund ergeben, die in Kooperation mit dem Bundesinnungsverband Orthopädietechnik durchgeführt wurde.

Unternehmer Bernd Tingelhoff, seit fast 30 Jahren erfolgreich am Markt mit seinen Sanitätshäusern in Dortmund, Kamen und Holzwickede: „Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, die wir laufend mit Investitionen realisieren. In den letzten Jahren betrug die Summe etwa 500.000 Euro in verschiedenen Unternehmensbereichen. In der Orthopädie ist das beispielsweise das berührungslose Messen für Kompressionsstrümpfe, Beratung, Bestellung und Datenübermittlung per Tablet.“

Die Schuhtechnik verwende seit längerem 3D-Fuß-Scanner für die Einlagenversorgung – die Daten würden direkt an eine CNC-Fräse gesendet und verarbeitet. Digitale Rückenscans und Bewegungsanalysen würden von Sportwissenschaftlern im Lauflabor durchgeführt. Die Abteilung Kommunikationstechnik versorge Patienten mit Augensteuerung oder Kommunikationshilfen per Tablet. „Unsere interne Kommunikation findet im Intranet statt und unser Online-Shop behauptet sich seit drei Jahren am Markt, unterstützt durch Social Media und Affiliate Marketing. Für die Kostenträger erstellen wir digitale Kostenvoranschläge und Abrechnungen“, so der Unternehmer.

In Zukunft werde man weitere Schritte gehen. Tingelhoff: „Wir streben komplett papierlose Prozesse in einem Dokumenten-Management-System (DMS) an und werden dafür die digitale Signatur einführen. Die Entwicklung bei 3D-Druckern für Orthesen oder individuelle Sitzschalen beobachten wir derzeit mit Interesse und werden, wenn die Marktreife der Systeme erreicht ist, diese Technologien in einem Projekt erproben. In einem Projekt des Fraunhofer-Instituts arbeiten wir mit anderen Akteuren an innovativen Entwicklungen."

Mit Blick auf die derzeitige Fachkräftesituation sagt er, dass man für die Nutzung der neuen Technologien top ausgebildete Fachkräfte brauche – gut vorgebildete Bewerber für die 13 Ausbildungsberufe, die es in dem Unternehmen gebe.
„Mit einer Schulpartnerschaft und dem Angebot von Betriebspraktika möchten wir junge Leute für das Handwerk begeistern und frühzeitig an den Betrieb binden. Denn nur, wenn es gelingt, das Handwerk insgesamt als attraktiven Ausbilder und Arbeitgeber zu etablieren, können wir den Fachkräftemangel meistern“, betont Tingelhoff.

Allerdings litten die Sanitätshäuser aktuell unter starkem Kostendruck, auch wegen der Ausschreibungs-Strategie einiger Kostenträger. „Fachkräfte und Auszubildende bevorzugen immer stärker die Arbeitgeber in der Industrie. Da ist die Lobbyarbeit der Betriebe und der Handwerkskammer gefragt, ebenso wie Qualifizierungsangebote, insbesondere für die neuen digitalen Technologien, die im Handwerk Anwendung finden.“
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