„Nomanslanding“ - von Sydney nach Duisburg und dann nach Glasgow

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"Nomanslanding" im Eisenbahnbassin in Ruhrort
 
Großes Interesse schon bei der Vorpräsentation
Duisburg: Eisenbahnbassin |

Im Rahmen der Ruhrtriennale zeigt Urbane Künste Ruhr die begehbare Installation im Ruhrorter Eisenbahnbassin

Darauf kann Duisburg stolz sein. Bis Anfang Mai lag „Nomanslanding“ noch im Hafenbecken von Sydney, nun in Duisburg Ruhrort bevor die Installation 2016 in Glasgow auf dem Clyde schwimmen wird.

Die Kulisse in Darling Harbour war sicher spektakulärer als das, was rund ums Eisenbahnbassin in Ruhrort zu sehen ist. Aber dieser „lost place“-Charme hat auch was, passt zur Installation. Das Gute an diesem Standort, das Fleckchen Erde mit Wasseranschluss an den Rhein wird wieder entdeckt. Schön auch, dass die Freitreppe am Hafenmund nun auch mal wieder belebt wird. Von einem Investor vor einiger Zeit gebaut, geriet sie nach seinem Verschwinden ebenso in Vergessenheit wie das Bauvorhaben.

„Nomanslanding“ haben fünf Künstler aus Australien, Schottland und den Niederlanden erdacht: Robyn Backen, Graham Eatough, Nigel Helyer, Jennifer Turpin und Andre Dekker, wobei Andre Dekker im Ruhrgebiet kein Unbekannter ist. Bereits 2013 war er mit der Künstlergruppe „Observatorium" an der Ausstellung „Emscherkunst“ mit der Architekturinstallation „Warten auf den Fluss“ beteiligt. Katja Aßmann von Urbane Künste Ruhr ist die Kuratorin für den deutschen Spielort.

Großes Interesse

Mit großem Interesse wurde der Transport und Aufbau der Installation verfolgt. Bei der Eröffnung wurde es richtig voll, viele wollten schon am ersten Tag die Installation besuchen. Wenn das Wetter mitspielt, der Sommer keine weiteren Regenkapriolen schlägt und die Installation auf Grund dessen geschlossen werden muss, dann ist „Nomanslanding“ viele Besucher zu wünschen. Es lohnt sich.

Die Installation mit einem Gesamtgewicht von 18 Tonnen schwimmt auf dem Wasser und ist von zwei schwimmenden Stegen aus zugänglich. Sie besteht aus zwei beweglichen Pattformen, auf denen zwei kuppelförmige Halbschalen stehen. Die Höhe der Kuppel beträgt 5 Meter, der Durchmesser 10 Meter. Auf jeder Seite können bis zu zwanzig Besucher Platz nehmen. Bevor die Besucher die Installation betreten dürfen, müssen sie zuerst Schwimmwesten anlegen und mit ihrer Unterschrift die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Ein Durchgang dauert ca. 30 Minuten.

Sound-Collage und Live-Gesang

Wenn jeder Platz genommen hat, beginnt die Sound-Collage. Kurzzeitig hat man das Gefühl in einer „Konzertmuschel“ zu sitzen. Aber das hier ist alles andere als gediegene Beschaulichkeit. Die Hälften nähern sich einander an, eine männliche Stimme zählt auf, welche Dinge der Soldat mit in den Krieg nimmt, ein dumpfes Dröhnen, Gefechtsgeräusche. Die Schalen schließen sich zu einer Kuppel, es ist stockfinster. Stille.
Flüsternde Stimmen, sie bitten, dass die Liebsten bei ihnen bleiben. Ein Licht wird angezündet, ein Klagelied erklingt. Es wird live gesungen, der „Flüsterdom“ hat eine bemerkenswerte Akustik. Vier Studenten der Folkwang Universität Essen (Emily Dilewski, Katharina Thienel, Sookwang Cho und Stefanie Koch) wechseln sich bei den Aufführungen ab. Der Refrain des Klageliedes wird auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Tschechisch, Türkisch und Niederländisch gesungen. Das Lied wurde extra für „Nomanslanding“ von Ben Fink und Cora Schmeiser (Musik) und von Andre Dekker und Graham Eatough (Text) komponiert.

„Nomanslanding“ soll an die Toten aller Kriege erinnern. Da sind Schmerz, Verlust, Trauer – aber da ist auch Hoffnung und das Überwinden von Grenzen, das Erreichen von neuen Ufern. Die Kuppel bleibt geschlossen, der Innenraum wird dämmrig erhellt. Die Besucher werden mit dem hoffnungsvollen Satz entlassen:
„Die Zeit ist gekommen, ans andere Ufer zu gehen. Machen Sie sich auf den Weg.“
So wechseln die Besucher die Plattform und verlassen die Installation auf der gegenüberliegenden Seite, überqueren den Steg zur anderen Uferseite. Ein im wahrsten Sinne bewegender Moment.

„Nomanslanding“, bis zum 13. September 2015, täglich von 14:00 bis 23:00 Uhr

Eintritt frei

Infos Urbane Künste Ruhr „Nomanslanding“
Infos Ruhrtriennale 2015 / Nomanslanding

Die Fotos sind bei der Vorpräsentation und bei der Eröffnung entstanden
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1 Kommentar
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 01.09.2015 | 17:15  
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