Was sind uns unsere Kinder wert? Trotz Warnstreiks verlief dritte Tarifverhandlungsrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst ergebnislos

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WA-Fotos: Kirchner

Am überaus sonnigen Donnerstag hatte ver.di, die Gewerkschaft der Sozial- und Erziehungsberufe, erneut zum Streik aufgerufen. Anlass war die dritte Tarifverhandlungsrunde in Düsseldorf. Der ganztägige Warnstreik mit dem Ziel der Aufwertung sozialer Berufe betraf dieses Mal nur Düsseldorf und Duisburg.

Die Streikenden hatten sich zunächst in den Morgenstunden vor dem Duis­burger Hauptbahnhof getroffen, um anschließend in Düsseldorf, wo auch die Tarifverhandlungen geführt wurden, zu demonstrieren. Bis 12.30 Uhr versammelten sich die Streikenden dann im DGB-Haus in Duisburg, um sich in die Streiklisten einzutragen.

Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Leitungskräfte, Kindheitspädagoginnen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger – sie alle hatten an diesem Tag von ihrem Streikrecht Gebrauch gemacht, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen: „Soziale Berufe richtig gut aufwerten. Jetzt!“
Thomas Keuer, Geschäftsführer ver.di Duisburg-Niederrhein, war zufrieden mit dem Verlauf des Tages: „Wir waren mit rund 500 Leuten aus Duisburg in Düsseldorf und haben zwei Drittel der Teilnehmer gestellt. Das ist ein richtig gutes Ergebnis.“
Demonstriert hatte man beim „Einzug der Gladiatoren, also der Arbeitgeber“, erklärte Keuer. Während man selbst aus Duisburger Sicht zehn Prozent Lohnerhöhung fordert, die durch eine bessere Eingruppierung in den Entgeltgruppen erreicht werden soll, hatten die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt.
Klaus Zelazynski (44), gelernter Erzieher und Streikleiter ver.di, bewertete den Tag auch positiv: „Es war eine gute Stimmung in Düsseldorf. Die Teilnehmer sehen den Sinn und den Bedarf der Aufwertung. Wir verspüren, dass wir weniger im Portemonnaie haben im Vergleich zu anderen Berufstätigen, beispielsweise in technischen Berufen.“

Wie Keuer sieht auch Zelazynski die Gefahr, dass Erzieher sich vielleicht eher einen Job in einer Nachbarstadt suchen. „Wer hier in der Entgeltgruppe S 6 eingestuft ist, kann in der Nachbarstadt schon S 8 bekommen“, erklärt er, der selbst im Personalrat der Stadt tätig ist. „Mir persönlich ist es wichtig, den Beruf interessant zu halten, auch für den Nachwuchs, so dass keine Versorgungslücken entstehen. Personalmangel muss ja ausgeglichen werden. Im Erziehungsbereich stößt man schon unter normalen Personalbedingungen schnell physisch und psychisch an seine Grenzen.“

Außerdem seien die Ansprüche an die Erzieher in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen, schon allein wegen der Ganztags-Betreuung. „Die Qualität der Arbeit ist wichtig. Aber die muss auch sichergestellt werden können.“
Gegen Abend erfuhren alle Beteiligten, dass auch die dritte Verhandlungsrunde ergebnislos verlief.
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