Raifura-Premiere: Mörder bis zuletzt unentdeckt

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Daniel Raifura (re.) ist Autor des neuen Bühnenstücks "Monsieur Renard und der Mord im Museum", in dessen Hauptrolle Michel Raifura (li.) zu erleben ist. Nach dem Premierenwochenende stehen bis Ende Mai noch weitere Aufführungstermine auf dem Spielplan. Foto: Brändlein

„Ich wollte nie Theater spielen!“ Hätte Michel Raifura diesen Vorsatz wahr gemacht, wären sowohl dem Publikum als auch ihm selbst jede Menge Freude und neue Erfahrungen entgangen.

In der neuen Kriminalkomödie "Monsieur Renard und der Mord im Museum" von Daniel Raifura, die am Samstag im Theater Extra vor ausverkauftem Haus Premiere feierte, mimt Michel den berühmten Meisterdetektiv Monsieur Renard auf seine ganz eigene, unnachahmliche Art und Weise.
Seit April letzten Jahres hat er sich mit dem Ensemble auf die Rolle vorbereitet. „Als erstes lerne ich den Text und versuche mich in die Person, die ich darstelle, einzufühlen“, erklärt Michel Raifura. Um ein Gefühl für die Stimmung des Stückes zu bekommen, bedient er sich auch noch anderer Hilfsmittel: „Wenn ich in einem Barockstück spiele, höre ich die ganze Zeit Barockmusik.“ Zur Vorbereitung auf die Krimikomödie, die in einem Museum in Paris spielt, waren jetzt Chansons das Mittel der Wahl.

Stück sieben Mal geändert

Aber die Person zu liefern, die der Regisseur des Stückes sich vorstellt, dazu gehört noch einiges mehr. Bei den wöchentlichen Proben wurde so dann auch fleißig daran gearbeitet, die ureigene Vorstellung des Regisseurs auszuprobieren und einzuüben. Und der Vater der Geschichte hatte ganz konkrete Ideen, wie der jeweilige Darsteller der Rolle zu agieren hatte.
„Das Stück habe ich in acht Wochen geschrieben, es während der Proben aber noch sieben Mal geändert“, erzählt Regisseur Daniel Raifura. Tipps und Anregungen der Ensemblemitglieder und der Co-Regisseurin Regina Lehmen, die die Proben begleitet und Texte mit eingelesen hat, wurden eingebaut und umgesetzt.
Raifura ist seit 2006 Mitglied im Theater Extra, hat am Anfang selbst aktiv Theater gespielt und gleichzeitig seine Kriminalromane geschrieben. Was lag da näher, als irgendwann auch Stücke fürs Theater zu schreiben und ins Regiefach zu wechseln. „als Autor für die Inhalte verantwortlich zu sein und gleichzeitig Regie zu führen, ist sehr anstrengend, hat mir dennoch viel Freude bereitet – aber auch schlaflose Nächte“, erinnert sich der Essener. Speziell vor der Premiere war an Schlaf eher nicht zu denken. „Man hat ja eine bestimmte Vorstellung von seinem Stück, aber ob das dann auch auf der Bühne so rüberkommt und das Publikum begeistert, weiß man vorher nicht.“
Die neunmonatige Probenzeit war für alle sehr spannend. Denn keiner der Darsteller wusste bis kurz vor der Premiere, wer eigentlich der Mörder ist.
„Sonst bekommen die Schauspieler ja immer das komplette Textbuch, dieses Mal aber nur Seite für Seite. Das Rätselraten war groß, aber auf die tatsächliche Auflösung ist vorher keiner gekommen“, schmunzelt Raifura.

Vorhang auf!

Die letzte halbe Stunde vor der Premiere sieht bei den beiden Raifuras ganz unterschiedlich aus. Während Michel sich an einen ruhigen Ort zurückzieht und dann, wenn der Saal sich füllt, hinter der Bühne seine Ruhe findet, fühlt Daniel sich furchtbar. „Wenn man aktiv spielt, kann man ja auf das Geschehen einen gewissen Einfluss nehmen. Aber hinter der Bühne kann man nichts machen, ist dem Geschehen eher ausgeliefert.“ Und das ist für den „Macher“ Raifura nicht gut auszuhalten. Seine Vorbereitung: eine Zigarette rauchen, ein Glas Sekt trinken und dann zitternd hinter die Bühne gehen, in der Hoffnung, dass alles gut geht.
Und dann heißt es: „Vorhang auf“ zu einer spannenden Mordermittlung, bei der viele dunkle Geheimnisse ans Licht kommen, die besser im Dunkel geblieben wären.
Fans der Krimis von Daniel Raifura können sich doppelt freuen. "Monsieur Renard und der Mord im Museum" steht auch in Romanform kurz vor der Vollendung.  Wer am Premierenwochenende keine Gelegenheit hatte, Monsieur Renard bei seinen Mordermittlungen zu unterstützen, kann dies nachholen.

Text: Doris Brändlein
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