Schutz im Kirchen-Keller

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Vor der Tour durch den ehemaligen Luftschutzbunker St. Dionysius erzählt Hans Werner Kreul etwas über die Geschichte desselben. (Foto: Winkler)
 
Auf dem Weg zum Bunker werden immer wieder Stops für Rückfragen eingelegt. (Foto: Winkler)
Essen: St. Dionysius |

Interessierte Borbecker nehmen an einer Führung durch den Luftschutzbunker St. Dionysius teil

„Und jetzt gehen wir mal rein!“ Nachdem Hans Werner Kreul schon viel über die Geschichte des Schutzbunkers unter der Dionysiuskirche erzählt hat, können sich die Zuhörer nun ein eigenes Bild der Schutzvorrichtung machen.

Der Luftschutzbunker in Borbeck unter dem Gelände der Dionysius Kirche bot in Kriegszeiten Schutz vor Luftangriffen. Heute ist er Teil der historischen Geschichte Borbecks, weswegen sich das Vorstandmitglied des kulturhistorischen Vereins, Hans Werner Kreul, vor Jahren darum kümmerte, den Bunker für Interessenten zugänglich zu machen. Er leitet die Führung durch den Bunker.
„Das ist jetzt meine fünfte Führung hier. Die Nachfrage ist riesig, deswegen weiß ich, dass sich die Mühe gelohnt hat“, erzählt der Leiter der Führung. Er hat Zugang zu dem historischen Archiv der Gemeinde Dionysius erhalten und mehrere Aufzeichnungen sowie Briefwechsel zwischen Gemeindevorstandsmitgliedern und befehlshabenden Nationalsozialisten gefunden.
Aus diesen kann man entnehmen, dass die Gemeinde nur sechs Tage nach Kriegsbeginn angewiesen wurde, einen Luftschutzraum zu errichten. Dazu sollten die Kellerräume der Kirche, die bis dahin als Abstellräume und als Hühnerstall des Pastors gedient haben, genutzt werden. Außerdem dürften keine Gottesdienste in der Dunkelheit mehr stattfinden und das Läuten der Glocken sollte unterlassen werden.

Errichtung des Luftschutzraumes

Der Pastor, der in den Briefen nur „Betriebsschutzführer“ genannt wurde, ließ die Kellerräume, die eine Betondecke haben, ausräumen und sanieren und dachte, die Ansprüche würden dadurch erfüllt.
Aus weiteren Briefwechseln kann man entnehmen dass dies jedoch nicht der Fall war. Die Räume wären zu klein, hätten keine Belüftungsanlage und keine Löschwasservorräte.
„Man muss sich mal vorstellen, das passierte alles innerhalb von zwei Monaten nach Kriegsbeginn“, betont Hans Werner Kreul.
Und dennoch war das der damaligen Regierung nicht genug. Man sollte den Luftschutzraum nach Osten und nach Westen vergrößern, damit er ungefähr 700 Menschen Schutz bieten kann.
Bis zum August 1940 wurde die Vergrößerung und zudem die Verbesserung und Sanierung verschiedener Schutzvorrichtungen und Vorräte innerhalb des Raumes fertig gestellt, und der Luftschutzraum wurde somit zum Luftschutzbunker.

Modrige Stimmung im Bunker

„Wenn wir gleich in den Bunker gehen, werden Sie sehen, dass es eng wird und wir sind nur um die 30 Leute. Ich weiß nicht, wie dort 700 Leute reingepasst haben sollen, das ist mir wirklich ein Rätsel“, erzählt der Vorsitzende des kulturhistorischen Vereins.
Und er hat Recht: Weitläufig ist es in den Bunkerräumen wirklich nicht. Eine beklemmende Atmosphäre herrscht, während die Gruppe von Borbeckern mit Taschenlampen durch die Räume gehen.
Pilze wachsen auf dem Boden, Kalkstalaktiten hängen von der Decke und überall fallen Wassertropfen auf die Köpfe der Truppe. Trotzdem der Bunker offensichtlich etwas verkommen ist, erkennt man noch alte Kabelläufe, Luftschächte und Bänke, auf denen die Schutzsuchenden saßen.

Große Nachfrage

Schon über 100 Leute hat der Leiter durch den Bunker geführt. Und es gibt weitere Interessenten, die Nachfrage ist groß. Deswegen findet am Mittwoch, 4. November, um 15 Uhr eine weitere Führung statt. Da die Teilnehmerzahl auf ungefähr 30 Leute begrenzt ist, sollte man sich unter Tel. 680604 vorzeitig anmelden.

von Rebecca Spielkamp
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