Horrorszenario der EVAG

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Die EVAG will aus Kostenersparnis auch den Weg der Buslinie 142 verändern. Sie soll nach den Plänen künftig am Gruga-Bad enden. Von dort ginge es per U-Bahn weiter.

Die von der Politik geforderten Einsparungen stoßen bei der EVAG auf wenig Gegenliebe. Wenn ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden sollen, führe dies zu Streckenschließungen.


Das Stadtsäckel ist leer und mit drastisch höheren Einnahmen ist nicht zu rechnen.
Also heißt es Sparen. Vor allem bei der Essener Verkehrsgesellschaft (Evag). Sie fuhr im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 67 Millionen Euro ein. Zu hoch findet Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve. Er möchte, dass das Verkehrsunternehmen einen zweistelligen Millionenbeitrag einspart.
Die Evag schlug angesicht dieser Zahlen zurück: Sie kündigte an, dass es dann zur Stilllegung von Strecken komme. Betroffen wären vor allem weniger frequentierte Strecken. Das trifft auch auf die Buslinie 142 zu. Sie würde nach den derzeitigen Planungen am Grugabad enden. Vor dort müssten die Besucher zum Beispiel des Krupp-Krankenhauses in die die U-Bahn umsteigen.
„Unmöglich“, findet das eine empörte Leserin. Sie muss häufiger dorthin. „Was sollen denn die Mütter mit Kinderwagen oder wir Älteren mit Rollatoren oder Rollstühlen machen“, fragt sie sich. „Der Weg von der U-Bahn-Station ist doch viel länger.“

CDU und SPD
unzufrieden

Hinter den Kulissen sehen einige Politiker aus SPD und CDU das ähnlich. „Es ist vor Streckenschließungen noch ein gewaltiges Sparpotential vorhanden“, heißt es.
Im Gegensatz zu anderen Verkehrsunternehmen verfüge die EVAG über einen zu großen „Wasserkopf“, sprich Verwaltung. „Während andere Unternehmen über 57 Prozent ihres Personals auf Straßen und Schienen bringen, waren es bei der Evag 2012 nur 45,7 Prozent.“ Zudem gäbe es acht parallele Linien in der Stadt. „Das ist unnötig und teuer. Mit einer intelligenten Netzplanung ließe sich ebenfalls Geld einsparen. Und dann könnten Ältere und junge Mütter auch bis vor das Krankenhaus mit dem Bus gebracht werden“, sind sich die Politiker sicher.
Allein könne die Evag im Wettbewerb ohnehin nicht bestehen. Der Zusammenschluss der drei VIA-Mitglieder zu einem Unternehmen sei erforderlich. „Und auch die sind eigentlich noch zu klein und müssten sich mit anderen zusammenschließen. Wer einen leistungsfähigen ÖPNV will, kommt an einem großen Unternehmen nicht vorbei.“ Doch davor schreckten etliche Politiker zurück. „Dann würden ja Posten und Pöstchen wegfallen“, monierten sie das Kirchturmsdenken in Essen und anderen Ruhrgebietsstädten.
„Die EVAG will keine Leistungseinschränkung, sondern wird das von der Stadt Essen beauftragte Leistungsangebot auch weiterhin fahren. Grundlage dafür ist der Nahverkehrsplan der Stadt Essen. Richtig ist, dass es eine politische und mediale Debatte darüber gibt, wie die Sparvorgaben des Stadtkämmerers der Stadt Essen umgesetzt werden und wo und bei welchen Sachgebieten (Sport, Kultur, Verkehr etc.) gespart werden soll“, teilte Olaf Frei, stellvertretender Pressesprecher der Evag auf Nachfrage mit.
„Ob die EVAG tatsächlich davon betroffen sein wird, ist noch völlig offen. Eine Entscheidung hierzu fällt gegebenenfalls im Rat der Stadt Essen. Die EVAG entscheidet das nicht“, so Frei. Ein Konzept zu den in der Öffentlichkeit kursierenden Einsparungen liege ihm nicht vor. „Wenden Sie sich an den Aufsichtsrat der EVAG, da nur die Mitglieder des AR Kenntnis zu den Einsparungsszenarien erhalten haben.“
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