Geschichtsrückblick zum Oberbürgermeisterwahlkampf - Franz Bracht ein Totengräber der Weimarer Republik

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Von Ende 1924 bis zum Sommer 1932 hatte der dem katholischen Zentrum angehörende Franz Bracht als Oberbürgermeister die Stadt Essen regiert. Zwar demokratisch in sein Amt gewählt, verließ er Essen als Putschist, der die SPD-Zentrums geführte preußische Landesregierung unter Kuratel der Reichskanzel stellte.
Essen: Essen-Zentrum | Es ist Oberbürgermeisterwahlkampf und trotzdem bleibt zu befürchten, dass zu viele EssenerInnen sich nicht besonders für das mögliche Ergebnis interessieren.
Die beiden fast Monopolzeitungen unserer Region versuchten das unlängst mit einem schön bebilderten doppelseitigen Geschichtsrückblick über bedeutende Vorgänger und der bisher einzigen Vorgängerin unseres derzeitigen Stadtoberhaupt Paß zu ändern. Leider wurden in diesem Oberbürgermeister-Rückblick nicht bloß recht willkürlich einzelne Persönlichkeiten wie Horst Katzor ausgelassen, sondern die fatale antidemokratische Wirkung von Oberbürgermeister Franz Bracht völlig ausgeblendet.

Neben vielen anderen früheren Ämtern hatte er als Rechtsaußen innerhalb der katholischen Zentrumpartei die Stadt Essen vom Dezember 1924 bis zum Sommer 1932 weitgehend am Stadtparlament vorbei regiert - und strebte schon lange zu höheren Weihen in der Reichsregierung.
Den negativen Gipfel seiner Macht entwickelte er jedoch als ein Hauptakteur des Preußen-Putsches vom 20. Juli 1932, dem sogenannten "Preußenschlag", mit dem das noch SPD geführte Bundesland Preußen entmachtet wurde. In den kommenden Monaten bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung im Gesamtreich im Januar 1933 wurde das größe deutsche Bundesland Preußen direkt vom Kanzleramt per Reichskommissar regiert - diese Funkion wurde an Franz Bracht delegiert, der - mit einiger Verspätung - daraufhin sein Oberbürgermeisteramt aufgab.
So ehrenwert es also für eine Zeitung sein könnte, vor der OberbürgermeisterInnenwahl am 13. September die nachrichtenarme Sommerzeit mit fundierten Rückblicken über AmtsvorgängerInnenzu füllen, so ärgerlich, wie verharmlosend bleibt dort ein Artikel über Oberbürgermeister Franz Bracht, betitelt – „Und noch ein Import aus Berlin“.

Bracht - ein Oberbürgermeister auf rechts-nationalistischer Seite

Tatsächlich war Bracht ein energisch durchsetzungsstarker Organisator in der Politik und bis heute nachwirkende Bauherr in unserer Stadt. Aber weder Essen noch Preußen machte diesem „Import beste Erfahrungen“. Zwar war Bracht zeitweilig Mitglied der katholischen Zentrumspartei, aber sein Name bleibt untrennbar mit dem folgenreichen Staatsstreich vom 20. Juli 1932 gegen das noch demokratisch regierte Preußen verbunden. Franz Bracht war – vielleicht zwar nur in der 2. Reihe – ein Totengräber der Weimarer Demokratie, der auch in seiner Essener Amtsführung eindeutig auf rechts-nationalistischen Seite stand.
Ende der zwanziger Jahre gab es gegen die gewalttätigen Ausschreitungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei oder die verbotene Aufmärsche der SA in Essen kaum Sanktionen durch die Stadt. Im Gegensatz zur Praxis anderer Ruhrstädte wurden der NSDAP in Essen regelmäßig städtische Räume zur Verfügung gestellt. Diese Ausnahme war hauptsächlich den Sympathien von Oberbürgermeister Franz Bracht geschuldet, der Sanktionen stets nur gegen KPD und SPD verhängte.

Bracht – ein effektiver Helfer zur Entmachtung der Demokratie

Essens damaliger Oberbürgermeister Franz Bracht und sein Polizeipräsident Dr. Melcher übernahmen mit dem 20. Juli 32 die Staatsgewalt in Lande Preußen. Mit Rückendeckung einer Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg setzte Reichskanzler von Papen die SPD-Zentrum geführte Regierung im damals größten Bundesland der Weimarer Republik einfach ab. Bracht der bereits 1930 zum „Geheimen Regierungsrat“ gefördert worden war, führte die „Preussenschlag“ genannte Entmachtung der Landesregierung im Namen der übergeordneten Reichsregierung aus.
Erst durch diesem „Preußenschlag“ konnte Franz Bracht zum „Reichskommissar für Preußen“ und für wenige Monate sogar zum Reichsinnenminister ernannt werde.Jetzt in Berlin nutzten Bracht und Melcher die Zeit bis zur Vereidigung Adolf Hitlers als Reichskanzler am 30. Januar 1933, um in Preußen durch sogenannte Verwaltungs-reformen in allen wesentlichen Großstädten und wichtigen Landkreisen die Korps der leitenden Polizeibeamten von republikanischen oder SPD-nahen Personen zu säubern. Dass er diese Ämter keiner demokratischen Wahl, sondern putschistischen Alleingängen der rechtsgerichteten Reichskanzler „Franz von Papen“ und „Kurt von Schleicher„ verdankt, wird freundlichst verschwiegen. Ihre Umschreibung „ 1932 zog es Bracht auf einen Ministerposten nach Berlin“ lässt diese anti-demokratischen Umstände völlig außer acht.
Wäre Franz Bracht nicht Ende 1933 einer Herzkrankheit erlegen, hätte ihm sicher auch unter einem Reichskanzler Adolf Hitler noch eine weitere interessante Karriere bevorgestanden.
Walter Wandtke
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