Thea Hjelmeland – magische Klangwelten in Düsseldorf

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(Foto: (c) Vegard Fimland)
Düsseldorf: KIT - Kunst im Tunnel | Wer sich schon einmal mit skandinavischer Musik befasst hat weiß, wie viele unglaubliche Künstler es oben im hohen Norden gibt. Thea Hjelmeland ist definitiv ein Diamant unter ihnen. In Deutschland ist die norwegische Singer/Songwriterin noch recht unbekannt, denn gerade erst am 22.11.2013 veröffentlichte sie ihr bereits letztes Jahr in Norwegen erschienenes Debütalbum Oh, The Third.. Letzten Donnerstag, den 12.12.2013, war sie zu Gast in Düsseldorf, im KIT Café am Mannesmannufer.

Dank des einladenden Ambientes und des wunderbaren Ausblicks auf den Rhein machte sich bereits vor Beginn des Konzerts ein warmes, wohliges Gefühl breit. Gegen 20:30 Uhr war es dann soweit, Thea betrat die, zugegebenermaßen nicht wirklich vorhandene, Bühne. Sie saß auf einem Stuhl, umgeben von ihren zahlreichen Saiteninstrumenten, die ihre einzige Begleitung bildeten.

In ihrem funkelnden grünen Kleid wirkte sie wie eine Elfe und so begann sie auch ihr Set. Mit dem Song Age hatte sie mich letztes Jahr schon direkt in ihren Bann gezogen (sie war Support Act des norwegischen Loop-Station-Soulkings, Jarle Bernhoft, der auch ihr Album produzierte). Einfach erstaunlich, wie ihre Stimme zunächst sanft durch höhere Lagen gleitet und dann in der Strophe behutsam in eine tiefere Lage hinabtaucht. Aber Thea kann auch anders. Bei Ladies zum Beispiel, spielt sie ihre volle Dynamik aus, wird laut, gar kantig und ab und zu entgleiten ihr scheinbar ein paar Töne höherer Frequenz. Da diese jedoch absolut gewollt und kontrolliert sind, ist das Publikum sichtlich fasziniert, teilweise auch amüsiert. Nach Ende jedes Liedes ist es erstmal ein paar Sekunden still, da niemand auch nur einen Ton verpassen möchte. Während der Performance von Perfume geht ein Glas am Tresen zu Bruch (aber nicht wegen Theas Gesang), doch die junge Norwegerin bringt das nicht aus der Ruhe, sie lacht mit allen mit. Auch sonst gibt sie sich sehr sympathisch und erzählt Geschichten zu ihren Liedern. Zu dem Klagelied In This Town hat sie zum Beispiel eine alte Frau im Rollstuhl inspiriert, die plötzlich in Theas kleinem Heimatdorf auftauchte, jedoch weder Norwegisch noch Englisch sprach und niemand wusste, woher sie eigentlich gekommen war.

Nach knapp einer Stunde, als die Künstlerin sich verabschiedet, wird direkt eine Zugabe gefordert. Zunächst erklärt sie, dass es sich um ein norwegisches Volkslied handelt, in dem es um ein Lamm und einen Wolf geht. Nach dieser Ansage braucht sie allerdings ihr Mikrofon nicht mehr. Unplugged und a cappella erfüllt ihre Stimme das gesamte Café und verzaubert das Publikum noch mehr, sodass auch eine zweite Zugabe her muss. Dafür benötigt Thea ihre Loop Station, die sie vorher schon für einige Lieder eingesetzt hatte. Diesmal ist es ein schwedisches Weihnachtslied (allerdings auf Norwegisch) und das hat es in sich. Nur mit ihrer Stimme und der Loop Station erzeugt Thea eine Klanglandschaft die auch aus einem Film Soundtrack hätte stammen können und schreitet grazil mit ihrem Gesang hindurch. So lässt sie das Düsseldorfer Publikum hypnotisiert und berührt zurück.

Stilistisch entzieht sich Theas Musik jeglicher Genre-Schubladen, da jeder Song seine eigene Persönlichkeit besitzt. Man muss es sich mit eigenen Ohren anhören. Für mich ist sie eine eigenwillige Geschichtenerzählerin, die durch ihre Emotionalität überzeugt und einnimmt.
Hoffentlich beehrt sie Deutschland bald wieder, denn so eine Künstlerin sieht man wirklich nicht alle Tage.

Hier zwei kleine Eindrücke in Videoform (leider nicht vom Konzert, da war ich zu konzentriert zum Filmen)

Age


It's Too Late
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