Erleuchtete Grüße aus Hamburg

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Über 30 Jahre war Dieter Bednarz der Nahostexperte nicht nur des Spiegels. Sein Rat wurde häufig nachgefragt.
 
Das zweite Mal großes Glück hatte Dieter Bednarz am 14. Oktober 1998. An jenem Tag lernte er die Hamburger Rechtsanwältin Esther Göttling kennen – und lieben.
Das Schuljahr geht zu Ende, der Stresspegel senkt sich bei mir allmählich. Man kann sich wieder Zeit zum Lesen nehmen, zum Lesen von leichter Kost. Meine Frau hat mir die Entscheidung abgenommen und ein strahlend gelbes Buch gekauft. Sein Titel: Schwer erleuchtet. Von Dieter Bednarz! Mein alter Schulkamerad hat mal wieder zugeschlagen und sein mittlerweile fünftes Buch veröffentlicht. Sein neues Buch ist keine schwere Kost, wie ich feststellen konnte. Doch zum Inhalt des Buches später. Zunächst stelle ich den Menschen, Journalisten und Autor Dieter Bednarz vor.

Geboren wurde er 1956 in Bochum, aber aufgewachsen ist er in Rüttenscheid, Stadtwald und Bredeney. Wir lernten uns auf dem Helmholtz-Gymnasium in Rüttenscheid kennen. Gemeinsam belegten wir den Geschichte Leistungskurs beim späteren Rektor Schmidt. Wie es in den 1970er Jahren üblich war, hatten die meisten von uns schon eine grundlegende politische Haltung unterschiedlichster Couleur, die z.T. auch sehr vehement vertreten wurde.Dafür gab es aber gute Kontakte zur WAZ. Dieter und andere hatten das Glück, noch während der Schulzeit eine Art Praktikum in verschiedenen Lokalredaktionen absolvieren zu dürfen. Damit war für meinen Schulkollegen die journalistische Laufbahn geebnet.

Nach dem Abitur folgte das Volontariat bei der WAZ-Lokalredaktion Wattenscheid. Für erfolgreich initiierte Leser-Blatt-Bindung-Aktionen machte der damalige, unvergessene Chefredakteur Siegfried Maruhn ihn vorzeitig zum Lokalredakteur in Bottrop; später förderte er auch seine Akkreditierung als WAZ-Korrespondent in Jerusalem. Dann kam 1979 der Ersatzdienst für die Berliner „Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste“ in Jerusalem. In deren Landeszentrale ging es nicht nur um die Betreuung unterschiedlicher Besuchergruppen, sondern er musste auch Toiletten und Duschen reinigen. Aus dieser Zeit stammen seine ersten beiden Bücher „Palästina-Protokolle – Bestandsaufnahme und Perspektive“ und „Blick zurück ohne Hass – Juden aus Israel erinnern sich an Deutschland“ aus dem Jahre 1981.

Im Herbst 1981 begann Dieter Bednarz beim Spiegel im Düsseldorfer Landesbüro. Nach drei Jahren in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wechselte er in die Zentrale nach Hamburg, wo er sich in den Jahrzehnten danach als Nahost-Experte einen sehr guten Ruf erarbeitete. Drei Jahre lang war Nahost-Korrespondent für den Spiegel in Kairo. Es waren ereignisreiche Jahre. Dieter Bednarz Arbeitszeit läuft allmählich beim Spiegel aus. Nun kann er als Autor reichlich Interessantes abseits der Politik veröffentlichen.

Der „späte Vater“ Dieter Bednarz verarbeitete seine Erfahrungen mit seinem Nachwuchs in dem Roman „Überleben an der Wickelfront – Vom Elternglück in den besten Jahren“. Dieses Literaturwerk fand eine große Beachtung in Deutschland und wurde sogar mit Uwe Ochsenknecht in der Hauptrolle verfilmt. Ein Nachfolgeroman befasste sich mit der Zeit nach der Wickelfront.

Nun zum aktuellen Buch des bekennenden Ruhrpöttlers, trotz der langen Zeit in Hamburg. Die Rechtsanwältin Maya Meyerding und der TV-Journalist Daniel Plötner wollen eine Ayurveda-Kur auf Sri Lanka durchziehen: Ein wenig entgiften, zur Ruhe kommen, wieder zueinander finden. Doch dann lernen sie Mönch Siri kennen und nicht nur ihr Urlaub nimmt einen ganz anderen Verlauf, sondern auch ihr Leben in Hamburg. Denn kurz nach ihrer Rückkehr steht der Mann in Orange bei ihnen vor der Tür. Und weil der Mönch bei dem jungen Paar einzieht, steht Maya ein halbes Jahr nach ihrer Hochzeit vor den Trümmern ihrer Ehe und Daniel vor der Erleuchtung.

Doch auch für die beiden gilt, was Buddha schon vor über 2500 Jahren erkannte: „Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist zu erwachen – diese Zeit ist jetzt.“ Und so führt Mönch Siri das Paar unfreiwillig auf den langen Weg zur Erleuchtung. Der Mönch ist los und das Nirwana nahe, selbst für ganz harte Jungs auf St. Pauli. Denn auch sie lehrt Mönch Siri: „Frieden einatmen, Liebe ausatmen.“

Trotz der 400 Seiten ist der Roman eine kurzweilige und unterhaltsame Erzählung des Zusammenpralls zweier höchst unterschiedlicher Kulturen: Buddhismus vs. Kapitalismus. Die Presse hat schon Rezensionen veröffentlicht, die voll des Lobes sind wie z.B. das Hamburger Abendblatt: „Ein Grundkurs in Buddhismus, verpackt in einen vergnüglichen Hamburg-Roman“. Das große norddeutsche Regionalblatt lobte den augenzwinkernd-heiteren Roman wegen seiner vielen klugen Einsichten über das Festhalten und Loslassen, über das Haben-wollen und Nicht-bekommen-können, über Achtsamkeit und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.

Wer skurrile und unterhaltsame Urlaubslektüre liebt, der sollte sich das Buch auf jeden Fall in die Reisetasche legen und am Urlaubsort lesen.
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