60 Jahre Schulentlassung der Heckerschule – Ehemalige erinnern sich

60 Jahre nach der Schul-Entlassung kamen die Ehemaligen der Heckerschule zusammen.
  • 60 Jahre nach der Schul-Entlassung kamen die Ehemaligen der Heckerschule zusammen.
  • hochgeladen von Daniel Henschke

„Die Idee hatte der Willi, nachdem ihm sein Zeugnis in die Hand gefallen ist!“ Hildegard Günther und Dieter Keller haben die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Truppe zusammen zu halten. Hildegard, geborene Führer, muss schmunzeln: „Der Dieter hat die Connections und ich führe die Listen.“

Seit den 80ern treffen sie sich regelmäßig, die Schulabgänger der Heckerschule des Jahres 1954. Immer am 1. November in den Domstuben: „Das ist unser fixer Termin!“
Doch diesmal ist alles anders, weil Willi Heimann auffiel, dass ein großes Jubiläum ansteht. Seit der Entlassung am 30. März 1954 – da träumte in Deutschland bestimmt noch keiner vom „Wunder von Bern“, sind nun fast 60 Jahre vergangen!
Ein Termin wurde gesucht und gefunden, die Villa Vue oberhalb Werdens als idealer „Tagungsort“ ausgeguckt. Die Reihen waren gut gefüllt, immerhin 19 Ehemalige trafen sich, mit Anhang war es eine 32-köpfige Feiergemeinde.
Ursprünglich waren es sogar 75 Schüler im Jahrgang gewesen, doch einige hatten wohl keine Lust auf Treffen, einige sind schon gestorben. Besonders makaber die Geschichte von Günther Hassel: „Der war ein lustiger Kauz, hatte nachher eine Kneipe in Wuppertal, dort haben wir auch einmal gefeiert. Und der Günther kam immer zu spät.“
So machte man sich keine Sorgen, als er wieder nicht pünktlich war. Doch er kam gar nicht, das war ungewöhnlich. Die Tochter bestätigte die traurige Vermutung: am Morgen des Klassentreffens sei der Vater tot aufgefunden worden.

Rektor Dr. Thun und sein Dackel Waldi

Doch die Erschienen feierten natürlich ein freudiges Wiedersehen, immer wieder gerne erzählte Anekdoten kamen auf den Tisch, der „Lehrkörper“ und seine Besonderheiten. Da gab es Lehrer Töpfer, Fräulein Stecher sah mit ihrem strengen Haarknoten nur böse aus, war eine ganz Liebe. Ein Klasse-Lehrer war der Bockemühl. Rektor Dr. Thun hatte ein steifes Bein, kam immer mit Regenschirm und Waldi, seinem Dackel.
Der Unterricht folgte einer strengen Zeremonie: erst wurde „Lobet den Herren“ gesungen und dann holte Dr. Thun die Post. Die Kinder rechneten ihre Aufgaben, während der gute Mann sich eine Stunde lang in Seelenruhe seine Briefe durchlas.
Im Musikunterricht wurde gesungen. Und gesungen. Wehe, einer traf den Ton nicht. Dann musste er die Hand aufs Pult legen und der Lehrer knallte mit dem Geigenbogen auf die Finger: „Das zwirbelte!“
Lehrer Hübner schwärmte für Heimatkunde, besonders der Neandertaler hatte es ihm angetan, wobei den Schülern auffiel, dass die Schädelform des Lehrers durchaus Ähnlichkeit mit dem Neandertaler aufwies…
Direkt nach dem Krieg war Knapsen angesagt, Tinte und Tintenfässer, Schiefertafeln waren Mangelware: „Da war ja nix normal – die Bezugsscheine halfen da auch kaum weiter, erst ab der ‚Währung‘ ging es bergauf!“ Bloß, woher einen Schultornister nehmen? Wer Glück hatte, konnte einen vom Cousin „erben“…
Die Klassen waren so groß, dass in Schichten unterrichtet werden musste, manchmal aber war urplötzlich schulfrei: „Dann fehlte es an Heizkohle, die Räume waren eiskalt, an Unterricht war da nicht zu denken.“ Überhaupt war der Umfang des Gelernten überschaubar, außer Auswendiglernen, Lesen und Schreiben kam da wenig: „Algebra? Geometrie? Fehlanzeige! Aber Rechnen, das konnten wir!“
Immerhin: Nachmittags gab es ab dem fünften Schuljahr freiwilligen Englischunterricht, da haben viele Heckerschüler dran teilgenommen. Ab und zu gab es Spannendes über Rennfahrer oder ferne Länder. Und Dieter Keller erinnert sich, dass am „Tag des Baums“ auf dem Brehm entsprechende Bäume gepflanzt wurden. Dann kam das junge Fräulein Heske frisch von der Akademie, seitdem gab es auch Sportunterricht.

Schul-Entlassung am 30. März 1954

Die Entlassung rückte näher, die Schuljahre endeten damals zu Ostern. „Was soll ich werden?“ Das war die große Frage, der „Lehrstellenmarkt“ doch höchst überschaubar. Eines Tages kam die Berufsberatung in die Schule. Geholfen hat sie wenig, denn für „Luftschlösser“ waren die Zeiten schlecht: „Es ging eher ums Überleben, also was Handfestes arbeiten!“ Einige gingen später aufs Gymnasium.
Dann kamen der 30. März und die Zeugnisse, die Jugendlichen aus Werden und Werden-Land gingen auseinander. Aber nicht für immer - man trifft sich ja weiterhin.
Immer am 1. November. In den Domstuben.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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