Einen Tag lang Bibliothekarin

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Sichtlich Spaß machte auch das Einbuchen der Bücher mit modernen Techniken. Fotos: Debus-Gohl
 
Wie Bücher im System erfasst werden zeigt mir Andrea Langner in ihrem Büro.

Praktikumsserie: West Anzeiger-Reporterin schaute in der Stadtteilbibliothek Frohnhausen vorbei

Lange Bücherreihen lachen mich durch große Fensterscheiben an. Ordentlich in Reih und Glied gestellt warten sie neben Sitzplätzen und einer gemütlichen Couch auf kleine und große Leser. Noch liegt sie ruhig da, die Stadtteilbibliothek Frohnhausen in der Sybelstraße. Doch der Ansturm beginnt keine Stunde später.


Freundlich begrüßt werde ich von Assistentin Stephanie Johannsen und Bibliothekarin Andrea Langner. Letztere führt mich sodann durch die Bibliothek, erklärt mir, wo ich welche Kinderbücher, Krimis, Hörbücher und Biographien finde. Alles alphabetisch, denke ich mir, doch bevor es an die einzelnen Buchstaben geht, wird nach Kategorien sortiert. "Das ist für den Leser ansprechender", klärt Andrea Langner mich auf und zeigt mir dann noch die Unterschiede zwischen den Rubriken Gesundheit & Fitness, Medizin und Bewusst leben. Wie ordentlich, stelle ich bewundernd fest, im Hinterkopf an die vielen Stunden denkend, die ich suchend in Universitätsbibliotheken verbracht habe.

Etatfreigabe lässt auf sich warten


Bis zur Öffnung der Bibliothek bleibt uns noch ein wenig Zeit, die wir nutzen, um uns bei einem Kaffee im Büro zu unterhalten. Andrea Langner erklärt mir Verwaltungstechnisches – wie funktioniert der Betrieb in der Frohnhausener Bibliothek? "Jede Stadtteilbibliothek bekommt einen Etat", erzählt die 55-Jährige, "abhängig von verschiedenen Faktoren wie Ausleih- oder Besucherzahlen. Leider haben wir den für dieses Jahr noch nicht, daher können wir noch keine neuen Medien bestellen." Mitte März und noch kein Geld für 2017? Andrea Langner verneint. "Wir bekommen jedoch stets viele Bücherspenden unserer Leser, da sind oft noch neuwertige Exemplare dabei." Um die kümmern wir uns als nächstes. Im Infopoint ein Zimmer weiter stapeln sich die Wälzer im Regal bis zur Decke. "Sortiert werden die Bücher jetzt in drei Kategorien", zeigt die Bibliothekarin auf, "welche, die wir im Erstbestand haben und überprüfen, ob wir sie in den Zweitbestand nehmen" – sie wedelt mit einem 850 Seiten-Gablé-Schinken – "welche, die weg kommen" – ein vergilbter Konsalik landet im oberen Fach – "und welche, die wir gut auf unserem Flohmarkt verkaufen können" – auf den Stapel kommen vor allem begehrte zeitgenössische Thriller- und Krimiautoren wie Chris Carter oder Henning Mankell. Der Bücherflohmarkt ist sowieso eine tolle Sache: alle Bücher werden zu 50 Cent verkauft, weit unter Wert, betrachtet man die fast neu aussehenen Cover. "Dadurch kriegen wir Extra-Einnahmen", freut sich Andrea Langner, "da macht's einfach die Menge."
Dass das Konzept zieht, lerne ich bei meiner nächsten Station: mehrere Bibliotheksbesucher legen neben auszuleihenden Büchern Lektüre vom Flohmarkt mit auf den Tisch an der Kasse. Hatte ich mich im Vorfeld darauf gefreut, einmal wild mit der Scannerpistole zu piepsen und Barcodes zu scannen, werde ich von der modernen Technik der Bibliothek überrascht. RFIDs oder auch radio-frequency identification-Schilder sind im Buch angebracht und verbinden sich automatisch mit dem Computer, sobald sie auf die RFID-Empfängerplatte gelegt werden, die versteckt unter der Tischplatte schwebt. Das Ausleihsystem verstehe ich dementsprechend relativ schnell und gebe bald schon stolz Kunden ihr eingebuchtes Lesefutter für die nächsten vier Wochen entgegen.

Extra-Einnahmen durch Bücherflohmarkt


Später sortiere ich zurückgebrachte Bücher zurück in ihre Regale und stoße auf eine Gruppe Schüler mit Lehrern. "Die Schülerschule ist jeden Montag- und Donnerstagnachmittag bei uns", erzählt die Bibliothekarin, die früher in der Stadtteilbibliothek Borbeck gearbeitet hat. Überhaupt sei nachmittags viel los in der Frohnhauser Bücherstätte. "Die Bibliothek wird immer mehr zum Treffpunkt", freut sich Andrea Langner und erzählt, dass beinah jeden Nachmittag Kinder nach der Schule die Bibliothek zum gemeinsamen Spielen, Lesen und Lernen nutzen. Dafür sei eine Bibliothek auch da, findet Bücherhüterin Andrea Langner, "nichts mit psst, psst. Bibliothek ist ein Ort voller Leben geworden."

Stadtteiltreffpunkt Bibliothek


Damit das auch so bleibt, wird vermehrt auf die jungen Leser zugegangen. So wird im Sommer wieder ein Junior Lese Club für Grundschüler veranstaltet, bei dem die Kinder Stempel für gelesene Bücher sammeln können. Und immer wieder mittwochs wird seit der letzten Woche um 15.30 Uhr Kindern ab fünf Jahren in der Bibliothek vorgelesen. Eine der beiden ehrenamtlichen Vorleserinnen treffe ich kurz vor Ende meines Mini-Praktikums. Von Andrea Langner, die fast alle Leser mit Namen begrüßt, holt sie sich noch schnell einen Tipp gegen krächzende Stimme. "Ingwertee", sind sich beide einig, helfe am besten, "aus einer frischen Knolle." Doch wie den Tee am Mittwoch herschaffen, ohne dass er kalt wird? "Dann schneiden wir die Knollen einfach hier", schlägt Andrea Langner vor und lacht, so wie sie es den ganzen Tag tut.

Geöffnet


Die Öffnungszeiten der Stadtteilbibliothek Frohnhausen lauten wie folgt:
Montag: 14.30 bis 18.30 Uhr
Dienstag: 10 bis 16.30 Uhr
Mittwoch: 10 bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 14.30 bis 18.30 Uhr
Freitag: 10 bis 16.30 Uhr
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