Gerettet

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Das vierjährige Flüchtlingskind Aldea strahlt. Sie ist glücklich mit ihrem leeren Puppenwagen. Fotos: Schattberg
 
Sportler machen nicht viel Worte, sondern Taten. Sascha Mielewczyk, (re.)Jugendwart SC Phönix Essen, trainiert die Handball E- Jugend. Er gibt den Flüchtlingskindern, die nebenan im Gebäude wohnen, die Möglichkeit, mit seiner Gruppe zu trainieren. Viele kommen. Es klappt - auch ohne Sprache. Tusem Essen spendete einige Trikots. Li. Phönix-Betreuer Ralf Brand.
Flüchtlinge in Frohnhausen - Handballer handelten!

Diese Geschichte ist kein Thriller. Oder? Doch für 59 Flüchtlinge, teilweise tausende Kilometer gereist, ist Essen-Frohnhausen seit Juli die Oase. Sie wohnen seit Wochen im ehemaligen Handballleistungszentrum Raumerstraße. Auch Kinder. Die freuen sich immer auf mittwochs. Denn im Gebäude gegenüber treffen sich dann nachmittags junge Sportler. Ruck zuck – ohne viele Worte, schritten die zur Tat…

Sascha Mielewczyk, Jugendwart SC Phönix Essen, trainiert die Handball E Jugend. „Nachdem ich erfuhr, dass die Verantwortlichen im Essener Rathaus das Handballleistungszentrum für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt, entschloss ich mich, dieser Unterkunft einen „Besuch“ abzustatten. Da ich in der benachbarten Sporthalle die Handball E Jugend trainiere, wollte ich den Flüchtlingskindern die Möglichkeit bieten, mit uns zu trainieren.“

So unkompliziert sind Sportler. Denn seit ein paar Wochen trainieren jetzt regelmäßig eine Handvoll Flüchtlingskinder mit, oft auch mehr. „Unsere Spieler im Verein nahmen die Neuankömmlinge jedenfalls sehr gut auf. Tusem Essen spendete einige Trikots. Die Verständigung wird von Woche zu Woche besser. Der Umgang der Kinder untereinander zeigt mir in jeder Trainingseinheit, wie man ohne Vorurteile und Berührungsangst mit dieser für alle neue Situation umgehen kann. Ein „Aber“ gibt es in unserer Mannschaft nicht. Darauf bin ich sehr stolz.“

Mit Recht. Sport zieht an. Immer wieder kommen während des Spiels Flüchtlingskinder leise in die Halle, lugen vorsichtig rein. Auch ein Albaner, Vater von drei Kindern. Die Jüngste schiebt stolz ihren leeren Puppenwagen vor sich. Ein Foto? Der Vater ist bereit. Die Kleinere auch. Doch als die ältere Tochter die Kamera sieht, rennt sie ängstlich weg…

Sonja Ravagni, Caritas-Einrichtungsbetreuerin, bestätigt: „Wir haben in der Raumerstraße 61, Flüchtlinge u. a. aus Syrien, Irak, Iran, Albanien, Kosovo, Serbien Das Haus ist wie eine Jugendherberge aufgeteilt. Mit Vollverpflegung. Hier wohnten früher die Jugendlichen vom Handballleistungszentrum.“

Wie lange bleiben die Asylanten in Frohnhausen?“ Das weiß keiner so genau. Sie stehen alle im Verfahren. Viele engagieren sich hier ehrenamtlich. Es werden täglich mehr“, bestätigt Kristin Heinrichs. „Leute kommen mit Spenden vorbei. Fragen, wie sie helfen können.“ Samet Diljaj, Caritas-Einrichtungsbetreuer, gebürtiger Jugoslawe, ist ein wahres Juwel für alle mit seiner Viel-Sprachenkenntnis. Somit Dolmetscher an allen Fronten.
Ihre Gesichter strahlen. „Wir freuen uns, dass in Frohnhausen alles so gut angenommen wird. Erhalten starke Unterstützung von der Caritas, denn wir möchten, dass es den Flüchtlingen hier gut geht. Unsere Bitte: Spenden bitte in der Kleiderkammer, St. Elisabeth, abgeben.“

Klar - sie suchen immer Menschen, die ehrenamtlich Spaß haben, den Neuankömmlingen den Arzt, die Apotheke, Schulen, Kindergärten und mehr von Essen zu zeigen.

Achtung: Als einige Helferinnen hören, dass die Ehrenamtlichen in Frohnhausen täglich mehr werden, schlagen sie vor: Wenn man für 59 Flüchtlinge 59 Ehrenamtliche zusammen bekäme, könnte jede Person als Pate fungieren; sich vielleicht ein, zwei Stunden intensiv um die Person kümmern. Damit sie nicht mehr sprachlos, fremd bleiben!
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3 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 11.09.2015 | 20:59  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 13.09.2015 | 11:30  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 13.09.2015 | 20:11  
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