Eisenbahnbrücke in Ückendorf wird abgerissen

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Die Pfeiler wie der rechts auf dem Foto zu sehende, sollten erhalten werden, wenn es nach Dr. Lutz Heidemann geht. Auch die geschwungene Metallkontruktion der Brücke selbst ist ein Zeichen der Eisengeschichte der Stadt. Foto: Gerd Kaemper

Wenn an diesem Wochenende die Eisenbahnbrücke an der Ückendorfer Straße abgerissen wird, geht wieder ein Stück Stadtgeschichte verloren. Doch anders als in den 70er Jahren als Geschichtsbewusstsein als eine Art Rückständigkeit bewertet wurde, denkt man heute über den Erhalt von historischen Bauwerken und Relikten nach, um sie für nachfolgende Generationen lebendig zu erhalten.

Was die Modernung der 70er überlebt hat

Gelsenkirchen hat, den 70ern zum Trotz, noch einiges an geschichtlichen Bauwerken und Überbleibseln zu bieten. Und auf so manches Historische kann man in Gelsenkirchen auch durchaus stolz sein.

Die Eisenbahngeschichte begann im Dorf Gelsenkirchen

So etwa die Tatsache, dass Gelsenkirchen, noch zu seinen Zeiten als Dorf, bereits an die Eisenbahnstrecke angeschlossen war, als andere noch weit entfernt davon waren. Das beschreibt der Gelsenkirchener Historiker Lutz Heidemann in der Reihe „denkmal“, einer Broschürenreihe, die die Stadt 1999 herausgegeben hat, in dem Heft „Industriedenkmäler“ so: „1847 erhielt das Dorf Gelsenkirchen - noch vor Essen und Bochum - einen Eisenbahnanschluss.“
Darauf ist der frühere Architekt, Stadtplaner, Baubeamte und Denkmalpfleger auch heute noch sehr stolz. „Die Infrastruktur ist eine abstrakte Sache, aber sie war ausschlaggebend für die Industriealisierung. Nur durch neue Wege der Fortbewegung, wie Straßen und Eisenbahnschienen statt Feldwegen konnte die geförderte Kohle auch dorthin gebracht werden, wo sie gebraucht wurde“, erläutert Heidemann.

Brücken können kleine Kunstwerke sein

Er bedauert, dass Brücken wie die an der Ückendorfer Straße für uns ganz alltäglich sind und nicht mehr als diese Besonderheiten wahrgenommen werden, die sie eigentlich sind.
Ganz besonders schmerzt es ihn, dass diese Brücke nun abgetragen wird. Denn „1847 nahm als erste Fernstrecke die Köln-Mindener Eisenbahn ihren Betrieb auf. Vom Dorfkern Gelsenkirchens wurde eine Verbindungsstraße zum Bahnhof angelegt und die Zechen bauten sich Anschlussgleise“, wie es in dem Heft „Industriedenkmäler“ heißt.
„Zu der Zeit hatte die Eisenbahn noch eine etwas andere Streckenführung. Als dann eine Straße als Nord-Süd-Verbindung gebaut werden sollte, entstand die Idee eine Brücke zu bauen mit zwei Eisenbahngleisen, die über der neuen Straße herführt“. erklärt Dr. Heidemann.

Eisenbahn und Brücke sind Teil der Stadt-Geschichte

Und gerade darum weiß der Denkmalpfleger, dass der Gelsenkirchener bestens vertraut ist mit dem Bauwerk und er in Gelsenkirchen kein anderes Beispiel dieser Art kennt:„Die Eisenbahn war eine wirklich enorme Sache für die Stadt“.
Ähnlich wie Ullrich Tyrichter, der als Streiter für den Erhalt von Geschichte in Gelsenkirchen an vielen Fronten aktiv ist, sieht Dr. Lutz Heidemann dem Erhalt der Trägersäulen der Eisenbrücke als wichtig an.
„Man könnte vier der Stahlträger erhalten und auf dem Gelände des ehemaligen Schalker Vereins als eine Art Pergola aufbauen, zur bleibenden Erinnerung und Nutzung“, regt der Denkmalpfleger an.

Brückenpfeiler zur Erinnerung an die Eisen-Geschichte

Damit könnte aus seiner Sicht eine ähnliche, wenn auch sehr viel kleinere, Landmarke entstehen, wie sie die Zechentürme von Consol in Bismarck und Zeche Hugo in Buer darstellen.
„Die Zechentürme sind ein Zeugnis der Bergbaugeschichte in Gelsenkirchen und als solche weithin sichtbar. Die Stahlträger könnten in einer neuen Funktion ein Zeugnis der Eisengeschichte in Gelsenkirchen ablegen“, erklärt der Denkmalpfleger Heidemann.
Ullrich Tyrichter ist aktiv in der Kulturinitiative Stadtkulturerbe Gelsenkirchen, der Fotogruppe Industriekinder und weiterer privater Zusammenschlüsse, die sich mit dem Erhalt geschichtsträchtiger Bauwerke, Kleinode und mehr einsetzen.

Ein industriegeschichtlicher Skulpturenpark

Auch der umtriebige Gelsenkirchener hatte die Idee, eine der Säulen zu retten und anderer Stelle zu präsentieren. „Vielleicht könnte aus vielen solcher Relikte eine Art industriegeschichtlicher Skulpturenpark entstehen“, regt Tyrichter an.

Ein Stadtkonservator muss her

Ansonsten wünscht sich der an der Industriegeschichte interessierte Gelsenkirchener die Einrichtung der Funktion eines Stadt-Konservators oder Stadt-Archäologen, der einen Blick auf solche alten Schätze hat. „Damit wäre sicher gestellt, dass die Initiative von der Stadt ausgeht und nicht nur immer von Privatleuten“, dabei denkt er nicht zuletzt an den Erhalt des südlichen Maschinenhauses und des Doppelstreb-Förderturmes auf Consol, den Schacht 2 von Hugo oder auch das Schloss Horst.

Es tut sich was in Sachen Geschichtsbewusstsein

Und auch wenn er wahrlich nicht zufrieden ist, mit dem was sich in Sachen Erhalt des historischen Erbes in der Stadt tut, so konnte er über seine Jahre in Gelsenkirchen doch feststellen: „Es tut sich was im Geschichtsbewusstsein.“

Infos über die Geschichte des Schalker Verein auf der Seite Route Industriekultur:

Tolle Fotos vom ehemaligen Schalker Verein sieht man hier:
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1 Kommentar
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Horst Hetberg aus Gelsenkirchen | 27.04.2013 | 00:33  
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