„Lost“ muss nicht das Ende sein

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Für Ahang Nakhaei ist „lost“ "wie der Gang von einer Stufe zu einer Anderen. Ich gewinne meine Freiheit, oder ich verliere sie." Foto: Gerd Kaemper
 
Die Werke des Initiators Helmut Warnke wirken düster und suggerieren Einsamkeit und doch erklärt der Gelsenkirchener: „lost muss nicht das Ende sein, es steht auch für eine Wiedergeburt.“ Helmut Warnke zeigt Werke seine Reihe "Evas Weg", die zu "lost" passen und auch spezielle "lost"-Werke.Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Kutschenwerkstatt |

Das englische Wort „lost“ suggeriert Verlust, Untergang, Verirrung,Vermissen, Aussterben oder auch Aussichtslosigkeit. Doch die gleichnamige Ausstellung, die am heutigen Samstag, 30. April, um 18 Uhr feierlich eröffnet wird, zeigt, dass der Verlust auch für einen Neuanfang stehen kann.

Die Location passt zum Ausstellungs-Thema


Dabei haben die internationalen Künstler um den Gelsenkirchener Helmut Warnke bei der Wahl ihrer Ausstellungs-Location eine sehr gute Wahl getroffen, denn die ehemalige Kutschenwerkstatt an der Bochumer Straße 130 beweist, dass etwas vergangenes nicht für alle Zeiten verloren sein muss.
„Dieser Raum ist zwischendurch verloren gegangen und wird nun für die Kunst neu entdeckt“, erklärt Helmut Warnke und trifft damit die Wirkung der Räumlichkeit sehr gut.
Die Vernissage wird musikalisch begleitet von Medet Kalkan, einem Straßenmusiker ohne Beine, der auf seiner Saz musizieren wird. Ermöglicht wird die Ausstellung durch die Unterstützung durch das Referat Kultur der Stadt Gelsenkirchen, das Kommunale Integrationszentrum Gelsenkirchen und den ehrenamtlichen Kunstsponsoren Ferhat Tuncel, der einen Reinungsdienst in den unteren Räumen der Kutschenwerkstatt betreibt und die gute Seele der Location ist.
Gezeigt werden neben der Werkserie des Gelsenkircheners auch die Werke von sieben internationalen Künstlern, die sich ebenfalls dem Thema „lost“ annähern und zwar auf völlig unterschiedlichen Wegen.

Niederlande, Italien, Iran und Deutschland sind vertreten


Anneke Balvert aus Amsterdam hat eine Serie von Fotocollagen erstellt über ihre Gefühle in Zusammenhang mit „lost“. Aber in ihren Werken geht es auch um Menschen, die ihre Lebenssicherheit und Kontakte verloren haben, die allein und verlassen dastehen mit ihrer Angst vor Veränderungen, aber auch vor der Leere.
Jaya Subert aus Berlin hat ihre Werke unter anderem auch in New York ausgestellt und beteiligt sich nun an „lost“ mit einem Materialmix, der Fotografien abwandelt. Damit möchte sie das Verborgene wieder sichtbar machen und dabei helfen sich darüber klar zu werden, dass Veränderung zum Leben gehört.
Aus Teheran stammt Ahang Nakhaie, die heute in Essen lebt, aber auch zwei Jahre Gelsenkirchenerin war. Die Iranerin will den Kreis des Lebens darstellen. Bei ihren Werken geht es um Freiheit und Unfreiheit, Hoffnung und Verzweiflung, Leben und Tod. Doch für sie bedeutet der Verlust auch einen Neuanfang: „Lost ist immer mit Schmerzen verbunden, aber es bringt auch Hoffnung. Denken Sie an eine Geburt, sie ist zunächst mit Schmerz verbunden, dann kommt das neue Leben und mit ihm schließlich die Hoffnung. Ich habe meine Heimat verloren, aber neue Hoffnung gefunden.“ Um den Kreis des Lebens zu inszenieren nutzt sie Fotografien von der Betonmauer der Justizvollzugsanstalt an der Aldenhofstraße. Hier findet man im Beton kreisrunde Formen, die Ahang Nakhaie nun künstlerisch in Szene setzt. Ein Vorhang aus Folie dient ihr dazu, die Realität ein wenig auszublenden und durch einen Nebel erscheinen zu lassen.
Die Italienerin Serenella Dodi aus Rom vergleicht „lost“ mit der Farbe schwarz, die alle Farben in sich haben kann, auch das weiß als Zeichen der Hoffnung. Eine Science-Fiction-Version von „lost“ trägt Anne Deifuss aus Unna bei, denn bei ihr geht es um das Verlorensein im Raum. Dabei zeigt sie auf, dass Kampf, Frust, Hoffnung und Illusion einzig angetrieben werden von der märchenhaften Suche nach einem friedlichen Leben und Sicherheit.
Verschiedene Sichtweisen zeigt Sieghard Watzke aus Steinhagen, der speziell für „lost“ eine Serie in Acryl auf Holz geschaffen hat. Aus Balve stammt Veit Schmoll, der seine Bilder ihre eigene Geschichte von „lost“ erzählen lassen möchte.

Termine, die man sich vormerken sollte


Am 7. und 8. Mai öffnen die Galerien und Kunstorte in der Galerienmeile Gelsenkirchen unter dem Motto „Tür auf“ ihre Pforten. Die Kutschenwerkstatt mit der Ausstellung Lost wird natürlich teilnehmen.
Am Samstag, 7. Mai gibt es dazu eine besondere Veranstaltung: um 18 Uhr lesen der Schauspieler Markus Kiefer, und seine Nichte Marla Gedichte von Helmut Warnke und dazu spielt David Sarazhynski auf seiner Violine.
Am Sonntag, 29. Mai, wird ab 18 Uhr die Finissage gefeiert, bei der das Projekt „Musik mit Flüchtlingen“ für die musikalische Untermaldung sorgen wird.
Die Ausstellung ist bis zum 29. Mai immer donnerstags und sonntags von 15 bis 19 Uhr zu besichtigen sowie nach Vereinbarung unter Telefon 015776327469. "lost" Ahang Nakhaei sieht "lost" als einen "Gang von einer Stufe zu einer Anderen. Ich gewinne meine Freiheit, oder ich verliere sie." Foto: Gerd Kaemper
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