Fährunglück-Gedenkstein - 1946 kenterte die Behelfsfähre Erle-Bismarck und forderte Opfer

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Bei der Aufstellung wurde der Gedenkstein geweiht. (Foto: Gerd Kaemper)
Gelsenkirchen: Rhein-Herne-Kanal |

Am 7. April 1946 kenterte die Behelfsfähre Erle-Bismarck, die die zerstörte Brücke Münsterstraße über den Rhein-Herne-Kanal ersetzte. 21 Menschen ertranken, zwei Kinder, fünf Frauen und 14 Männer. Zur Erinnerung an das Fährunglück hat Steinmetz Konrad Herz einen Gedenkstein gestiftet.



Oberbürgermeister Frank Baranowski und Bezirksbürgermeister Wilfried Heidl weihten diesen am Rhein-Herne-Kanal, Höhe Münsterstraße, ein. Zur Einweihung eingeladen waren auch die Geschwister Eleonore Napierski (83) und Christel Klein (74), die beide das Unglück überlebten, sowie ein damaliger Fährmann Hasso Baetz (87), der jedoch am Unglückstag keinen Dienst hatte.
Das Institut für Stadtgeschichte wird zusätzlich eine Gedenktafel neben den Gedenkstein stellen mit dem folgenden Text: „In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges sprengte die zurückweichende Wehrmacht alle Brücken über den Rhein-Herne-Kanal im Gelsenkirchener Stadtgebiet. So sollte ein weiteres Vordringen der Alliierten verhindert werden. Ab dem 28. März 1945 waren somit sämtliche Verbindungsstraßen zwischen dem Norden und Süden der Stadt nicht mehr passierbar.
Da die notwendigen Baustoffe fehlten, konnte nach Kriegsende zunächst keine feste Fußgängerbrücke über den Rhein-Herne Kanal in Höhe der Münsterstraße errichtet werden. Deshalb wurde Anfang 1946 ein Fährbetrieb eingerichtet. Diese Fähre bestand aus zwei ehemaligen Pionier-Behelfspontons, gezogen und geführt vom Ufer durch zwei Winden. Ihr Fassungsvermögen betrug bis zu 80 Personen.
Am Sonntag, 7. April 1946, gegen 14 Uhr legte sich die nahezu voll besetzte Fähre etwa zehn Meter vom Ufer plötzlich schräg, so dass alle Passagiere ins Wasser stürzten. Bis zum Eintritt der Dämmerung konnten zwei Kinder, fünf Frauen und dreizehn Männer nur noch tot geborgen werden. Am nächsten Tag wurde bei den Bergungsarbeiten von den eingesetzten Tauchern ein weiterer Toter entdeckt.
Im Mai 1946 wurde der Betrieb nach baulichen Veränderungen an der Fähre und den Anlegepunkten mit einer Begrenzung der Personenanzahl wieder aufgenommen.
Ende Juni 1948 waren die Brücken über Emscher und Kanal so weit wiederhergestellt, dass sich ein weiterer Einsatz der Fähre erübrigte.
Insgesamt beförderte die Fähre in zweieinhalb Jahren rund acht Millionen Personen. Zur Erinnerung an die 21 Menschen, die bei dem tragischen Unglück 1946 ihr Leben lassen mussten, wurde 2016 der nebenstehende Gedenkstein geschaffen.“
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