Kohlehalden - Die Berge von Gelsenkirchen

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Imposant und weithin sichtbar: Die Himmelsleiter in Ückendorf auf der Halde Rheinelbe. Foto: Gerd Kaemper
 
Windkraft made in Gelsenkirchen kommt von der Halde Oberscholven in Buer. Foto: Gerd Kaemper

Während die Zechen in Gelsenkirchen nur noch ein Relikt der vergangenen Blüte der früheren Stadt der 1.000 Feuer sind, blieben die Kohleberge und Zechenbrachen zurück. Inzwischen hat sich vielerorts die Natur die Brachen zurück erobert und wo einst Kohle aus mehreren Hundert Metern Tiefe geborgen wurde oder in den Schmelztiegeln der Hochöfen der Stahl aus dem Erz gefiltert wurde, befinden sich heute Naherholungsgebiete. Im eigentlich „platten Land“ der Stadt Gelsenkirchen erheben sich nun die Halden unter deren oft sattem Grün sich die Kohleberge verbergen, die übrig blieben von der Zeit, in der die Zechen den Menschen Arbeit gaben.

In Gelsenkirchen gibt es gleich mehrere solcher Halden, die nicht nur weithin sichtbar sind, sondern auch durch Kunstgebilde von sich reden machen und dazu einladen, sie zu besteigen, um sich selbst ein Bild von der neuen Nutzung zu machen.

Halde Rheinelbe - Berg mit Himmelstreppe

Ein wilder Ort voller Kraft, der von Natur und Kunst beherrscht wird, ist das Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen-Ückendorf. Die künstlerische Gestaltung der bereits Ende der 1920er Jahre brach gefallenen Fläche trägt die Handschrift des Recklinghäuser Umweltkünstlers Herman Prigann.
Hoch oben erwartet den Besucher die zwölf Meter hohe „Himmelsleiter“.

Symbolische Rückkehr der Natur

Aus Abbruchmaterialien der örtlichen Schwerindustrie und Naturmaterialien schuf er ein bizarres Skulpturen-Ensemble, das er verstreut in die Wildnis des seit Jahrzehnten ungestört herangewachsenen Industriewaldes setzte. Wuchtige Baumstämme, Schwellenhölzer, Kies und Schlacken oder tonnenschwere Beton- und Eisenteile formte er zu Toren, Steinkreisen, Behältnissen oder Türmen, die an archaische Kultstätten erinnern. Ort, Material und Form versinnbildlichen das Ende des Industriezeitalters, gleichzeitig aber auch die kraftvolle Rückkehr der Natur.

Wie im Science-Fiction-Film

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die Halde im Süden des Areals. Während des Aufstiegs auf das 35 Meter hohe Haldentop endet auf halber Höhe plötzlich der Wald. Der Blick öffnet sich, die Landschaft verändert sich in einen vegetationslosen, grauen Kegel, auf dessen Spitze eine gigantische Skulptur thront. Über den kargen Schotter winden sich drei Wege spiralförmig nach oben. Auf den letzten Metern führen Stufen zur sogenanten „Himmelsleiter“. Irgendwie hat man das Gefühl, in einem endzeitlichen Science-Fiction-Film gelandet zu sein.
Doch nicht nur Fantasten, auch naturinteressierte Spaziergänger kommen hier auf ihre Kosten. Durch die ständigen Bodenbewegungen sind zum Teil abenteuerliche Schluchten und Abbruchkanten entstanden. Ein Förster führt durch den Landschaftsraum, der Teil des Industriewaldprojekts Ruhrgebiets mit inzwischen elf Standorten ist. Sein Forsthaus, ein ehemaliges Umspannwerk, dient gleichzeitig als Veranstaltungs- und Weiterbildungsort.

Halde Rungenberg: Berg mit Lichtspitze

Die Halde Rungenberg ist der Hausberg des Gelsenkirchener Stadtteils Buer, vor allem aber der Bergmannssiedlung Schüngelberg, die sich direkt östlich anschmiegt und einst die Kumpel des Bergwerks Hugo/Ewald aufnahm.

Die Installation „Nachtzeichen“

Von der Horster Straße oder der Siedlung aus erschließt sich der Rungenberg über zahlreiche Wege, die sich in großen Schleifen hinaufziehen. Wer es eiliger hat, wählt von der Siedlung aus die Brücke über den Lanferbach und steigt die circa dreihundert Treppenstufen zum Haldentop empor.
Der südöstliche Haldengipfel wurde mit schwarzem Abraum zu einer Doppelpyramide aufgeschüttet. Über einem quadratischen Grundriss ragen zwei Dreieckspyramiden in die Höhe, gekrönt von zwei großen Leuchten aus Stahl, die zur Lichtinstallation „Nachtzeichen“ gehören.
Die Neigung der gen Himmel gerichteten Scheinwerfer nimmt den Winkel der Pyramidenaufschüttungen auf. Nach Einbruch der Dunkelheit senden sie Lichtstrahlen aus, die sich am Nachthimmel schneiden und dem Zwillingsgipfel eine Lichtspitze aufsetzen, um sich danach in der Ferne des Himmels zu verlieren.

Ein Relief aus Zechenbahngleisen

Ebenso sehenswert ist das „Schienenplateau“, ein Bodenrelief aus 5.000 ausrangierten Zechenbahngleisen, dicht an dicht neben- und übereinander liegend zu einem Oval geformt. Form und Schwärze geben dem Haldentop sein Profil.
Nur hier und da wagt sich ein Pflänzchen aus dem Boden. Von hier oben hat man einen guten Blick auf die unmittelbare Umgebung.Die unter Denkmalschutz stehende Siedlung Schüngelberg wurde 1897 errichtet und in den 1990er Jahren modernisiert und erweitert. Spannend anzuschauen ist, wie alte und neue Architektur harmonisch miteinander verbunden wurden. Die Siedlung ist ein Modellprojekt zur Regenwasserversickerung.

Windkraft auf der Halde Oberscholven

Gemeinsam mit RAG Aktiengesellschaft errichtet die Emscher Lippe Energie GmbH zur Zeit auf der Halde Oberscholven zwei Windräder mit einer Nennleistung von von insgesamt 4,3 MW. Damit kann der Strombedarf einer Stadt mit 10.000 Einwohnern gedeckt werden
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Benjamin Oppers aus Wanne-Eickel | 18.10.2013 | 20:56  
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